Iran: Journalisten bedroht und verhaftet

Der Tod von Mahsa Amini sorgt weltweit für Proteste, auch in Berlin. Foto: AP/Michael Sohn

Die Proteste in Iran halten an: Seit dem gewaltsamen Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Mitte September gehen die Menschen auf die Straße, Frauen schneiden sich aus Protest gegen die Religionspolizei die Haare ab und verbrennen öffentlich ihre Kopftücher. Dabei gehen die Sicherheitskräfte nicht nur mit aller Härte gegen die Demonstrierenden vor – auch für Journalist*innen ist die Situation gefährlich, wie Reporter ohne Grenzen (RSF) kritisiert. Die Anstrengungen des Regimes, freie Berichterstattung zu unterbinden, seien enorm.

Mindestens 23 Journalist*innen seien seit Beginn der Proteste verhaftet worden, unabhängige Medien würden als Vasallen der USA und Israels gebrandmarkt, Internet und Telefonverbindungen weiträumig blockiert. „Gerade in Phasen von Umbrüchen und Protesten ist es wichtig, sich ungehindert informieren zu können“, sagte RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. „Dass das iranische Regime diese Lebensader einfach durchtrennen will, zeigt seine Brutalität. Es zeigt aber auch, dass die Herrscher mit dem Rücken zur Wand stehen.“

Insgesamt sitzen nach RSF-Angaben 37 Journalist*innen im Gefängnis, vor Beginn der Proteste seien es 14 gewesen. Die Sicherheitskräfte hätten mehrere Journalist*innen vorgeladen, ihnen gedroht und befohlen, die Berichterstattung einzustellen. Es gebe illegale Hausdurchsuchungen, teils weit nach Mitternacht, bei denen alle elektronischen Geräte von Journalist*innen konfisziert würden.

Netzblockaden im ganzen Land

Die Journalistin Niloofar Hamedi sei eine der ersten gewesen, die Amini im Krankenhaus besucht und über die Trauer der Eltern berichtet hatte. Sie wurde am 22. September festgenommen und ins Teheraner Evin-Gefängnis gebracht. Drei Tage zuvor wurde die Fotojournalistin Yalda Moaiery verhaftet, sie sitzt im Qarchak-Gefängnis, etwas außerhalb der Hauptstadt. Beide Gefängnisse seien wegen der brutalen Zustände berüchtigt, es gebe Berichte über Folter und schwere Misshandlungen, so RSF.

Die schwerwiegendsten Folgen für die freie Berichterstattung habe die großflächige Sperre von Internet- und Telefonverbindungen seit dem 19. September. In nahezu allen Teilen des Landes komme es zu Netzblockaden. Auch der Zugang zu den Meta-Diensten Instagram und WhatsApp ist mittlerweile blockiert. Die iranische Regierung kündigte an, Meta wegen „Hetzerei“ zu verklagen.

Iran belegt auf der RSF-Rangliste den drittletzten Platz. In den vergangenen Jahrzehnten wurden Hunderte Medienschaffende strafverfolgt, inhaftiert oder hingerichtet – zuletzt der oppositionelle Journalist Ruhollah Sam im Dezember 2020. Auch ausländische Medien und Journalist*innen im Exil seien von der Verfolgung betroffen, ebenso deren in Iran lebende Verwandte.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Regierungswechsel ohne Pressefreiheit

Berichten in einem „feindseligen Umfeld“ ist Alltag für die Kolleg*innen in Venezuela, so „Reporter ohne Grenzen“. Das bestätigt auch die Journalistin Ronna Rísquez, die seit mehr als zwanzig Jahren für verschiedene Medien aus Caracas berichtet. Nach den manipulierten Präsidentschaftswahlen vom 28. Juli 2024 habe sich die Situation weiter verschärft, so Rísquez. Sie hat auch deshalb Venezuela vor rund zehn Monaten verlassen – beobachtet genau und will zurück.
mehr »

Shorts sind keine Hosen

Ein Video-Clip zeigt, wie die Entsorgungsbetriebe einer großen Ruhrgebietsstadt Sperrmüll aufladen und entsorgen. Ein anderer befasst sich mit einem Fußballspiel des Regionalligisten Rot-Weiss-Essen. Und dann noch ein Clip, indem eine junge Redakteurin ihren Arbeitsalltag bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (Funke Mediengruppe) in Bochum beschreibt.
mehr »

Das Netz hat ein SLOP-Problem

Künstliche Intelligenz verändert das Internet wie wir es kannten. KI dient als Beschleuniger von immer neuen Inhalten. Nicht immer entstehen auf diese Weise sinnvolle Inhalte. AI Slop, also digitaler Müll, flutet das Netz. Und KI geht nicht mehr weg. Denn KI-Modelle, finden sich inzwischen an allen möglichen und unmöglichen Stellen des privaten und beruflichen Lebens.
mehr »

Aktionstag für digitale Souveränität

Persönliche Daten sind eine Ware – und wir liefern sie freiwillig an große Technologiekonzerne. Doch was wäre, wenn es auch anders ginge? Eine neue Initiative ruft zum Digitalen Unabhängigkeitstag auf und wirbt für einen Ausstieg aus der digitalen Abhängigkeit.
mehr »