Sekt zum Lied vom Tod

ver.dianer protestieren gegen Minilöhne bei CinemaxX

Die Aktionäre, die zur CinemaxX-Hauptversammlung nach Hamburg gekommen waren, wurden von verdi-Kolleginnen und Kollegen mit einer filmreifen Kulisse empfangen: „CinemaxX spielt uns das Lied vom Hungerlohn“, stand auf den Transparenten und aus den Lautsprechern tönte die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Mit der Aktion unterstrichen die Beschäftigten der Kinokette ihre Forderung vor allem nach Abschaffung der seit Februar 2004 einseitig festgelegten Ministundenlöhne von 6,50 Euro. Ich finde, es ist ein Unding, dass die neu eingestellten Kolleginnen und Kollegen neben mir für die gleiche Arbeit rund zwei Euro weniger verdienen als ich“, sagt Tim Golke, der bis vor kurzem im CinemaxX Hamburg-Harburg an der Kasse saß und noch nach dem alten Tarif von bezahlt wurde. Und schon der sichert kaum den Lebensunterhalt. Der stellvertretende GBR-Vorsitzende André Delor fürchtet, dass die Absenkung der Einstiegslöhne auch bei den seit längerem Beschäftigten auf Dauer zu einem Einfrieren der Einkommen führen wird. „Außerdem wollen wir den Aktionären heute deutlich machen, dass Bewegung in die Tarifverhandlungen kommen muss, denn Streiks und Warnstreiks können sicher nicht im Interesse von Vorstand und Aktionären sein.“

Das sollte man annehmen! Dennoch beharrten die CinemaxX-Vertreter einen Tag zuvor bei den Verhandlungen mit ver.di auf ihren unakzeptablen Forderungen. „Mit einer zweigleisigen Lohnstruktur, dauerhaften Reallohnverlusten und Einschnitten in die Manteltarifbestimmungen treiben sie die Auseinandersetzung weiter auf die Spitze“, ist sich Tarifsekretär Matthias von Fintel sicher. Mit Blick auf die Sanierung und die expansive Neuausrichtung des Unternehmens, die Vorstandschef Hans-Joachim Flebbe auf der Hauptversammlung freudig verkündete, sind diese finanziellen Einschnitte zu Lasten der über 2000 Beschäftigten nicht nachvollziehbar. Denn schließlich haben nicht zuletzt sie in den zurückliegenden Jahren ihre Beiträge zur Sanierung des Unternehmens geleistet. Streiks vor dem Verhandlungstermin in Bielefeld, Krefeld, Freiburg und Berlin sowie zahlreiche Flugblattaktionen zeigten erneut, dass die Kinobeschäftigten sich nicht alles gefallen lassen wollen. Kündigungen gegen drei Kollegen aus Freiburg und Bremen wurden inzwischen gerichtlich als unbegründet erklärt und mussten zurück genommen werden.

Nachdem am 27. Oktober erneut keine Annäherung und Bewegung zu einem fairen Tarifkompromiss von Arbeitgeberseite zu erkennen war, hat die ver.di-Verhandlungskommission dem Unternehmen ein Schlichtungsverfahren vorgeschlagen. „Durch Vermittlung eines neutralen Schlichters müsste eine Lösung zu finden sein, die sicherlich auch nicht alle Erwartungen der Kinobeschäftigten und ihre Tarifforderungen erfüllt. Aber ein vernünftiges Schlichtungsergebnis würde zu einem Tarifvertrag mit verbindlichen Mindestbedingungen und damit zur Beendigung der Auseinandersetzung führen“, so Fintel. Aber auch zu diesem Vorschlag hat die Arbeitgeberseite keinerlei positive Signale gegeben.

Statt dessen knallten nach der Hauptversammlung die Sektkorken. Zuvor hatte der ausgeschiedene Aufsichtsratsvorsitzende Paul Morzynski verkündet, dass die zwei Vorstandsmitglieder für ihre Arbeit im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003 einen einmaligen Bonus von je 75.000 Euro erhalten. Eine Begründung, die nicht im Geschäftsergebnis liegen dürfte, blieb er schuldig. Welch ein Hohn für die Beschäftigen! Wenn M erscheint, ist bereits die siebente Verhandlungsrunde am 11. November vorüber. Gibt’s dann Sekt für alle?

mt / wen

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Bayern bessert Rundfunkgesetz nach

Eingriff in die Programmautonomie und in das Gebot der Staatsferne – so lautete übergreifend die deutliche Kritik am ersten Entwurf der bayerischen Staatsregierung von CSU und Freien Wählern, das Rundfunkgesetz zu novellieren. Es ist die Rechtsgrundlage für den Bayerischen Rundfunk (BR). Nun reagiert die Regierung und kündigt an, die Gesetzesnovelle entschärfen zu wollen.
mehr »

Was bringt der Pressekodex?

Eine Anwältin wird in einer Boulevardzeitung identifizierend an den Pranger gestellt – obwohl sie nichts Unrechtes getan hat. Die Folge: Bedrohungen, eine rechtsextreme Kundgebung vor ihrer Kanzlei, Polizeischutz. Der Deutsche Presserat spricht Monate später eine Rüge aus. Der Schaden ist aber angerichtet.
mehr »

Hochpolitisch: Feministischer Film

Globale Frauensolidarität kann ganz praktisch aussehen. Das veranschaulichte das 43. Internationale Frauenfilmfest (IFFF) mit seinen Filmen und Debatten in Köln Ende April 2026. Und egal ob Internationaler Spielfilmwettbewerb oder Dokumentar- und Experimentalfilm: fast immer ging es in diesem Jahr um Hochpolitisches und zog damit vor allem junges Publikum an.
mehr »

Polizeibefugnisse gegen Pressefreiheit

Das  Bundeskabinett befasst sich heute mit mit Gesetzentwürfen, die den deutschen Sicherheitsbehörden weitreichende digitale Ermittlungsbefugnisse einräumen sollen. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert die Ausweitung der Überwachungsmaßnahmen zulasten der Privatsphäre aller Bürger*innen und der Pressefreiheit.
mehr »