Programmausfälle in Frankreich

Rundfunk-Beschäftigte protestierten gegen Regierungseingriffe

In Frankreich streikten und demonstrierten am 25. November mehr als 40 Prozent der Beschäftigten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Es gab Programmausfälle sowohl im Hörfunk als auch im Fernsehen. Die Beschäftigten protestierten damit gegen die Pläne des Ministerpräsidenten Nicolas Sarkozy, die Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohne Ausgleich zu verbieten.

Das soll stufenweise bis 2011 geschehen und bedeutet letztlich einen Verlust von ca. 800 Millionen Euro (ca. 40 Prozent der Einnahmen) pro Jahr. Der zurzeit im französischen Parlament diskutierte Gesetzentwurf zur „Modernisierung des öffentlich-rechtlichen Sektors der audiovisuellen Kommunikation“ wurde von der Regierung eingebracht. Nur vage wird darin in Aussicht gestellt, wie die Verluste kompensiert werden können. Etwa durch eine Steuer auf die Werbeeinnahmen der kommerziellen Sender und eine weitere auf audiovisuelle Dienste der Telefonfirmen. Die EU würde darin womöglich staatliche Beihilfen sehen. Außerdem will man die Führungsposten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch die französische Regierung direkt besetzen. Die Rundfunkgewerkschaften befürchten, sollten diese Vorschläge umgesetzt werden, dass mehrere Hundert Arbeitsplätze wegfallen werden. Das neue Ernennungsverfahren würde zudem zu einer weiteren „Politisierung“ des Rundfunks führen.
In einem Brief an den französischen Botschafter Bernard de Montferrand in Berlin äußerte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke seine „Sorge über die Pläne der französischen Regierung, die finanziellen Handlungsmöglichkeiten von France Télévision radikal einzuschränken“. Die beabsichtigte Veränderung der Führungsstruktur werde „tiefgreifende Auswirkungen auf das zukünftige Programm und damit die Erfüllung des unabhängigen Programmauftrags haben“, so Werneke. Er verwies auf die essentielle Aufgabe, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Europa für die Demokratie und die Gesellschaft habe. Dafür müsse er „mit ausreichend finanziellen und personellen Ressourcen ausgestattet sein“.
In einem Solidaritätsschreiben hat Heinrich Bleicher-Nagelsmann, ver.di-Vertreter in der UNI-Mei und deren Präsident, den französischen Kollegen versichert, „dass wir ihre Bedenken bezüglich der Destabilisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Frankreich teilen.“ Ein kreativer und pluralistischer Rundfunk sei grundlegend für die Gesellschaft und ihre Bürger. „Dafür werden wir gemeinsam kämpfen.“ Mark Kerki, Präsident von Euro-MEI, ging gemeinsam mit einer MEI-Delegation und 4.000 französischen Kollegen am Tag der Parlamentsberatung, in Paris auf die Straße. „Was die französische Regierung tut, ist ein alarmierendes Signal für Qualität und Bestand des Rundfunks. Wir fordern einen nachhaltig finanzierten und unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Frankreich und ganz Europa“, sagte er.

nach oben

weiterlesen

Pressefreiheit im Fokus der Fotografen

Jährlich zum 3. Mai, dem internationalen Tag der Pressefreiheit, erscheint ein neuer Band „Fotos für die Pressefreiheit“ von Reporter ohne Grenzen (RSF). Die Bücher zeigen seit fast drei Jahrzehnten eindrucksvoll, wie wichtig das Einfordern dieses Menschenrechts und die mutige Arbeit von Journalist*innen weltweit sind. Der aktuelle Band ist weitgehend vorbereitet. Zu den Druckkosten kann noch bis 16. April mit Spenden beigetragen werden.
mehr »

Estland: Offenes WLAN auch im Wald

Ein Internetanschluss gilt als Grundrecht, den Breitbandzugang sichert die Verfassung des Landes. Offenes WLAN gibt es nicht nur in der Hauptstadt Tallinn. In den kleinsten Dörfern wird digital agiert, selbst in den estnischen Wäldern kann man mit Netz rechnen. Das baltische Land verspricht eine WLAN-Abdeckung von 99 Prozent. Mit 1,4 Millionen Einwohnern ist Estland gerade so groß wie München, vom dortigen Digitalisierungsniveau kann man in Deutschland nur träumen. Doch noch nicht alles läuft rund im Digitalstaat Estland.
mehr »

Corona wirkt als Test für Menschenrechte

Die Menschenrechtslage hat sich in der Covid-19-Krise für Millionen von Menschen unmittelbar oder mittelbar verschlechtert, stellt Amnesty International im weltweiten Menschenrechts-Report 2020/21 fest. In vielen Teilen der Welt hätten die Pandemie und ihre Folgen im letzten Jahr die Auswirkungen von Ungleichheit, Diskriminierung und Unterdrückung verstärkt. Auch für Deutschland wird Handlungsbedarf ausgemacht.
mehr »

Iowa: Freispruch für US-Journalistin

Die US-amerikanische Zeitungsreporterin Andrea Sahouri wurde im Mai 2020 am Rande einer Black-Lives-Matter-Demonstration in Iowa vorübergehend festgenommen und später wegen einer angeblichen Störung von Amtshandlungen angeklagt. Knapp zehn Monate nach ihrer vorübergehenden Festnahme wurde endlich Recht gesprochen: Denn im März 2021 entschied ein Gericht in Iowa, dass Andrea Sahouri unschuldig ist und keine Amtshandlungen der Polizei gestört hat.
mehr »