Abschied von Ulrich Janssen

Ulrich Janßen, Bundesvorsitzender der dju bei einer Streikversammlung in Ulm im Juni 2016 Foto: Joe Röttgers

Die dju in ver.di hat in diesem Frühjahr einen schmerzlichen Verlust erlitten. In der Nacht zum 31. März wurde Ulrich Janßen, Vorsitzender der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di und Vorsitzender des Bundesvorstands des Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie nach schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren in Berlin aus dem Leben gerissen. Er wird uns unendlich fehlen.

„Wir trauern um einen Freund und Kollegen, einen engagierten Kämpfer für die Rechte und die gesellschaftliche Rolle und Verantwortung von Journalistinnen und Journalisten. Uli Janßen ist für uns alle ein Vorbild als Gewerkschafter und Betriebsrat. Er war unermüdlich für seine Kolleginnen und Kollegen da, als Betriebsratsvorsitzender in seinem Verlag der Nordwest-Zeitung in Oldenburg, als Referent bei Schulungen, als inspirierender Gesprächspartner und Ratgeber für Medienschaffende in der gesamten Branche.

Sein Engagement im Betrieb führte ihn folgerichtig über Gewerkschaftsfunktionen auf Landesebene seit 2007 auch in den Bundesvorstand der dju in ver.di, deren Vorsitz er 2008 übernahm. Als Vorsitzender setzte er seine engagierte Mitarbeit in der Tarifkommission der dju in ver.di in verantwortlicher Position fort, begleitete bundesweit die notwendigen und oft harten tariflichen Arbeitskämpfe der Journalistinnen und Journalisten, war präsent, kollegial, aufmunternd, hilfreich und herzlich. Wir konnten mit ihm kämpfen, wir konnten mit ihm lachen und uns mit ihm auch über Themen jenseits der aktuellen ver.di-Politik austauschen: Persönlich, kulturell oder – für ihn als Sportredakteur besonders naheliegend – über Sport, möglichst einen mit Bällen. … Der Platz an unserer Seite ist leer, es bleibt eine unfassbare Lücke“, so Frank Wer­neke, stellv. ver.di-Vorsitzender, im Namen der Kolleg_innen von ver.di.

Zur Trauerfeier in Oldenburg waren neben der Familie sehr viele Freunde, Medien-Mitarbeiter_innen und ver.di Kolleg_innen aus der ganzen Republik gekommen. Seine Freunde und Gefährten Helmut Platow und Thomas Meyer-Fries gedachten in bewegenden Worten dieses „ganz besonderen Menschen“, einem „Kämpfer mit tief verwurzeltem Gerechtigkeitssinn“.

Helmut Platow erinnerte sich, wie er Ulrich 1998 aus Anlass der Ausgliederung des IT-Bereichs der Nordwest-Zeitung (NWZ) in die Firma MSP kennengelernt hatte. „Nach der Betriebsversammlung im November 1998 folgten die Verhandlungen über eine Betriebsvereinbarung im Frühjahr 2000. Mit voller Wucht erwischte es uns – das ist unvergessen – am 19. November 2002, als der Betriebsrat bei der NWZ ohne Vorwarnung, ohne vorherige Ankündigung 97 Anhörungen zu betriebsbedingten Kündigungen bekam.“ In einer Nachtaktion wurde „die Struktur für die Zustimmungsverweigerungen beraten und festgelegt“. „Das hat zusammengeschweißt. In den anschließenden Sozialplanverhandlungen in der Einigungsstelle konnten die betriebsbedingten Kündigungen zwar nicht verhindert werden. Es gab aber wenigstens einen Sozialplan mit einem Volumen von 2,5 Mio. Euro, der die schlimmsten Nachteile mildern konnte.“

Danach habe es noch viele gemeinsame Erfahrungen in den Auseinandersetzungen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber gegeben, erzählte Platow. „Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang auch sein jahrelanger Kampf gegen den Missbrauch der Leiharbeit in der NWZ seit 2002. Unermüdlich bekämpfte Ulrich und mit ihm der Betriebsrat betrieblich und überbetrieblich und mit Hilfe der Gerichte diese Form der Ungleichbehandlung im Betrieb, bis nach vielen Jahren alle Redakteurinnen und Redakteure, die zu wesentlich weniger Geld über die unternehmenseigene Leiharbeitsfirma beschäftigt wurden, einen ordentlichen Arbeitsvertrag mit der NWZ erhielten.“

Auch bei Thomas Meyer-Fries war „mit den Jahren aus der ­gemeinsamen Arbeit eine Freundschaft entstanden“, sagte er in Oldenburg. Er erinnerte einmal mehr an Ulis Humor. „Das Spiel mit Worten, die Entdeckung eines Wortwitzes pflegte er leidenschaftlich. Den mit Worthülsen maskierten Irrwitz, sei er ökonomischer, sozialer oder politischer Provenienz, der leider nicht selten auch Gegenstand gewerkschaftlicher Seminare und Diskurse sein muss, in Worte zu fassen, ihn damit bis zur Kenntlichkeit zu entlarven, war ihm ein sinnliches Vergnügen. Überhaupt verstand er sich auf Witze. Dabei konnte er durchaus auch mal beherzt in eine der unteren Schubladen greifen. Das wurde gern verziehen, weil es ihm nie um eine Pointe auf Kosten anderer ging, weil das immer von schmunzelnder Selbstironie begleitet war. Deren Mutter aber ist die Selbsterkenntnis, und der Erzählende bot sich also immer auch selber als Opfer seiner Pointe an. Auch so lernen wir miteinander und voneinander“, sagte Meyer-Fries.

 

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Ulrich Janßen: Er wird uns unendlich fehlen

 

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