Aktion für Samuel Ogundipe, Nigeria

Festnahme nach Artikel

Am 14. August 2018 erhielt der nigerianische Journalist Samuel Ogundipe eine ungewöhnliche Aufforderung. Er möge sich bitte bei der Spezialeinheit für Raub (SARS) der Polizei in der Hauptstadt Abuja melden. Doch statt eines Gesprächs über einen Raub wurde der Mitarbeiter der Online-Zeitung „Premium ­Times“ wegen eines von ihm geschriebenen Artikels festgenommen. Außerdem froren die Behörden seine Bankkonten ein.

Am Tag nach der Festnahme wurde Samuel Ogundipe ohne einen Rechtsbeistand verhört. Die Polizei verlangte von ihm, seine Quellen für einen Artikel offenzulegen. Dieser war am 9. August in der investigativen Online-Publikation „Premium Times“ erschienen und beschrieb eine polizeiliche Untersuchung, die nach dem Eindringen von Agenten des Staatssicherheitsdienstes SSS in die Nationalversammlung in Auftrag gegeben worden war. Der Untersuchungsbericht wurde kürzlich vom Generalinspekteur der Polizei dem amtierenden Staatspräsidenten Yemi Osinbajo vorgelegt – der Vizepräsident vertritt kommissarisch den erkrankten Staatschef Muhammadu Buhari.

Samuel Ogundipe weigerte sich, seine Quellen preiszugeben und musste deshalb in Haft bleiben und wurde wegen „Hausfriedensbruchs“ und „Diebstahls polizeilicher Dokumente“ angeklagt. Sein Anwalt wurde nicht zu ihm gelassen, als die Anklageschrift verlesen wurde, obwohl der Journalist nach ihm verlangte. Gegen Ogundipe wurde Untersuchungshaft verhängt. Amnesty International ist überzeugt, dass der Journalist ausschließlich wegen der Wahrnehmung seiner journalistischen Tätigkeit festgenommen wurde und fordert seine sofortige und bedingungslose Freilassung.

Nach Erscheinen des Artikels wurden auch die Journalistin Azeezat Adedigba und der Chefredakteur von „Premium Times“, Mojeed ­Musikilu, von der Polizei verhört. Beide wurden aber noch am selben Tag aus dem Gewahrsam wieder entlassen.

In Nigeria werden Journalistinnen und Journalisten immer wieder eingeschüchtert, an der Berichterstattung gehindert oder nach kritischen Berichten von Sicherheitskräften geschlagen oder willkürlich festgenommen. Auch die Online-Zeitung „Premium Times“ war schon mehrfach im Visier der Behörden des westafrikanischen Landes.

Was können Sie tun?

Schreiben Sie an den nigerianischen Generalstaatsanwalt und ­fordern Sie ihn auf, den Journalisten Samuel Ogundipe umgehend freizulassen und alle Anklagepunkte gegen ihn fallen zu lassen.

Verlangen Sie von seiner Behörde, die Pressefreiheit zu achten und Journalisten bei der Ausübung ihrer Arbeit zu schützen.

Schreiben Sie auf Englisch oder Deutsch an:

Abubakar Malami, SAN

New Federal Secretariat Complex

5th Floor

Shehu Shagari Way

PMB 192 Garki, Maitama

Abuja

NIGERIA

Fax: 00 234 9 523 51 94

E-Mail: info@fmj.gov.ng

 

Senden Sie eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER

BUNDESREPUBLIK NIGERIA

S.E. Herr Yusuf Maitame Tuggar

Neue Jakobstraße 4

10179 Berlin

Fax: (030) 21 23 02 12

E-Mail: info@nigeriaembassygermany.org

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Das Netz hat ein SLOP-Problem

Künstliche Intelligenz verändert das Internet wie wir es kannten. KI dient als Beschleuniger von immer neuen Inhalten. Nicht immer entstehen auf diese Weise sinnvolle Inhalte. AI Slop, also digitaler Müll, flutet das Netz. Und KI geht nicht mehr weg. Denn KI-Modelle, finden sich inzwischen an allen möglichen und unmöglichen Stellen des privaten und beruflichen Lebens.
mehr »

Aktionstag für digitale Souveränität

Persönliche Daten sind eine Ware – und wir liefern sie freiwillig an große Technologiekonzerne. Doch was wäre, wenn es auch anders ginge? Eine neue Initiative ruft zum Digitalen Unabhängigkeitstag auf und wirbt für einen Ausstieg aus der digitalen Abhängigkeit.
mehr »

Big Tech verändert TV und Streaming

Bei den Video-Streaming-Plattformen verteidigte YouTube im Jahr 2025 erfolgreich seine Führungsposition und erreicht 72 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Die öffentlich-rechtlichen Streaming-Netzwerke von ARD, ZDF, Arte und 3sat kommen auf über 60 Prozent, dicht gefolgt von Netflix und Amazon Prime Video. Doch auch die Sender des ÖRR nutzen YouTube als Ausspielweg ihrer Inhalte. 
mehr »

Guatemala: Eine ernüchternde Bilanz

Knapp zwei Jahre ist Guatemalas Präsident Bernardo Arévalo im Amt und erklärtes Ziel seiner Regierung ist es einen Schutzmechanismus für Journalist*innen einzuführen. Doch das innovative Projekt kommt nicht vom Fleck, moniert die Medienanalystin Silvia Trujillo gemeinsam mit zahlreichen bekannten Berichterstatter*innen. Dafür machen sie nicht nur den omnipräsenten „Pakt der Korrupten“ verantwortlich, sondern auch das Zögern der Regierung. Die verharre im Stand-By.
mehr »