Einer von uns

David Jacobs + Block B, Reihe 9, Platz 28 + Delegierten-Nr. 00762 + Delegierter FB 08 NRW + Bezirk Köln +

Er sitzt im größten Delegierten-Block im Kongress-Saal: 225 der mehr als 900 angereisten Delegierten kommen aus Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland Nordrhein-Westfalen, davon 13 aus dem Fachbereich Medien, Kunst und Industrie. David Jacobs ist zum ersten Mal als Delegierter bei einem ver.di-Bundeskongress.
Der 31jährige gebürtige Niederrheiner ist seit 2008 Wahl-Kölner und arbeitet beim WDR in Köln. Der Mediengestalter Bild und Ton sorgt für den guten Ton beim Radiosender „Funkhaus Europa“, produziert Sendungen, Spots und Trailer.

Wenn er über seine Arbeit erzählt, beginnen die Augen des schlanken jungen Manns zu leuchten. Ganz offensichtlich hat er genau dort seinen Platz gefunden, wo er sich schon als kleiner Junge hingeträumt hatte: „Ich hatte als Kind das ganze Haus mit Lautsprechern verkabelt und versorgte meine Familie mit Radio aus dem Kinderzimmer. Ich glaube, meine Eltern waren echt erleichtert, als ich mit 14 Jahren ein Betätigungsfeld bei einem kirchlichen Bürgerradio fand“, berichtet er lachend. Da lag es nahe, dass der radioverrückte Schüler sich zwei Jahre später für ein Praktikum beim Lokalsender „Welle Niederrhein“ in Krefeld bewarb. Doch dort hatte er als Hauptschüler keine Chance: „Wir nehmen nur Praktikanten mit Abitur“, lautete die Antwort. Für David kein Grund, aufzugeben: Er erreichte die Zusage, wenigstens „den Redakteuren über die Schulter schauen“ zu dürfen. Das tat er nicht lange: „Ich machte gleich Beiträge und durfte wenig später die Praktikanten einweisen“, grinst er. Seinem Talent fügte David echtes Fachwissen hinzu, lernte in Krefeld Radiomachen von der Pike auf: „Ich machte eigentlich fast alles, arbeitete journalistisch, produzierte Beiträge.“ Nach dem Schulabschluss mit Mittlerer Reife reichte es dennoch gerade für einen Ausbildungsplatz zum „Gestaltungstechnischen Assistenten im Medienbereich“. David stellte schnell fest, dass er diesem Stoff längst entwachsen war und entschied sich später zu einer externen Prüfung zum Mediengestalter Bild und Ton. Das ist möglich, wenn man Berufspraxis in Höhe der doppelten Ausbildungszeit nachweisen kann. Der Rest ist schnell erzählt: Prüfung bestanden, alsbald der Wechsel zum WDR in Köln.

Langer Atem bis zum Ziel

Der kurze Ausschnitt aus Davids Biographie zeigt: Dieser junge Mann weiß, was er will und hat einen langen Atem, wenn er ein Ziel vor Augen hat. Diese Eigenschaften sind unverzichtbar, wenn man gewerkschaftlich und politisch aktiv ist und Dinge verändern will. „Ich habe nicht immer das Ziel, zu gewinnen. Oftmals ist es schon viel Wert, Denkanstöße zu geben, Entwicklungen anzuschieben“, sagt der Radiomacher. Diese Einstellung kommt offenbar bei vielen Kolleginnen und Kollegen sowohl in ver.di als auch Davids politischem Betätigungsfeld, der Partei Bündnis 90/Grüne, gut an: Bei den Grünen ist er Mitglied des Vorstandes des Kreisverbandes Köln, arbeitet in der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Medien- und Netzpolitik und als deren Delegierter auch in der entsprechenden Bundesarbeitsgemeinschaft mit.
Wie kommt man dazu, als 27jähriger in eine politische Partei einzutreten? Für David ist das ein logischer Schritt: „Ich war schon immer politisch und an grünen Themen interessiert. Den Ausschlag gegeben hat dann ein Spruch meines Lehrers, der mir immer im Kopf geblieben ist: Wenn du von der Politik genervt bist, solltest du in die Partei gehen, die dir am nächsten ist. Und genau das habe ich getan.“ Neben der Medienpolitik engagiert sich David für quer-Themen: „In einer Stadt wie Köln ist das Leben für Schwule und Lesben unproblematisch – aber das ist längst nicht überall so. Und auch auf der rechtlichen Ebene gibt es noch viel zu tun“, meint der Nachwuchspolitiker.
Mitglied bei ver.di ist David schon seit 2005, aktiv seit 2008: „Bis dahin bin ich täglich zwischen Köln und Krefeld gependelt, ehrenamtliches Engagement war da nicht möglich. Aber nach meinem Umzug nach Köln ergaben sich die nötigen Freiräume.“ Im Vorstand des Senderverbandes im WDR findet er ein interessantes Aktionsfeld und will bei der nächsten Wahl für den Personalrat kandidieren. „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass meine Kolleginnen und Kollegen unter guten Bedingungen arbeiten und wir ein Programm anbieten können, das den Anforderungen an öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerecht wird“, formuliert der junge Gewerkschafter seine Ziele.

Argumente aus Medienmacher-Sicht

Auf dem Bundeskongress mischte er sich in die Debatte um den politischen Streik ein. David berichtete von einer Bürgerbefragung zu einem Hafenprojekt in seiner Heimatstadt Köln und wie es gelang, 55.000 Menschen gegen dieses Projekt zu mobilisieren. „Deswegen glaube ich: Wenn man eine Kampagne richtig gut und breit aufstellt, kann man eine Lawine lostreten. Vielleicht erreichen wir dann Stück für Stück die ganze Gesellschaft. Dann können wir mit politischem Streik viel, viel mehr bewegen als mit Aktionen in einzelnen Betrieben. Ich glaube, bei manchen Themen fehlt nur noch der letzte Funke, den wir politisch brauchen, um Sachen nicht erst in 10 oder 20 Jahren hart zu erkämpfen, sondern schon jetzt viel schneller und effektiver durchzusetzen“.
Ein aktiver, politisch hellwacher Medienmacher – David Jacobs ist einer von uns. Er und die anderen jungen Leute seiner Generation werden ver.di in den nächsten Jahrzehnten prägen. Uns muss um die Zukunft unserer Organisation also nicht Bange sein.

nach oben

weiterlesen

Öffentlich-Rechtliche: Auftrag und Erwartung

Gerade in Pandemiezeiten hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk Vertrauen und Wertschätzung beim Publikum gewonnen. Dennoch muss er weiterhin mit den Attacken seiner Gegner leben. „Das ist unser Programm!“ Unter diesem Titel diskutierten auf einer medienpolitischen Tagung von ver.di und DGB in Berlin Medienwissenschaftler und Journalist*innen über den „öffentlich-rechtlichen Rundfunk zwischen Auftrag und gesellschaftlichen Erwartungen“.
mehr »

Gewappnet mit neuen Ideen zur Vernetzung

Gute Stimmung und intensive Gespräche prägten den NRW-Selbstständigentag mit etwa 60 Teilnehmenden am vergangenen Wochenende. Alles drehte sich um Solidarität, die auch für die persönliche Krisenbewältigung wichtig ist; um Vernetzung, die in Kleinstgruppen vor Ort, etwa „in der Raucherecke“ anfängt und darum, dass Selbstständige „keine Aliens“ sind, wenn es um soziale Absicherung geht.
mehr »

Neue Publik-Chefin

Maria Kniesburges war seit 2007 Chefredakteurin der ver.di publik und der ver.di news. 14 Jahre lang prägte sie die ver.di-Medienlandschaft. Jetzt ist sie in den Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin Petra Welzel ist seit dem 1. September im Amt. Die Kunsthistorikerin und Journalistin hat mehr als 30 Jahre journalistische Erfahrung. Seit ver.di-Gründung ist sie Chefin vom Dienst der ver.di publik, mittlerweile auch für verdi.de und verdi.tv. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich die ver.di-Medien weiterentwickelt haben und den Herausforderungen der Gegenwart mit ihren zahlreichen Kommunikationskanälen gerecht werden. Denn die Ansprüche an Kommunikation haben sich seit der…
mehr »

Abschied von Fritz Wolf

Wir trauern um unseren Autoren Fritz Wolf. Er starb am 29. August im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit. Sein Thema war der Dokumentarfilm. Kritisch benannte Wolf immer wieder die mangelnde Wertschätzung dieses Filmgenres, die sich unter anderem in zu wenig und zu späten Sendezeiten im Fernsehen sowie in nicht ausreichender Förderung manifestierte. Mit so manchem Filmtipp in M verschaffte er einer Doku mehr Aufmerksamkeit, regte an, sie zu schauen. Fritz Wolf war auch Autor für epd medien, verfasste verschiedene Studien und war viele Jahre aktiv in Gremien des Grimme-Preises. Wir werden ihn vermissen.    
mehr »