Nach der Wahl Nachrichtensperre

Der Gewaltausbruch nach den Präsidentschaftswahlen in Kenia ist auch an den Medien nicht spurlos vorübergegangen. Zum Sieger der Abstimmung vom 27. Dezember 2007 war Staatschef Mwai Kibaki ausge­rufen worden; sein Herausforderer Raila Odinga spricht von Wahlbetrug.

Nachdem er zum Sieger der Wahl ernannt wurde, erließ Kibaki eine international kritisierte Nachrichtensperre. Selbst diese umstrittene Maßnahme konnte nicht verhindern, dass die Proteste gegen den Wahlausgang zunahmen. Mittlerweile kommt es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen politischen und auch ethnischen Gruppen in Kenia.
Der bisher dramatischste Angriff auf Journalisten passierte am 30. Januar im Stadtteil Kibera in der Hauptstadt Nairobi. Wie die Zeitung Daily Nation auf ihrer Web­seite berichtet, schossen randalierende Jugendliche plötzlich auf zwei Bildjournalis­ten. Nation-Mitarbeiter Hezron Njoroge wurde leicht verletzt, sein Kollege Robert Gicheru von The Standard erlitt eine Schuss­wunde im Kopf. Die Meute griff auch eine ausländische Journalistin an und entwendete ihr das Mobiltelefon. In den Tagen zuvor war es schon mehrfach zu Überfällen auf Journalisten gekommen. Dabei wurden mehrere Kameras gestohlen.
Diese Übergriffe dürften auf maro­dierende Banden zurückzuführen sein. Es gibt aber auch gezielte Drohungen gegen Journalisten. Per E-Mail gingen Ende Januar mindestens bei fünf leitenden Redakteuren unterschiedlicher Medien Warnungen ein, in denen ihnen vorgeworfen wurde, Kenia ins Chaos zu stürzen. Indirekt drohten die Absender damit, die Journalis­ten könnten das gleiche Schicksal erleiden wie der oppositionelle Parlamentarier Melitus Mugabe Were. Dieser war kurz zuvor vor seinem Haus in Nairobi erschossen worden. Die Redakteure der führenden Zeitungen und Rundfunkstationen des Landes erstatteten Anzeige. Die Zeitung The Standard betonte, ihre Berichterstattung diene dem Interesse des Landes und bevorzuge keine politische Gruppierung. Ob sich das Blatt mit dieser Erklärung vor Gewalt schützen kann, bleibt indes fraglich.
 

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