Verhafteter Journalist im Hungerstreik

Der italienische Journalist, Schriftsteller und Menschenrechtler Gabriele del Grande wurde nach Informationen des Flüchtlingsrats Niedersachsen am 10. April 2017 bei der Arbeit in der türkischen Provinz Hatay festgenommen. Aus Protest gegen seine widerrechtliche Inhaftierung sei er nun in Hungerstreik getreten.

Del Grande sei in der Region nahe der syrischen Grenze unterwegs gewesen, um für sein neues Buch zu recherchieren. Am dritten Tag seines Aufenthalts in der Türkei sei von der Polizei kontrolliert, anschließend in ein Identifizierungszentrum gebracht und dort in Einzelhaft genommen worden, heißt es in einer Presseerklärung des Flüchtlingsrates.

Der italienische Journalist hat in den vergangenen Jahren vor allem zum Krieg in Syrien, über dessen Ursachen und die Folgen für die Zivilbevölkerung recherchiert und publiziert. Artikel del Grandes wurden auch in Deutschland, etwa in der Tageszeitung (taz) veröffentlicht. Die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum arbeitete bereits vor Jahren eng mit Gabriele del Grande zusammen, vor allem bei der Realisierung seines halbdokumentarischen Films „An der Seite der Braut“, der bei den Filmfestspielen in Venedig 2014 mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde.

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen informiert über ein erstes Telefonat, das der Inhaftierte am 18. April mit seiner Lebensgefährtin führen konnte. Er habe berichtet, dass er körperlich unversehrt sei, allerdings seien seine persönlichen Gegenstände und sein Telefon beschlagnahmt worden. Eine Straftat werde ihm nicht vorgeworfen, er sei aber mehrfach zu seiner Arbeit verhört worden. Über die Dauer seiner Festnahme erhalte er keine Auskünfte, dürfe auch keinen Anwalt kontaktieren. Damit seine Rechte respektiert werden, habe er beschlossen, in Hungerstreik zu treten.

Inzwischen hat Italien die Türkei aufgefordert, Gabriele Del Grande freizulassen. Der Fall werde mit äußerster Aufmerksamkeit verfolgt, verlautet aus dem italienischen Außenministerium. Auch der italienische Präsident des EU-Parlaments Antonio Tajani forderte die sofortige Freilassung del Grandes und aller ungerechtfertigt in der Türkei inhaftierten Journalisten.

Weitere Informationen zu Gabriele del Grande finden sich auf seinem Blog, der sich mit der Flüchtlingstragödie im Mittelmeer befasst.


 

Spiegel Online vermeldete am 24. April:

Der in der Türkei inhaftierte italienische Journalist Gabriele Del Grande ist freigelassen worden. Auf Twitter schreibt der italienische Außenminister Angelino Alfano, Del Grande befinde sich auf dem Weg nach Italien. Auch seine Angehörigen seien bereits informiert worden. Und weiter: „Wir erwarten ihn.“

 

nach oben

weiterlesen

Chance nicht vergeben: Whistleblowing regeln

Vor genau einem Jahr hat die Europäische Union eine Richtlinie zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen das Unionsrecht melden, die sogenannte Whistleblowing-Richtlinie, verabschiedet. Die Umsetzung in nationales Recht kommt in Deutschland nicht voran. Statt Rechtssicherheit für Hinweisgeber*innen zu schaffen und damit auch investigativen Journalismus zu stärken, streiten die zuständigen Ministerien darüber, ob sie die Richtlinie überhaupt national anwenden oder auf EU-Recht beschränken sollen.
mehr »

USA und EU behindern „Fair Use“ in Südafrika

Um den Zugang zu Bildung und Informationen gerechter zu gestalten, wollte sich Südafrika ein neues Urheberrecht geben. Nach jahrelangen Konsultationen verabschiedete das Parlament in Kapstadt die Gesetzesnovelle schließlich im März 2019. "Ein exzellentes Gesetz", urteilten zivilgesellschaftliche Organisationen. Allein: In Kraft ist die Novelle noch immer nicht - was maßgeblich daran liegt, dass die USA und die EU Südafrika Daumenschrauben angelegt haben.
mehr »

Bayerischer Rundfunk hat neue Intendantin

Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks (BR) hat am 22. Oktober Dr. Katja Wildermuth zur neuen Intendantin gewählt. Wildermuth ist damit die vierte Frau, die aktuell einen Chefsessel in den elf öffentlich-rechtlichen Sendern besetzt und die erste Intendantin in der Geschichte des BR. Für ihre Wahl hatten sich auch das BR Frauennetzwerk mit Appellen an die Rundfunkratsmitglieder stark gemacht. Die neuen Intendantin wurde überraschend klar mit 38 von 48 Stimmen im ersten Wahlgang gekürt.
mehr »

Schon entdeckt? Reportagen

In dem Schweizer Magazin „Reportagen“ gibt es Reportagen zu lesen, und zwar nur Reportagen. Das funktioniert, besonders bei den Jüngeren. „Reportagen“ ist das einzige deutschsprachige Magazin, das sich ausschließlich auf diese Königsdisziplin des Journalismus fokussiert. Es fühlt sich an wie ein Buch – es sieht auch ein bisschen so aus – griffiges Hardcover im DIN-A-5-Format. Auf dem Cover ist kein großformatiges Foto, sondern Text, das Inhaltsverzeichnis. Auch im Inneren gibt es keine Fotos, sondern nur Zeichnungen und Illustrationen.
mehr »