Getötet während der Arbeit

2007 wieder ein „schwarzes Jahr“ für die Pressefreiheit

Das abgelaufene Jahr war für Journalisten noch gefährlicher als die vergangenen 13 Jahre. Nach einem Bericht der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) wurden 2007 insgesamt 86 Medienvertreter während oder wegen ihrer Arbeit getötet. Das sind fünf mehr als 2006.

Erneut forderte die Arbeit im Irak die ­meisten Menschenleben. Dort wurden 47 Pressemitarbeiter ermordet. Zu Beginn des Krieges 2003 waren dort vor allem ausländische Reporter getötet worden. Im vergangenen Jahr waren mit Ausnahme eines russischen Kollegen ausschließlich Iraker die Opfer. Sie arbeiteten zum Teil für einheimische, zum Teil für internationale Medien.
Das weltweit zweitgefährlichste Land für Journalisten war Somalia – dort verloren acht Journalisten ihr Leben. Während ausländische Medien in dem ostafrikanischen Land kaum noch präsent sind, berichten einheimische Reporter unter großen Gefahren von den Kämpfen zwischen militanten Islamisten und den von Äthiopien unterstützten Regierungstruppen. In Pakistan starben sechs Medienleute, in Sri Lanka drei. In Eritrea kamen zwei Journalisten ums Leben. Einer starb im Gefängnis, ein anderer, als er versuchte, aus dem Land, in dem es nahezu keine Pressefreiheit gibt, zu fliehen.
„Reporter ohne Grenzen“ zählt ausschließlich Todesfälle, die direkt mit der Berufsausübung in Verbindung stehen. Nicht erfasst sind Fälle, deren Zusammenhang noch nicht geklärt ist oder weil sie auf Krankheiten oder Unfälle zurückzuführen sind. Ähnlich geht das „Komitee zum Schutz von Journalisten“ (CPJ) vor. Es dokumentierte 65 getötete Medienvertreter sowie 23 Fälle, in denen noch geprüft wird, ob ihr Tod unmittelbar mit ihrer Arbeit zu tun hat. Deutlich höhere Zahlen legte die „Internationale Journalistenvereinigung“ (IFJ) vor: Sie ermittelte in Zusammenarbeit mit dem „Internationalen Institut für Nachrichtensicherheit“ (INSI) 171 Todesfälle. Hier werden allerdings auch Auto­unfälle mitgezählt sowie Tötungen, die vermutlich aus privaten Motiven erfolgten – etwa nach einem Nachbarschaftsstreit.
Trotz unterschiedlicher Zählweise sind sich aber alle Organisationen einig: Regierungen sollen nicht nur Pressefreiheit garantieren und bedrohte Journalis­ten schützen, sondern vor allem dafür sorgen, dass die Verantwortlichen für die Übergriffe gegen Journalisten zur Rechenschaft gezogen werden. Nach Angaben von ROG bleiben 90 Prozent der Morde an Journalisten ungesühnt. „Solange aber Straflosigkeit herrscht“, erläutert INSI-­Direktor Rodney Pinder, „ist die Presse­freiheit weltweit in Gefahr. Denn Morde werden eine billige, risikolose und extrem effektive Form der Zensur. Die Täter werden ein akutes Problem los und bringen gleichzeitig andere Journalisten zum Schweigen.“


Zahlen 2007 von ROG

Getötete Journalisten und Medienmitarbeiter: 86 (in 21 Ländern)
Davon die meisten im Irak: 47

Entführte Journalisten: 67 (in 15 Ländern)
Davon die meisten im Irak: 25

Festnahmen: 887
Davon die meisten in Pakistan: 155

Inhaftierte Journalisten (am 31.12.2007): 135.
Davon am meisten in China (33) und Kuba (24)

Inhaftierte „Internetdissidenten“: 65
Davon am meisten in China: 50

Gedenksteine in Bayeux

Reportergedenkstätte in Bayeux/Frankreich: Für 2007 müssen weitere 86 Namen getöteter Journalisten auf die Stelen eingraviert werden.

Links

www.reporter-ohne-grenzen.de
www.rsf.org
www.cpj.org
www.ifj.org
www.newssafety.com

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