Streik in Norwegen: Sieg auf ganzer Linie

Der Streik von 1.700 Journalistinnen und Journalisten bei Norwegens öffentlich-rechtlichem Rundfunk NRK war erfolgreich. Nachdem alle Mitglieder der Journalistengewerkschaft Norsk Journalistlag (NJ) am 15. Mai in Ausstand getreten und die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband daraufhin erneut aufgenommen worden waren, konnte am 23. Mai ein Ergebnis erzielt werden. Demnach konnte sich NJ in all ihren wesentlichen Forderungen durchsetzen. Die Europäische Journalisten-Föderation (EJF) gratuliert ihrer Mitgliedsgewerkschaft zu diesem großen Erfolg.

Der öffentlich-rechtliche NRK ist mit 3.400 Beschäftigten, darunter 1.800 Journalistinnen und Journalisten, das größte Medienhaus Norwegens. Dort hatte NJ vor rund zwei Wochen nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen und einem gescheiterten Schlichtungsversuch zum Streik aufgerufen. Kurz nach Beginn des Ausstands waren die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Spekter wieder aufgenommen worden. Die nun erzielte Einigung sieht vor, dass NRK sich verpflichtet, allen Journalistinnen und Journalisten Möglichkeiten zur fachlichen Weiterbildungen und Schulungen zu garantieren. Außerdem sollen befristet und unbefristet Beschäftigte gleich entlohnt sowie die Lohnlücke zwischen den NRK-Beschäftigten und ihren Kolleg_innen in anderen großen norwegischen Medienhäusern verringert werden. Für jedes NJ-Mitglied werden darüber hinaus 500 norwegische Kronen (52,50 Euro) in einen zentralen Lohnausgleichsfond eingezahlt, mit dem Ungleichheiten wie etwa die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern korrigiert werden sollen.

Die unfairen Arbeitsbedingungen für die prekär beschäftigten Journalistinnen und Journalisten zu beenden, war eine der Hauptforderungen der Gewerkschaft. Laut dem neuen Tarifvertrag sollen nun alle befristet beschäftigten Journalist_innen nach der gleichen Lohnskala bezahlt werden wie ihre unbefristet angestellten Kolleginnen und Kollegen. Einen weiteren großen Erfolg hat NJ mit der Regelung zur Reduktion der Lohnlücke im Vergleich zu anderen Medienschaffenden erreicht. Obwohl in einer Vereinbarung von 1990 erklärt worden war, dass die Gehaltslücke zwischen den NRK-Beschäftigten und ihren Kolleg_innen in anderen großen Medienhäusern reduziert und geschlossen werden solle, war die Schere seitdem immer größer geworden. Mit der nun abgeschlossenen Vereinbarung wird die Lücke demnach das erste Mal seit fast dreißig Jahren kleiner werden. Allein in diesem Jahr sollen die Jahreslöhne um mindestens 18.100 norwegische Kronen (12.000 Euro) und mindestens 2,8 Prozent steigen.

NJ-Vorsitzender Richard Aune: „Dir Forderungen nach Weiterbildungsmöglichkeiten und fairer Behandlung der Befristeten war für uns entscheidend. Ich freue mich daher sehr, dass wir dies umgesetzt haben. Dieser Streik hat den großen Zusammenhalt und die Hingabe für die wichtige Arbeit gezeigt, die unsere Mitglieder rund um die Uhr täglich im ganzen Land leisten. Ich bin sehr stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben.“

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Haltestelle verpasst

Der digitale Omnibus der EU droht Grundrechte zu verwässern. Er enthalte eine Reihe technischer Änderungen an digitalen Rechtsvorschriften, die ausgewählt worden seien, um „Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Bürgern gleichermaßen Soforthilfe zu bieten und die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern,“ schrieb die EU- Kommission im Dezember vergangenen Jahres.
mehr »

Serien gegen Diktatur und Faschismus

Die Series Mania in Lille ist wohl eines der wichtigsten Serienfestivals weltweit. In diesem Jahr fiel auf: Viele der der neuesten Produktionen befassten sich mit den Themen Totalitarismus und Unterdrückung – vermutlich auch eine Reaktion auf das, was viele Menschen im Moment bewegt.
mehr »

Neues Mediengesetz für MV tritt in Kraft

Privates Lokal- und Regionalfernsehen steht unter hohem wirtschaftlichen Druck. Sinkende Werbeerlöse, steigende Kosten, fortschreitende Digitalisierung und veränderte Mediennutzung machen ihnen zu schaffen. In mehreren Bundesländern wird bereits seit längerem kommerzielles Lokal-TV mit Steuergeldern gefördert, um Medienvielfalt zu sichern. Auf diesen Weg setzt jetzt auch Mecklenburg-Vorpommern.
mehr »

Filmtipp: Friedas Fall

Angeklagt war eine Mutter, schuldig war die Gesellschaft: Das historische Justizdrama „Friedas Fall“ von Maria Brendle schildert den authentischen Prozess gegen eine Schneiderin aus St. Gallen, die vor 120 Jahren ihr Kind getötet hat. Eine gesellschaftlichen Auseinandersetzung über Recht und Gerechtigkeit.
mehr »