Bayerischer Rundfunk hat neue Intendantin

Tritt im Februar 2021 ihr Amt an: Katja Wildermuth wurde zur neuen BR-Intendantin gewählt. Foto: Bayerischer Rundfunk

Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks (BR) hat am 22. Oktober Dr. Katja Wildermuth zur neuen Intendantin gewählt. Wildermuth ist damit die vierte Frau, die aktuell einen Chefsessel in den elf öffentlich-rechtlichen Sendern besetzt und die erste Intendantin in der Geschichte des BR. Für ihre Wahl hatten sich auch das BR Frauennetzwerk mit Appellen an die Rundfunkratsmitglieder stark gemacht. Die neuen Intendantin wurde überraschend klar mit 38 von 48 Stimmen im ersten Wahlgang gekürt.

Dem BR-Rundfunkrat gehören 16 Frauen und 34 Männer an. Sie stehen für die sogenannten gesellschaftlich relevanten Gruppen: Gewerkschaften, Kirchen, Sport- und Jugendverbände, Kulturorganisationen, Wirtschaftskammern und politische Parteien.

Neu an dieser Intendantenwahl beim Bayerischen Rundfunk war auch, dass drei Kandidaten zur Wahl standen, die alle aus dem öffentlich-rechtlichen System kommen. Neben Wildermuth waren das Christian Vogg, beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) in Zürich Chief Data Officer und Bereichsleiter ‘Dokumentation und Archive’, sowie BR-Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel, der die Entwicklung des Senders bereits in den letzten Jahren mitbestimmt hatte. Die drei Namen hatte der Rundfunkrat am 17. September für die Nachfolge des bisherigen Intendanten Ulrich Wilhelm bekanntgegeben, der in den Jahren 2018/19 auch ARD-Vorsitzender gewesen war, jedoch nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidierte. Der 59-jährige hatte den Umbau des BR zum trimedialen Sender vorangetrieben.

Zur Wahl einer Frau als Intendantin hatte schon im Juli das BR-Frauennetzwerk „Female for Future“ die Rundfunkratsmitglieder aufgefordert. Später zeigte sich das Netzwerk unzufrieden, dass „es bei den vielen hochqualifizierten und bestens geeigneten Frauen, die für diese Position im Gespräch waren, nur eine auf die Wahlliste geschafft hat“. Es sei Zeit für eine Intendantin, befanden die Befürworterinnen, die auch darauf verwiesen, dass aktuell nur eine einzige Frau dem fünfköpfigen Direktorium des BR angehörte.

Die 1965 in Berlin geborene Katja Wildermuth studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und arbeitete dort zunächst als Dozentin am Institut für Alte Geschichte und promovierte. Im Jahr 1994 kam sie als Journalistin zum MDR. Wildermuth war zunächst als Autorin tätig, darunter für das Politikmagazin „Fakt“ und das Boulevardmagazin „Brisant“. 2001 wurde sie beim MDR festangestellte Redakteurin im Bereich ‘Zeitgeschehen’, 2004 Chefin der Redaktion ‘Geschichte und Dokumentarfilm’. Nach einem Wechsel zum Norddeutschen Rundfunk, wo sie den Programmbereich ‘Kultur und Dokumentation’ leitete, kehrte sie im Frühjahr 2019 als Programmdirektorin mit Sitz in Halle zum MDR zurück. Sie verantwortet die crossmedial aufgestellten Bereiche ‘Kultur’ und ‘Wissen’, die ‘Jungen Angebote’ des Senders sowie die Radiosender MDR Jump und MDR Klassik und die Klangkörper der Rundfunkanstalt.

Katja Wildermuth wurde jetzt für fünf Jahre gewählt, sie wird ihr Amt als BR-Intendantin im Februar 2021 antreten. Der Bayerische Rundfunk ist die viertgrößte öffentlich-rechtliche Sendeanstalt, erwirtschaftete 2019 Erträge von 1,09 Milliarden Euro und beschäftigte rund 2.900 Mitarbeiter. Das Sendegebiet ist deckungsgleich mit dem Freistaat Bayern, wo rund 13,1 Millionen Menschen leben.

nach oben

weiterlesen

Buchtipp: Social Media fördern Brandstifter

Die knallorange Warnfarbe des Buchcovers signalisiert, dass es um etwas Bedrohliches geht: die Demokratie ist in Gefahr, weil Soziale Medien Rechtsextremismus befördern. Konfliktforscher Maik Fielitz und Sozialwissenschaftler Holger Marcks analysieren, wie Rechtsextreme die Funktionsmechanismen digitaler Plattformen nutzen, um ihre faschistischen Bedrohungsmythen zu verbreiten. Sie loten Möglichkeiten zur Rettung des demokratischen Diskurses aus, etwa durch Regulierung der Techunternehmen.
mehr »

Nach 10 Jahren HbbTV: Da geht noch mehr

Seit dem Start des Hybridfernsehens HbbTV vor zehn Jahren bauen große Sendergruppen wie kleine Regionalanbieter solche Angebote kontinuierlich aus, mit umfassenden Diensten für den Nutzer und in der Hoffnung auf neue Reichweiten und zielgerichtete Werbung. Der Wettstreit zwischen Fernseh- und Online-Werbung soll endlich begraben werden. Während sich Öffentlich-Rechtliche mit sogenannten „Addressable Ads“ schwertun, sagt der kommerzielle Markt: Da ist noch mehr drin.
mehr »

Klares Signal für den Rundfunk erwartet

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann und der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke haben die Landtagsfraktionen in Sachsen-Anhalt gemeinsam aufgefordert, ein starkes und eindeutiges Signal für den öffentlichen-rechtlichen Rundfunk zu setzen. Die CDU im Landesparlament hatte bisher erklärt, sie wolle der erstmaligen Erhöhung der Rundfunkgebühren nach elf Jahren um 86 Cent nicht zustimmen.
mehr »

Neue Verhaltensregeln für Medien und Polizei

Der Deutsche Presserat hat der Innenministerkonferenz einen Vorschlag über zeitgemäße gemeinsame Verhaltensgrundsätze für Polizei und Medien vorgelegt. Es sei höchste Zeit, dass Journalistinnen und Journalisten bei Demonstrationen und Großveranstaltungen besser geschützt werden und ungehindert arbeiten können, erklärte Sascha Borowski, Sprecher des Deutschen Presserats, zur aktuellen Vorlage.
mehr »