Mehr globale Allianzen

2. UNI-Weltkongress in Chicago für menschenwürdige Arbeit

Menschenwürdige Arbeit, Gewerkschaftswachstum und Gewerkschaftsrechte weltweit waren die Hauptthemen des 2. UNI-Weltkongress Ende August in Chicago. Teilgenommen haben rund 700 Delegierte aus über 400 Gewerkschaftsorganisationen sowie mehr als 300 Beobachter und Beobachterinnen.

Globalisierung und Gewerkschaftsarbeit war der rote Faden in allen Debatten. Am Beispiel der vier großen Sektoren von Uni, dem Handel, Telekommunikation, Grafik sowie Kunst und Medien diskutierten die Delegierten Herausforderungen und Handlungsstrategien. Es gab zahlreiche Beiträge darüber, wie in einer globalen Wirtschaft Kernarbeitsnormen aufgestellt werden können, was die Globalisierung des Arbeitsmarkts bedeutet und welche Rolle dabei die Politik des internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der Welthandelsorganisation spielt.

Das Recht auf angemessene Lebens- und Arbeitsbedingungen ist ein allgemein anerkannter internationaler Grundsatz. Die UNO-Konvention über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (1966) gesteht allen Arbeitnehmerinnen und -nehmern entsprechende Rechte zu. Doch die Verhältnisse sind nicht so. Um dies zu ändern, agieren UNI und ihre Mitgliedsgewerkschaften weltweit; gemeinsam mit anderen Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. So gab es auch eine Kundgebung während des Kongresses zur Unterstützung der Kampagne „End poverty now“, deren Sprecher Kumi Naidoo, eine mitreißende Rede hielt. Beschlossen wurde ein Aktionsplan, mit dem u.a. Kernarbeitsnormen sowie Wirtschafts­reformen weltweit durchgesetzt werden sollen. Im Dialog mit Unternehmen und Arbeitgebergruppen sollen Strategien für menschenwürdige Arbeit, wozu angemessene Löhne gehören, entwickelt werden. Nachhaltige Entwicklung und ein ausreichender Sozialschutz sind weitere Forderungen.

Der zweite große Themenblock stellte die Frage, wie Gewerkschaften weltweit stärker werden können, um die Interessen der Beschäftigten in der globalen Wirtschaft und in globalen Unternehmen wahrzunehmen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Abkommen in multinationalen Konzernen. Hierzu wurden beispielhafte Kampagnen vorgestellt. Unter anderen aus dem Bereich der grafischen Industrie über Verhandlungen bei Quebecor und im Telekommunikationssektor über gemeinsamen Aktivitäten von ver.di und den amerikanischen Partnergewerkschaften.

UNI agiert so in ihren Sektoren und darüber hinaus als „Globale Gewerkschaft“. Auf allen ihr möglichen Ebenen formuliert und praktiziert sie konkrete Interessenpolitik. Sie unterstützt ihre Mitgliedsorganisationen bei deren Organisationsbemühungen, wo dies gewünscht ist. Sie mobilisiert Gewerkschaften mit Mitgliedern in gleichen Unternehmen und regt dort zur Bildung von Allianzen an. Das Ziel: mehr globale Vereinbarungen zur Absicherung von Gewerkschaftsrechten.

Geldgier Einhalt gebieten

Mit dem Eintreten für globale Gewerkschaftsrechte will Uni auch der Geldgier der Unternehmen Einhalt gebieten. Eine große Rolle auf dem Kongress spielte in diesem Zusammenhang das Negativ-Beispiel Walmart. Der weltweit größte Handelskonzern verweigert Gewerkschaftsrechte, anständige Arbeits- und Entlohnungsbedingungen und entzieht sich sozialer Verantwortung. Als „Botschafterin für Frauenrechte bei Walmart agiert gemeinsam mit den Gewerkschaften Carolyn Sapp, eine ehemalige Miss America, die auf dem Kongress ein fesselnde, mit viel Beifall bedachte Rede hielt. Als Gegenbeispiel zu Walmart konnte der Erfolg im Postkonzern angeführt werden. UNI-Post und der Weltpostverein haben ein globales Abkommen zur Sicherung der Rechte von Beschäftigen geschlossen.

In den Kongress hinein spielte auch der Bruch, der innerhalb der amerikanischen Gewerkschaften im Juli diesen Jahres stattgefunden hatte. Drei große Gewerkschaften, die rund ein Drittel der Mitglieder vertreten, waren unter der Parole „Change to win“ aus dem amerikanischen Dachverband AFL-CIO ausgetreten. Konfliktpunkte: Finanzen für Mitgliederwerbung, die Stellung zu der Demokratischen Partei sowie Bestrebungen zu mehr Fusionen innerhalb der rund 60 AFL-Mitgliedsgewerkschaften. Bei der Wahl von Joe Hansen zum Vorsitzenden von UNI enthielten sich seine inneramerikanischen Gegner der Stimme. Einstimmig und mit starkem Applaus wiedergewählt wurde Philip Jennings zum Generalsekretär von UNI.

Ein Antrag im Bereich Kultur und Medien thematisierte Medienkonzentration, Kulturabbau, die Rechte von Beschäftigten in diesen Sektoren sowie das Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit. In der Debatte hob ver.di-Vize Frank Werneke nochmals die hierzu von ver.di eingebrachten Positionen sowie die Forderung zur Ratifizierung und Durchsetzung der UNESCO-Konvention zum Schutz kultureller Vielfalt hervor.

Downloads

Ausgewählte Anträge sind auf der Homepage des Fachbereichs unter dem Stichwort Medien + Kultur sowie auf der UNI-Hompage abrufbar: http://www.kulturpolitik.verdi.de http://www.union-network.org/unicongress2005.nsf/IndexEn?OpenPage

 

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