Junge Zeitung in Südafrika

The New Age – unabhängig, kritisch, nicht regierungsfeindlich

Südafrikas stark konzentrierter Zeitungsmarkt hat einen neuen Bewerber. Das überregionale Blatt The New Age gilt als regierungsfreundlich, gibt sich aber unabhängig. Die junge Zeitung hat das Potenzial, Regierungsarbeit ausgewogen zu erklären – während sich die meisten übrigen Titel auf kritischem Kollisionskurs mit der Politik befinden.


Der Rahmen war feierlich und Südafrikas Präsident Jacob Zuma offensichtlich bester Laune. Anlässlich des 150. Jahrestags der Ankunft der ersten indischen Arbeiter in der Hafen-Metropole Durban hatte Atul Gupta, indisch-stämmiger Wirtschafts-Mogul in Südafrika und Verleger von The New Age, im Namen seiner Zeitung zum Bankett geladen. „Ein neuer Hauch frischer Luft in den Medien“ sei die Zeitung und „ein neues Kapitel der Berichterstattung“ lobte der Präsident das zu dem Zeitpunkt gerade einen Monat alte Blatt. Eine verbale Umarmung, die den Kritikern der Zeitung jedoch frischen Wind in die Segel blies. The New Age, das stand für die vorrangig konservativen, weißen Kritiker ohnehin schon lange vor Erscheinen der ersten Ausgabe fest, sei das verkappte Sprachrohr des regierenden African National Congress (ANC).
Die Indizien liegen schließlich auf der Hand. Gupta ist ein enger Freund von Präsident Zuma, seine Computer-Firma Sahara erhielt bereits einen lukrativen Auftrag der öffentlichen Hand, staatliche Schulen mit 300.000 Billig-Laptops auszustatten, und auch Guptas Söhne sind Geschäftspartner eines Sprosses Zumas. „Es gibt keine Hotline zwischen meinem Büro in Midrand und dem Luthuli-Haus“, stellte Chefredakteur Henry Jeffreys die Distanz zum ANC-Hauptquartier in Johannesburg sogleich in seinem Leitartikel in der ersten Ausgabe klar. Was zunächst nach reiner Verteidigungshaltung klang, hat The New Age seitdem eindrucksvoll belegt. Neben Artikeln zu neuen Plänen des sozialen Wohnungsbaus stehen Berichte über ANC-Bürgermeister, die ihre Gemeinden im Stich lassen.
Dass der ANC The New Age nicht als sein Sprachrohr betrachtet, darauf deutet auch die jüngste Ankündigung von Regierungssprecher Jimmy Manyi hin. Der will die regierungseigene Postille Vuk’uzenzele künftig als monatliche Zeitung und nicht mehr wie bisher als Amtsblatt im Zweimonatsrhythmus herausgeben. Die Regierung würde ihre Verantwortung vernachlässigen, wenn sie Redakteure kommerzieller Zeitungen – wie The New Age – entscheiden ließe, welche Regierungsinformationen veröffentlicht würden, begründete Manyi sein Propaganda-Projekt.

Nicht auf Skandale fokussiert

Von anderer Seite gibt es dagegen Anerkennung, wenn auch nicht überschwänglich. „Bisher scheint die Berichterstattung von The New Age ausgewogen und fair und spiegelt die aktuellen Themen wieder“, sagt die Medienwissenschaftlerin Bianca Wright von der Nelson-Mandela-Metropol-Universität in Port Elizabeth. Der Johannesburger Journalismus-Professor Anton Harber bezeichnet die Berichterstattung in einem Gastartikel für die Wirtschaftszeitung Business Day zwar als langweilig, stellt aber auch heraus: „Es hätte schädliche Auswirkungen auf unsere Medien und auf unsere Politik, wenn die Zeitung verschwinden würde.“
The New Age schreibt dem ANC zwar nicht nach dem Mund, ist aber nicht so auf Skandale fokussiert wie die alteingesessene Konkurrenz. „Südafrikanische Zeitungen sind in den Jahren nach Ende der Apartheid zu einem Wächter der Gesellschaft aufgestiegen und haben daher oft Politiker und Parteien vor den Kopf gestoßen, die glauben, dass Berichte über Korruption in ihren Reihen tabu sein sollten“, sagt Wright. Das mag stimmen, tatsächlich leistet Südafrikas Presse vorbildlichen Investigativ-Journalismus, offensichtlich fehlen den großen südafrikanischen Zeitungen dadurch aber auch die nötigen Kontakte und Hintergrundinformationen, um die alltägliche Politik zu erklären. Zu verhärtet sind die Fronten zwischen schwarz-dominierter Regierung und der vornehmlich noch immer von Weißen gelenkten Presse. The New Age will diese Gräben schließen und gibt auch Nachrichten positiver Regierungsarbeit Raum – wohl wissend wie schmal der Grat ist. Man werde zwar die jeweils aktuelle Regierung unterstützen, wolle aber „konstruktiv Kritik üben“ und Korruption aufdecken, so Chefredakteur Jeffreys.
Für den südafrikanischen Medienmarkt ist The New Age aber noch aus einem weiteren Grund wichtig. Es geht um die Unabhängigkeit der Zeitung von den dominanten Verlagshäusern des Landes. Mit Naspers, Avusa und Independent Newspapers besitzen nur drei Verlagshäuser sämtliche relevanten Tages- und Wochenzeitungen Südafrikas. Einzige Ausnahme neben dem Neuling aus dem Hause Gupta ist die Wochenzeitung Mail & Guardian.
Ob The New Age wirtschaftlich erfolgreich ist, lässt sich bisher nur schwer beurteilen, der Verlag gibt nicht einmal Auflagen-Zahlen heraus. Verleger Gupta hat allerdings bereits bewiesen, dass er das Projekt nicht einfach aufgeben wird. Zweimal war der Launch der Zeitung im vergangenen Jahr verschoben wurden, einen Tag vor dem zweiten Termin reichten fünf führende Redakteure die Kündigung ein. Den Grund teilten weder Verlag noch Ex-Angestellte jemals mit, es soll allerdings nicht um politische Vorbehalte, sondern um zu hohen Termindruck aus der Chefetage gegangen sein. Gupta scheint reich und mächtig genug, um solche Tiefschläge einzustecken.
Das anfängliche Gerücht, The New Age werde vom ANC heimlich finanziell unterstützt, dürfte sich im Übrigen auch zerschlagen haben. Die konservative Democratic Alliance (DA) skandalisierte vor Kurzem eine Spende Guptas an den ANC. Eine Untersuchungskommission fand heraus, dass der Geschäftsmann der Partei tatsächlich Geld gegeben hatte – genauso allerdings der kritischen Oppositionspartei selbst. Unwahrscheinlich, dass er sich dafür von der Regierung bezahlen lässt.

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