Die ganze Welt ist unsere Bühne

UNI-MEI-Weltkonferenz in Madrid beschließt ehrgeiziges Programm

„All the world is our stage“ unter diesem Motto hatten sich vom 17. bis 19. Oktober 2007 in Madrid 130 Delegierte von Medien- und Kulturgewerkschaften aus der ganzen Welt versammelt. UNI-MEI – das steht für Media,-Entertainment-International ist zwar der kleinste Sektor in der weltgrößten Gewerkschaftsinternationale Union Network International, zählt aber immerhin rund 130 Mitgliedsgewerkschaften in über 80 Ländern, darunter ver.di.

Trotz unterschiedlicher Ausgangs- und Rahmenbedingungen sind die Kernprobleme und Aufgaben sehr ähnlich. Eines der Hauptthemen war die Mitgliedergewinnung und Durchsetzung von Gewerkschaftsrechten. Äußerst spannend der Vergleich zwischen der Organisierung von Mitgliedern beim Medienkonzern Disney in den USA und in Hongkong. Der schwergewichtige Dan Mahoney von der US-amerikanischen Gewerkschaft CWA-Nabet muss trotz formal korrekter Strukturen ebenso gegen knallharten Unternehmerwiderstand bei der Durchsetzung eines Tarifvertrages kämpfen wie die zierliche Chinesin Elaine Hue für das Recht auf Organisierung beim weltgrößten Medienkonzern überhaupt. Nicht einfacher ist die Situation in Indonesien, von der Martha berichtete. Schon die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft ist dort wie auch u. a. auf den Philippinnen mit großen beruflichen Risiken verbunden. In Lateinamerika hat sich mit der politischen Veränderung zu Mitte-Links-Regierungen die Situation in einigen Ländern tendenziell verbessert. Schwierig stellt sich die Situation in Rußland und der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GuS) dar. Gewerkschaftliche Strukturen sind zum Teil – insbesondere in den zentralasiatischen Staaten – kaum noch vorhanden. Ansätze zum Neuaufbau extrem schwierig. Positive Berichte gab es z. B. aus Argentinien und Brasilien. In Kolumbien dagegen ist das Eintreten für Gewerkschaftsrechte weiterhin lebensbedrohend für die Protagonisten.

Diskussion über Internetpiraterie

Die Sicherheit von Journalisten und anderen Medienarbeitern war ebenfalls Konferenzthema. Hierzu referierte Rodney Pinder, Direktor des International News Safety Institute (INSI). Zu Medien- und Meinungsfreiheit diskutierten u.a. Aidan White, Generalsekretär der Internationalen Journalisten Föderation (IJF) und Carlos Siguion-Reyna von der philippinischen Directors Guild. Einen Überblick zu den Aktivitäten im Kampf für Geschlechtergleichheit, gegen Rassendiskriminierung und Intoleranz in den vergangenen vier Jahren gab Zoe Lanara, die scheidende Uni-MEI-Präsidentin und mit dem Schwerpunkt Afrika Coretta Sam Gwary aus Nigeria.
Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz waren die Arbeitsbedingungen von Kunst- und Medienschaffenden sowie deren Urheberrechte. Hierzu informierten und diskutierten Heinrich Bleicher-Nagelsmann (ver.di), Bernie Corbett (Writers Guild UK) und Icaro Martins (APACI, Brasilien). Heiß diskutiert auch die Piraterie im Filmbereich. Beispiele aus Asien, Lateinamerika, und den Vereinigten Staaten sowie Europa zeigten einerseits die Vielfalt der Problematik und andererseits die unterschiedlichen Vorstellungen von Lösungsansätzen. Während die US-amerikanischen Kollegen insbesondere auf technische Lösungen (Kopierschutz) und rechtliche Maßnahmen („Das ist Diebstahl und muss bestraft werden“) setzen, übten die Lateinamerikaner eher Kritik an der Vertriebs- und Preispolitik der großen Film- und Medienkonzerne. Kein Wunder, dass die Kongress-Anträge zu dieser Thematik intensiv diskutiert wurden. Alle Beschlüsse des Kongresses sind auf der homepage von UNI-MEI dokumentiert.
Zum Abschluss der Versammlung wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, unter ihnen die Präsidentin Zoe Lanara und der langjährige Vizepräsident Klaus-Peter Hellmich (ver.di) gebührend verabschiedet. Zum neuen Präsidenten von UNI-MEI wählte die Konferenz Heinrich Bleicher-Nagelsmann (ver.di), der seit mehreren Jahren als Vizepräsident der Euro-MEI international tätig ist. Ihm zur Seite stehen für die nächsten vier Jahre fünf Vizepräsidenten und neun weitere Vorstandsmitglieder aus allen Kontinenten und Organisationsbereichen der UNI-MEI. Das Arbeitsprogramm für die nächsten Jahre ist quasi mit den beschlossenen Anträgen umrissen. „Es ist“, so der neue Präsident in seinem Schlusswort, „ein ehrgeiziges aber notweniges Programm.“ Mit Dank und einer Referenz an die große Literatur der spanischen Gastgeber beendete er die erfolgreiche Konferenz: „Manchmal fühlen wir uns bei unserem alltäglichen gewerkschaftlichen Kampf wie der edle Don Quijote de la Mancha im Kampf gegen die Windmühlen. Was wir aber von Miguel de Cervantes aus seinem großartigen Roman lernen können ist dies: Mit Kühnheit, Mut und Beharrlichkeit müssen wir an die Verwirklichung unserer Aufgaben und die Träume von einer gerechteren Welt herangehen.“

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