Keine ehrliche Diskussion

Skandal, Skandal schreien die Vereinfacher und liefern mit ihren Parolen Munition für die Stammtische. Sie verlangen ein Werbeverbot für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Das waren noch goldene Zeiten, als die Werbeeinnahmen der Öffentlich-rechtlichen hoch und die Rundfunkgebühren niedrig und die Trennung von Programm und Werbung noch von jedem einzelnen Redakteur persönlich durch Abkleben von Logos und Wegdrehen von Zigarettenschachteln beim Drehen garantiert wurden. Der Sündenfall war die Einführung des dualen Rundfunksystems. Eine von der Politik gewollte und geförderte Entwicklung, versprach die boomende Branche doch vielfältige Arbeitsplätze in einer eher schwächelnden Allgemeinkonjunktur. Die Werbeeinnahmen sanken nicht nur, sie brachen ein bei ARD und ZDF, und das Programm sah alt aus.

Die geschrumpften Programmetats verlangten kreatives Handeln aller, denn eine Auseinandersetzung mit der Politik über eine angemessene Gebührenerhöhung kam schon damals nicht in Frage. Ein Kopfsponsoring da, ein Gewinnspiel dort, ein kostenloser Promiauftritt eines Künstlers hier, ein neues Auto da, frisch nach dem Mozartschen Motto: Cosi fan tutte – So machen’s alle, und es belebte das Geschäft. Fortan war nicht die redaktionelle Kontrolle gefragt, sondern es durfte munter platziert werden, Hauptsache es kam was dabei rum, im anderen Falle waren Logos, Namenszüge, Produkte umgehend aus dem Programm zu entfernen. Gelebte Doppelmoral, ohne Konsequenzen, bis, ja bis die Privaten ihren Höhenflug hinter sich hatten und in den Niederungen des Geschäfts plötzlich den Wind der Konkurrenz verspürten.

Werbeverbot, Werbeverbot fordern sie. Wenn man von den Politikern auf die konkrete Frage „Wie soll das umgesetzt werden?“, eine konkrete Antwort erhofft, werden die vorher so redseligen einsilbig. Warum ist die Antwort so schwer, Werbung ja oder nein? Und viele der Antworten sind nicht ehrlich. In dieser Werbediskussion geht es um alles mögliche, nur nicht ums Programm.

Wer die Werbung beibehalten will, verschweigt, dass die werbetreibende Industrie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Regulativ braucht, um die Werbepreise bei den Privaten niedrig zu halten. Wenn bei ARD und ZDF nicht geworben werden kann, hätten die Kommerziellen ein Monopol und könnten ihren Werbekunden das Fell über die Ohren ziehen.

Viele die gern ein Werbeverbot hätten, sagen es nicht, sonst müssten sie ARD und ZDF die entgangenen Einnahmen ausgleichen. Sie spekulieren auf die digitale Zukunft. Sobald Zuschauer die technischen Möglichkeiten haben, Werbung auszublenden, hat sich Werbung von selbst erledigt und der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist finanziell weiter geschwächt, ohne dass sich ein Politiker die Finger schmutzig machen muss.

Uli Röhm, ver.di im ZDF

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