Nachrichten aus aller Welt

SYRIEN | Die syrischen Machthaber schrecken vor keiner Grausamkeit zurück, wenn es um Unterdrückung des Rechtes auf freie Meinungsäußerung geht. In der Manier mittelalterlicher Despoten wurden dem syrischen Karikaturisten Ali Ferzat (Farzat) bei einem Überfall seitens staatlicher Schlägertruppen mehrere Finger gebrochen und sein linkes Auge durch Kopftritte schwer verletzt. „Schlagt ihn, damit er nicht mehr zeichnen und seinen Herrn nicht mehr beleidigen kann“ hat man ihn dabei verhöhnt. Ferzat ist einer der renommiertesten Karikaturisten der arabischen Welt. Sein Satireblatt wurde bereits 2003 verboten. Seitdem agierte Ferzat im Internet und bot damit eine regimekritische Plattform. Seine Misshandlung ist international scharf verurteilt worden.

    Kai Schade  

JEMEN | Reporter ohne Grenzen ist bestürzt über den Tod von Hassan Al-Wadhaf. Der Kameramann erlag am 24. September in einem Krankenhaus der jemenitischen Hauptstadt Sanaa seinen Schussverletzungen am Kopf. Al-Wadhaf war am 18. September von Schüssen getroffen worden, als er eine Anti-Regierungsdemonstration in Sanaa verfolgte. Heckenschützen auf Dächern hatten Augenzeugen zufolge wahllos in die Menge gefeuert. Zugehörigkeit und Identität der Täter sind unbekannt. Mindestens 26 weitere Personen wurden an diesem Tag getötet.

ÄGYPTEN | Der regierende Militärrat in Ägypten erklärte am 11. September, gegen Journalisten, die den „sozialen Frieden bedrohen“, das Notstandsgesetz anzuwenden. Die Behörden ließen den Hauptsitz der ägyptischen Zweigstelle von „Al-Dschasira“ in Kairo durchsuchen. Dabei wurde die mobile Rundfunkausrüstung des Senders beschlagnahmt und der Techniker Ahmed Al-Banna verhaftet. Der ägyptische Informationsminister Osama Heikal kündigte einige Tage zuvor die Aussetzung der Vergabe von Lizenzen an Satellitenfernsehsender an. Zudem wurden in den vergangenen Monaten eine Reihe von Journalisten und Bloggern juristisch verfolgt und unter Druck gesetzt. ROG verurteilt die Repressionen als „Rückkehr in die Vergangenheit“ – in die Ära Hosni Mubaraks. Außerdem fordert ROG erneut die umgehende, bedingungslose Freilassung des ägyptischen Bloggers Maikel Nabil Sanad. Der Gesundheitszustand des inhaftierten Cyberdissidenten ist äußerst besorgniserregend, nachdem Sanad am 23. August in den Hungerstreik getreten war. Am 4. Oktober sollte ein Militärgericht über die Berufung gegen die Haft verhandeln. Der Termin wurde jedoch verschoben.

CHINA | Der chinesische Journaliste Li Xiang, Mitarbeiter des Fernsehsenders „Luoyang Television“ wurde am 19. September in der Stadt Luoyang in der Provinz Henan im Osten des Landes niedergestochen. Der 30-Jährige hatte unter anderem über einen Lebensmittelskandal recherchiert, bei dem Speiseöl illegal aus so genanntem Gossenöl – bei Restaurants eingesammelten Alt-Speiseöl – hergestellt wurde. ROG fordert gründliche Ermittlungen in dem Mordfall.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Spanien droht Musk mit Strafen

Für Elon Musk, Chef der Online-Plattform X ist der spanische Regierungschef ein „Tyrann“ oder ein „Faschist“. Pedro Sanchez will "Tech-Oligarchen" wie Musk persönlich strafrechtlich für Inhalte auf ihren Plattformen und für Manipulationen an Algorithmen verantwortlich machen und ein Social-Media-Verbot für junge Menschen einführen.
mehr »

EU braucht gemeinsame Regeln

Ist das Herkunftslandprinzip der Europäischen Union im Medienbereich heute noch zeitgemäß? Um diese Frage und viele weitere drehte sich die Diskussion auf der alljährlichen Konferenz der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle in Brüssel. Einfache Antworten gab es nicht.
mehr »

RSF: Pressefreiheit unter hohem Druck

Viele Reporter*innen in Deutschland sehen den Journalismus im Land großen Bedrohungen ausgesetzt. Das zeigt auch die am 3. Februar veröffentlichte Nahaufnahme 2026: RSF-Report zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland. Vor allem die Delegitimation der journalistischen Arbeit wird befeuert durch politische Akteure, digitale Hetze und neue publizistische Milieus, die mit Zuspitzung und Desinformation immer mehr Reichweite erzielen.
mehr »

Meta ignoriert Transparenzvorgaben

Leicht wahrnehmbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar: So müssen etwa Social-Media-Plattformen offenlegen, nach welchen Kriterien sie Inhalte auswählen, anzeigen und sortieren. Auch der Einsatz von Algorithmen muss verständlich erklärt werden. Das schreibt der Medienstaatsvertrag vor. Weil Facebook sich nicht daran hielt, griff die Medienaufsicht ein. Doch gegen die Beanstandung klagt der Meta-Konzern. Vor Gericht geht es um grundsätzliche Rechtsfragen.
mehr »