Hajo Seppelt bekommt Russland-Visum

Wie der stern aus „informierten Kreisen“ erfahren hat, soll Sportjournalist und Doping-Experte Hajo Seppelt nun doch ein Visum für die Einreise nach Russland bekommen. Bundesaußenminister Heiko Maas bestätigt auf Twitter, dass „Seppelt zumindest zur WM einreisen kann“. Ob er von dort auch berichten kann, sei offenbar noch nicht geklärt. Die Bundesregierung hatte die russische Regierung gestern aufgefordert, den Journalisten einreisen zu lassen. Außerdem hatte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts mitgeteilt, die Botschafter Russlands und Deutschlands befänden sich mittlerweile in Gesprächen über die Einreise Seppelts.

Wie die ARD am vergangenen Freitag, den 11. Mai, mitgeteilt hatte, sei das für Seppelt vom SWR beantragte Visum für ungültig erklärt worden. Der Journalist stehe auf einer Liste der in Russland „unerwünschten Personen“. Der Sender bewertete dies als „beispiellosen Eingriff in die Pressefreiheit“. Die FIFA hatte auf Anfrage erklärt, dass Seppelt eine Akkreditierung für das WM-Turnier gewährt worden sei. Man warte nun auf weitere Informationen der russischen Behörden.

„Wer einem Journalisten wie Hajo Seppelt die Einreise verweigert, outet sich als Feind von Demokratie und Pressefreiheit“, sagte gestern dju-Bundesgeschäftführerin Cornelia Haß. „Weder die FIFA noch die Regierungen der Länder, die ihre Mannschaften zur Fußball-WM schicken, können es akzeptieren, dass ein Turnier von dieser – auch politischen – Bedeutung missbraucht wird, um mit Gewalt Standards durchzusetzen, die jedem demokratischen Rechtsverständnis eklatant wiedersprechen. Die Bundesregierung tut gut daran, sich für eine Einreiseerlaubnis für Hajo Seppelt einzusetzen. Sollte es bei ihrer Verweigerung bleiben, müssen allerdings auch Konsequenzen gezogen werden.“

Gestern hatte sich auch die Arbeitsgemeinschaft der Redakteursausschüsse im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (AGRA) zu dem Vorgehen der russischen Behörden geäußert, welches sie als „nicht hinnehmbaren Vorgang“ bezeichnete: „Wir fordern den Veranstalter der WM, den Weltfußballverband FIFA, auf sich eindeutig zu positionieren und sich dafür einzusetzen, dass Hajo Seppelt wie alle anderen Berichterstatter uneingeschränkten Zugang zur WM erhält.“ Ihre Forderung richtete die AGRA aber auch an den Deutschen Fußballbund: „Ebenso sehen wir den Deutschen Fußballbund DFB in der Pflicht, seinen Einfluss geltend zu machen, dass Hajo Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann.“

Für den DFB hatte sich wiederum bereits am Samstag Präsident Reinhard Grindel öffentlich erklärt, die Verantwortung für die Bereinigung allerdings dem Weltfußballverband zugewiesen: „Die Fifa hat betont, welchen hohen Stellenwert die Pressefreiheit für sie hat. Ich habe volles Vertrauen, dass die Fifa jetzt ihren Einfluss geltend macht, damit Herr Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann.“

***Update: Mittlweile hat auch Bundesaußenminister Heiko Maas auf Twitter die Gewährung der Einreiseerlaubnis bestätigt, nicht allerdings, dass der Sportjournalist von dort auch berichten kann:

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Journalistinnen vor Online-Hass schützen

Zum Internationalen Frauentag warnt die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di vor zunehmender digitaler Gewalt gegen Journalistinnen. Die Gewerkschaft fordert verbindliche Schutzstandards für Medienschaffende und mehr Verantwortung der Medienhäuser beim Schutz ihrer Beschäftigten.
mehr »

DuMont schluckt die Kölnische Rundschau

80 Jahre sind eigentlich  Anlass für eine große Geburtstagsfeier. Am 19. März 1946 erschien die erste Ausgabe der Kölnischen Rundschau (KR). Es gäbe also einen guten Grund, den Tag in diesem Jahr zu feiern. Daraus wird nun nichts. Denn der Heinen-Verlag schließt die Redaktion der Kölnischen Rundschau.
mehr »

RBB: Zweifel bei „Zusammenarbeit“

„Neue Zusammenarbeit“ – so heißt beim RBB das aktuell größte Umbauprojekt. Es soll die Rahmenbedingungen für die journalistische Arbeit verbessern. Dazu gehört eine Umstrukturierung und Verkleinerung der zweiten Führungsebene, der unterhalb des Direktoriums. Vorgesehen sind nur noch acht statt bisher zwölf Positionen. Sie wurden öffentlich ausgeschrieben und sollen bis Anfang April besetzt werden. Doch vom RBB-Personalrat kommt Kritik.
mehr »

Pro Quote: Gefährdet durch Förderstopp

Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat nach neun Jahren Förderung einen umfangreichen Antrag von ProQuote Medien zur Beobachtung und Analyse des Geschlechter-Backlashes innerhalb der deutschen Medienlandschaft abgelehnt. Das gefährdet laut Aussage des Vereins dessen Arbeit massiv.
mehr »