Im Aufwärtstrend

Fachbereichsjugend mit aktiven Mitstreitern für neue Aktivitäten

Erstmals seit acht Jahren hat am zweiten Märzwochenende in Berlin wieder eine Bundesfachbereichsjugendkonferenz Medien, Kunst und Industrie stattgefunden. 20 Teilnehmer trafen sich zwei Monate vor der Bundesjugendkonferenz, die nur alle vier Jahre stattfindet, in der ver.di-Zentrale am Paula-Thiede-Ufer. Im Vergleich zu 2007, als im Fachbereich nicht genügend junge Menschen bis 27 zusammengekommen waren, um eine Bundesfachbereichsjugendkonferenz durchzuführen, zeigte dies einen Aufwärtstrend. Zumindest was die Aktivität der jungen ver.di-Mitglieder betrifft.


Zur rückläufigen Zahl der ver.di-Mitglieder bis 27 sagte Bundesjugendsekretär Ringo Bischoff: „Wir werden alle älter, könnten es aber schaffen, dieses Jahr eine positive Mitgliederentwicklung zu bekommen.“
In einer Gesprächsrunde (Foto oben) erläuterte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende und Bundesfachbereichsleiter Frank Werneke die Bedeutung aktueller Tarifauseinandersetzungen des Fachbereichs für Jugendliche und junge Erwachsene. Durch das von Zeitungsverlegern geforderte „Tarifwerk II“ kämen etwa Redakteurinnen und Redakteure, die schon einen Arbeitsvertrag haben, mit einem blauen Auge davon. Für Neueinstellungen würden jedoch unterm Strich schlechtere Bedingungen gelten. Sie sollen rund 25 Prozent weniger Geld bekommen. Ein Tarifabschluss auf Kosten der jungen Generation käme für ver.di nicht in Frage, versicherte der Bundesfachbereichsleiter. In der Druckindustrie wolle die Unternehmerseite in ähnlicher Größenordnung die Bezahlung von Hilfstätigkeiten verschlechtern. Eine große Chance liege aber darin, dass im Mai gleichzeitig in Verlag, Redaktion und Technik die Friedenspflicht ende. So sei es für die Beschäftigten leichter, an einem Strang zu ziehen.
Eine konkrete und jugendrelevante Verbesserung, die ver.di anstrebe, sei der Einstieg in eine arbeitgeberfinanzierte zusätzliche Altersversorgung in Höhe von 400 Euro pro Jahr. Dies sei vor allem für Jüngere interessant, die noch viele Arbeitsjahre vor sich hätten, betonte Werneke. In der Vergangenheit sei ver.di oft froh gewesen, wenn es in Tarifverträgen keine Verschlechterungen gegeben habe. „Jetzt trauen wir uns in einzelnen Bereichen zu, wieder in die Offensive zu gehen“, so Werneke.
Neben den Delegierten für die Bundesjugendkonferenz im Mai wählte die Konferenz Vertreterinnen und Vertreter für den Bundesjugendvorstand und den Bundesfachbereichsvorstand und einen Bundesfachbereichsjugendfachkreis. Hier weichten die Jugendlichen das Ländervertreterprinzip auf und wählten eine offene Arbeitsform. So können jetzt alle, die motiviert sind und Zeit haben, in dem Fachkreis mitarbeiten. Im Bundesfachbereichsvorstand repräsentieren nun Maximiliane Friedl und Martin Hausding die Jugend, ihre Stellvertreter sind Sascha Rudolf und Leonie Viola Thöne. Im Bundesjugendvorstand von ver.di vertreten den Fachbereich Maximiliane Friedl und Michael Frosch.
Inhaltlich fassten die Konferenzteilnehmer zwei wichtige Beschlüsse. Vom ver.di-Bundesvorstand forderten sie einstimmig den Ausstieg aus der „Initiative zur Tarifeinheit“ des DGB und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). In der Begründung heißt es, die Initiative führe eine neue Form der Friedenspflicht in den Betrieben ein. Wenn eine Konkurrenzorganisation einen Tarifvertrag abschließe, dürften ver.di-Mitglieder nicht zwangsweise per Gesetz an diesen Tarifvertrag gebunden werden. „Tarifautonomie bedeutet, dass Gewerkschaftsmitglieder nur an die Tarifverträge gebunden sind, die ihre Gewerkschaft abschließt.“ Es müsse ver.di-Mitgliedern weiterhin möglich sein, bessere Tarifverträge mit Streiks durchzusetzen. Die von BDA und DGB vorgeschlagene Abschaffung dieser Möglichkeit verstoße gegen die im Grundgesetz garantierte Koalitionsfreiheit. Mit diesem Anliegend steht die Fachbereichsjugend nicht alleine da: Fünf ver.di-Landesverbände haben inzwischen Resolutionen gegen die DGB/BDA-Initiative verabschiedet.
Der zweite Beschluss befasste sich mit der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima. Die jungen Konferenzteilnehmer/innen formulierten auf Anregung der parallel tagenden Frauenkonferenz einen Antrag, in dem der Einsatz von ver.di für den schnellstmöglichen Atomausstieg und die dauerhafte Abschaltung der sieben ältesten Atomkraftwerke in Deutschland gefordert wurde.

 

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