Massenentlassungen bei Telemadrid

Ein Gesetz der konservativen spanischen Regierung hatte 2012 Privatisierungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Rundfunk ermöglicht. Längst wird in Madrid und in Valencia die große Axt an Regionalsendern angesetzt. Die Zahl der Beschäftigten wird bei RTVV in Valencia in den nächsten Monaten um 1.200 auf 500 verringert. Mitte Januar wurden bei Telemadrid auf einen Schlag von 1.170 Beschäftigte 860 entlassen. Betriebsräte, Gewerkschaften und Kritiker sprechen von „Säuberung“.

Mitarbeiter von Telemadrid protestieren vor der Zentrale des öffentlich-rechtlichen Senders in Pozuelo de Alarcon. Foto: dpa / Lberto Marti
Mitarbeiter von Telemadrid protestieren vor der Zentrale des öffentlich-rechtlichen Senders in Pozuelo de Alarcon. Foto: dpa / Lberto Marti

Sie hatten protestiert, demonstriert und gestreikt. Der Solidaritätswelle für Telemadrid hatte sich sogar der Trainer der spanischen Nationalmannschaft angeschlossen. Auch Vicente del Bosque, Fußball-Welttrainer 2012, stellte sich hinter die Beschäftigten des dritten Fernsehprogramms der Hauptstadtregion. „Telemadrid gehört dir!“ stand auf einem T-Shirt, das er Fotografen in die Kamera hielt, mit denen zu seiner „Verteidigung“ des Senders aufgerufen wird.
Doch die rechte Regionalregierung hält an ihren Teilprivatisierungsplänen fest. Zwar regiert die Volkspartei (PP) Spanien erst seit einem Jahr wieder, aber sie sitzt in der Hauptstadtregion mit den 6,5 Millionen Einwohnern seit 1995 fest im Sattel. Sie nimmt, wie bei der Privatisierung von Krankenhäusern, eine Vorreiterrolle ein. Seit 2003 regiert der rechte Flügel einer Partei, die von einem Minister der Franco-Diktatur gegründet wurde und sich nie vom Putsch der Generäle 1939 und der Diktatur bis 1975 distanziert hat.
In einer Solidaritätserklärung hat auch der Ex-Direktors Telemadrids seine ehemaligen Kollegen gelobt, weil sie „würdig“ den Sender und ihre Jobs verteidigten. Er erinnerte an die Zeiten, „als wir noch frei im Dienste der Madrider“ senden konnten. Auch er wirft der Regierung vor, Telemadrid zur Propaganda zu benutzen. Die Betriebsratsvorsitzende Teresa García spricht von einer „ideologischen Säuberung“. Von Kündigungen seien alle betroffen, die gestört hätten. Dagegen haben alle im Sender vertretenen Gewerkschaften eine juristische Schlacht angekündigt. Journalisten, die den Kurs des Senders oder die Regierung kritisierten, waren schon in den letzten Jahren kalt gestellt worden. Per Fingerzeig, ohne Ausschreibungs- und Auswahlverfahren, seien sie durch „PP-Anhänger“ ersetzt worden, sagt der Betriebsrat.
Die Zahl der Beschäftigten wuchs, weil eine „Parallelredaktion“ aufgebaut und Telemadrid zum „Propagandabüro“ umgebaut wurde. Aus einst zwei Nachrichtenchefs wurden 12 und die Zahl der Redakteure stieg von 125 auf 187. Die Zahl der Leitungsposten hat sich seit 2003 auf 46 verdoppelt, bei denen im Durchschnitt 110.000 Euro jährlich verdient wird. Die Programmqualität aber sank und die Einschaltquoten gingen in den Keller. Werbeeinnahmen halbierten sich zwischen 2003 und 2012 auf 23 Millionen Euro, während sich die Schulden auf etwa 300 Millionen Euro verdreifachten. Die prekäre Lage wird zur Begründung der Teilprivatisierung als Sparmaßnahme benutzt. Von Entlassung und vom Sparkurs sind weder die vielen Führungskräfte noch linientreue Journalisten betroffen. Die Sparvorschläge der Beschäftigten, die auch Lohnkürzungen anboten, wurden allesamt abgelehnt.

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