Ermordet und nicht vergessen

Mord an Anna Politkowskaja – weitere Ermittlungen gefordert

Am 1. Todestag von Anna Politkowskaja, am 7. Oktober, fanden in verschiedenen deutschen Städten Gedenkveranstaltungen statt, so in Hamburg und Potsdam. In Berlin erinnerte Reporter ohne Grenzen (ROG) gemeinsam mit amnesty international (ai) mit einer Mahnwache vor der russischen Botschaft an die kritische Journalistin, die in Moskau erschossen wurde. Im Berliner ver.di-Haus fand eine Lesung mit anschließender Diskussion statt. In Paris wurde Anna Poltikowskaja auf dem Platz der Menschenrechte gedacht. In Rom und im südfranzösischen Perpignan sind öffentliche Plätze nach ihr benannt worden.

Ein Jahr nach dem Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja ist die Tat aus Sicht von Reporter ohne Grenzen (ROG) noch immer nicht aufgeklärt. Die bisher bekannt gewordenen Ermittlungsergebnisse überzeugen nicht. „Die russischen Behörden müssen den Prozess gegen die bisher Festgenommen so schnell wie möglich eröffnen und transparent führen“, fordert ROG. „Denn es ist bislang unklar, ob die wahren Täter und Hintermänner unter ihnen sind.“ Daher müsse auch parallel in alle Richtungen weiter ermittelt werden. „Der Mord muss lückenlos aufgeklärt werden. Mögliche Verstrickungen von Politik, Geheimdienst und Polizei dürfen dabei kein Hindernis sein“, heißt es in einer Presseerklärung.
Die russische Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass eine Gruppe tschetschenischer Krimineller mit Unterstützung von Mitarbeitern des russischen Geheimdienstes den Mord verübt habe. Der Auftraggeber solle von außerhalb Russlands agiert haben. Elf Personen sind nach offiziellen Angaben in Zusammenhang mit dem Mord festgenommen worden, unter ihnen der tschetschenische Politiker Shamil Burajev. Polizeibeamte und Angehörige des Innenministeriums hätten Informationen über Anna Politkowskaja zur Verfügung gestellt, heißt es. (www.reporter-ohne-grenzen.de)

Mutige Artikel ausgezeichnet

Vor fünf Jahren wurde den deutschen Moskauer Korrespondenten der Frankfurter Rundschau und der Süddeutschen Zeitung, Florian Hassel und Tomas Avenarius, der Wächterpreis zuerkannt. Sie waren ebenso wie Anna Politkowskaja inkognito in das gesperrte Kriegsgebiet gefahren. Ihre authentischen mit dem Wächterpreis ausgezeichneten Berichte und Interviews über die Reise; eine ausführliche Chronologie über Tschetschenien, Lebenswerk der Anna Politkowskaja; eine Zustandsskizze über die Pressefreiheit in Russland sowie eine Liste der getöteten und ermordeten Journalisten sind auf www.waechterpreis.de dokumentiert.
„Tschetscheniens vergessene Kinder“ heißt ein Buch von Andrea Jeska (Journalistin u. a. Die Zeit, FAZ, Freitag) und Musa Sadulajew (u.a. AP-Fotograf). Sie setzen mit diesem weltweit ersten Bildband über die Kinder des Tschetschenienkrieges die Arbeit von Anna Politkowskaja fort. Das Buch mit einem Vorwort von Thomas Roth erschien im Brendow Verlag, Moers (144 Seiten, 100 farbige Fotos, Texte: Deutsch, Englisch, Russisch).

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