Berlinale: Stehender Protest am Sitzverbot

ver.di-Protest vor dem Berlinale-Palast: Passanten und Festival-Besucher erhielten Informationen.
Foto: Christian von Polentz

Protestaktion vor dem Berlinale-Filmtheater am Potsdamer Platz: Unter dem Motto „So macht Arbeit krank“ protestierten am 17. Februar ver.di-Aktive aus dem Kinobereich gegen mangelnden Gesundheitsschutz und schlechte Arbeitsbedingungen in den hauptstädtischen CineStar-Kinos. An das Festival-Publikum wurden Flugblätter verteilt. Speziell kritisiert wurde, dass sich Kinobeschäftigte während ihrer Arbeit im Service auch in publikumsschwachen Zeiten nicht hinsetzen dürfen.

ver.di  hat vor Beginn der Berlinale 2018 die Arbeitsbedingungen der meisten Berliner Festival-Spielstätten überprüft. Festgestellt wurde, dass insbesondere von dem Kinobetreiber CineStar wesentliche gesetzliche Schutzbestimmungen im Gesundheitsschutz nicht eingehalten werden und dass die demokratische Mitbestimmung der Betriebsräte systematisch missachtet wird.

ver.di kritisiert zudem die permanente personelle Unterbesetzung in fünf von sechs Berliner CineStar-Kinos. So würden über 50 Überlastungsanzeigen der Mitarbeiter im CineStar Berlin-Tegel von der Geschäftsführung ignoriert. Durch die Unterbesetzung im Servicebereich müssen die Beschäftigten mitunter zwischen den Vorstellungen regelrecht rennen, um die Kinos zu reinigen.

ver.di kritisiert den mangelnden Gesundheitsschutz in den Berliner CineSta -Kinos. Die Arbeitgeberin richtet in einzelnen Kinos keine Arbeitsschutzausschüsse ein. Ein besonders krasser Verstoß gegen Schutzbestimmungen sei es, Beschäftigten in der Gastronomie und im Einlass nicht zu erlauben, sich während der Arbeitszeit hinzusetzen – auch wenn kein Gast weit und breit zu sehen ist. Teilweise stehen die Beschäftigten auf unrenovierten Betonböden. Von den Betriebsräten eingeforderte Stehhilfen und Anti-Ermüdungsmatten werden von der Geschäftsführung in Lübeck abgelehnt. Das gilt insbesondere im CineStar-Original am Potsdamer Platz, dem ständigen Berlinale-Palast. Die Berlinale selbst beschäftigt in den Kinos auch eigene Beschäftigte, die sich während der Arbeitszeit sehr wohl  hinsetzen dürfen. Im CineStar Tegel fehle im Übrigen auch angemessene Schutzkleidung für die Beschäftigten bei der Popcornproduktion.

Außerdem verfolge die Geschäftsführung gegenüber den Betriebsräten eine Strategie des „Kleinkrieges“, schätzt ver.di ein. In wesentlichen Feldern verweigere die Geschäftsführung planvoll und systematisch die Mitbestimmung der Interessenvertretungen und dränge diese in permanente Rechtauseinandersetzungen und Gerichtsverfahren bis zum Bundesarbeitsgericht. „Wir fordern das Unternehmen auf, die Mitbestimmung der Betriebsräte zu achten und den Beschäftigten zu erlauben, sich während der Arbeit hinzusetzen. Wenn die Gäste im Kinos sitzen und der Film läuft, muss kein Beschäftigter wie eine Palastwache vor dem Kino stehen“, so ver.di-Gewerkschaftssekretär Jörg Reichel. Er zeigte sich mit der Resonanz auf die Proteste bei  Passanten und Publikum zufrieden und kündigte weitere ver.di-Aktionen während der Berlinale an.

nach oben

weiterlesen

Weiße Flecken auf der Weltkarte

Die Medienkonzentration wächst, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Zentralredaktionen beliefern Dutzende von Zeitungen mit identischem überregionalen Content. Die Auslandsberichterstattung wird ausgedünnt, Korrespondenten werden aus festen Verträgen entlassen. Die Welt wird kleiner, zumindest in der deutschen Regionalpresse. In Zeiten der Globalisierung eine paradoxe Entwicklung.
mehr »

Grün, grüner, noch nicht am grünsten

Nachhaltige Filmproduktion ist kein ganz neues Thema, hat sich aber in jüngster Zeit neben der Geschlechtergerechtigkeit einen Platz ganz oben auf der filmpolitischen Agenda erkämpft. Denn: Wenn Deutschland seine ambitionierten Klimaziele erreichen will, muss auch die ressourcenintensive Filmbranche ihren Beitrag leisten. Wie das gelingen kann, darüber wurde bei einem Fachgespräch der grünen Bundestagsfraktion in Berlin diskutiert.
mehr »

70 Jahre epd medien: Sichten und Einordnen

Der Branchenfachdienst epd medien feiert sein 70-jähriges Bestehen. Am 21. Januar 1949 war erstmals die Vorgängerpublikation epd/Kirche und Rundfunk erschienen. Seit sieben Jahrzehnten biete epd medien Orientierung, sagte die Verantwortliche Redakteurin Diemut Roether. Zum Jubiläum wurde ein 40-seitiges Sonderheft herausgegeben.
mehr »

Streaming attackiert etablierte Medien

Die Quartalsberichte zur deutschen Medienwirtschaft im vierten Quartal 2018 liegen vor. Danach sind im Vorjahr eine Million Internetnutzer neu hinzu gekommen. Auch deshalb ist das Netz inzwischen zum stärksten Werbeträger geworden. TV hat das Nachsehen. Auf dem Zeitungsmarkt dagegen ist die Vielfalt weiter gesunken. Bei Publikumszeitschriften sind im letzten Quartal etliche große Titel verkauft worden.
mehr »