Aktion für Angela Muñoz Trujillo

Die Herausgeberin einer kolumbianischen Wochenzeitung erhält Morddrohungen

Es war am hellichten Tag und geschah an einer Ampel. Angela Muñoz Trujillo standen plötzlich zwei bewaffnete Männer gegenüber. Und ihr Anliegen war eindeutig: „Wenn du es wagst, morgen früh die Zeitung herauszugeben, kannst du nachmittags an der Totenwache für einen deiner Kollegen teilnehmen.“ Seitdem lebt die Herausgeberin der Wochenzeitung „El Vocero“ in Angst. Denn auch sie weiß, dass in den vergangenen zehn Jahren mehr als 40 Journalistinnen und Journalisten in Kolumbien ermordet wurden.

Sie wohnt und arbeitet in Barrancabermeja, einer Stadt, die zu weiten Teilen von paramilitärischen Truppen kontrolliert wird, die mit der Armee zusammenarbeiten. Journalisten und Menschenrechtler, die das Treiben der bewaffneten Gruppen kritisch begleiten, leben gefährlich. Sie werden als Sympathisanten der Guerilla dargestellt und so im wahrsten Sinne des Wortes zum Abschuss freigegeben.

So auch im Fall Angela Muñoz: Am Tag vor der Morddrohung gegen sie und ihre Redaktionsmitglieder gab der Kommandant der paramilitärischen Gruppierung AUC ganz offiziell über eine Lokalzeitung bekannt, dass mehrere Journalisten und Gewerkschafter zu Kriegszielen erklärt wurden.

Diese Worte blieben keine leere Drohung: Wenige Tage später wurde im Bezirk Santander, in dem auch Barracabermeja liegt, der Herausgeber der Monatszeitung „Horizonte Sabanero“ von Unbekannten erschossen. Auch mehrere andere Journalisten in Kolumbien sind in den vergangenen Wochen ermordet, gefoltert oder eingeschüchtert worden. Die Täter bleiben fast immer unbehelligt. Häufig sind Paramilitärs oder Soldaten die Täter, aber auch Guerillaeinheiten bedrohen immer wieder Journalisten, um die Berichterstattung zu beeinflussen. So geraten die Medienschaffenden häufig zwischen alle Fronten.

Was können Sie tun?

Öffentlichkeit kann helfen, bedrohte Journalistinnen und Journalisten zu schützen. Schreiben Sie deshalb an den kolumbianischen Präsidenten und fordern Sie wirksame Schutzmaßnahmen für Angela Muñoz Trujillo und ihre Kollegen von der Zeitung „El Vocero“. Dringen Sie auch darauf, dass der Mord am Journalisten Mario Prada Díaz umfassend und unabhängig untersucht wird und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

Schreiben Sie an:

Señor Presidente
Dr. Alvaro Uribe
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7– 26
Santafé de Bogotá
KOLUMBIEN
Telefax: 0057 – 1 – 334 13 23

Schicken Sie eine Kopie an:

Kanzlei der Botschaft der Republik Kolumbien
S. E. Herrn Hernan Beltz-Paeralta
Kurfürstenstraße 84
10787 Berlin
Telefax: (030) 2639 6125
E-mail: emcol@t-online.de

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Große Aufgaben, kleines Budget

Als ab Mitte der 1980er-Jahre der Privatfunk auf Sendung ging, markierte das einen großen Umbruch im deutschen Mediensystem. Um die neuen Anbieter zuzulassen und zu beaufsichtigen, wurden Landesmedienanstalten als staatsferne Instanzen gegründet. Doch sie bekommen weniger Geld, als ihnen zusteht.
mehr »

Israel vor der Parlamentswahl

Wenn nächste Woche in Israel die Wahllokale öffnen, stimmen rund 7,3 Millionen Wahlberechtige über mehr ab, als nur die Verteilung von 120 Parlamentssitzen. Es ist die erste Wahl nach dem Terrorangriff 2023. Unter dem umstrittenen Langzeit-Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wurde auch die Pressefreiheit erheblich eingeschränkt.
mehr »

Angriff auf die letzten kritischen Medien

Am Zeitungskiosk in Belgrads Innenstadt scheint mit der großen Auswahl an Magazinen und Zeitungen noch Medienvielfalt zu herrschen. Doch dieser Eindruck täuscht: Die meisten Printprodukte und Fernsehsender stehen Machthaber Aleksandar Vučić nahe. Unabhängiger Journalismus gerät zunehmend unter Druck.
mehr »

Schrittmacher für den Lokaljournalismus

„Im Lokalen schlägt das Herz des Journalismus, hier ist er für die Menschen besonders gut erlebbar.“ So Netzwerk Recherche, das Lokaljournalist*innen mit einem Fellowship Lokale Recherche und einem Support Desk unterstützt, da sie unter wachsendem Druck Demokratie und mediale Glaubwürdigkeit verteidigen müssen.
mehr »