Thesen zu Zukunft und Auftrag des Rundfunks

Technik und Quote sind wichtig, entscheiden aber nicht alles. Das gilt auch beim Inforadio des RBB.
Foto: Christian von Polentz

Als „Diskussionsimpuls“ sehen die Initiatoren ihren Offenen Brief, den sie an die Rundfunkkommission der Länder, an die Landesparlamente und nicht zuletzt an die Zivilgesellschaft richten. Mit zehn Thesen fordern sie – ungeachtet des Reformbedarfs – „einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk – auch in der Zukunft“.

Die Absender von der Initiative Zukunft öffentlich-rechtliche Medien bilden einen Zusammenschluss von Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft, die seit eineinhalb Jahren in einem Gesprächskreis mit Politik und öffentlich-rechtlichen Sendern über Grundsatzfragen debattieren. „Wir wünschen uns, dass unsere zehn Thesen bei den derzeitigen Beratungen zur Auftrags- und Strukturoptimierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio Berücksichtigung finden und erhoffen uns gleichzeitig eine lebendige öffentliche Debatte“, heißt es in dem Schreiben vom 9. September. Es müsse um die Frage gehen, welchen Auftrag der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter den Bedingungen der digitalen Medienwelt erfüllen soll und welcher Schritte es bedürfe, damit er seinen Auftrag unter Wahrung seiner besonderen Qualitätsstandards erfüllen kann. Die Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die Demokratie müsse gestärkt und weiter entwickelt werden, so das Herangehen der Initiatoren.

Die veröffentlichten Thesen gehen davon aus, dass den öffentlich-rechtlichen Medien im Prozess der gesellschaftlichen Meinungsbildung eine „unverzichtbare Rolle“ (These 1) zukomme. Der Online-Auftrag müsse künftig jedoch weiter gefasst werden (These 2). Neben der unerlässlichen Grundversorgung solle es künftig mehr transparenten Gestaltungsspielraum für die Anstalten und mehr Beteiligungsmöglichkeiten geben (These 3). Erfolg sei „mehr als Quote“, heißt es in These 4. Sender müssten Plattform werden und „leicht erkennbare Anlaufstelle“ für das Publikum (These 5). Lokale Berichterstattung sei zu sichern, aber gleichzeitig müssten öffentlich-rechtliche Anbieter „mehr Europa wagen“, fordern die Thesen 6 und 7. Sparsames Wirtschaften sei Pflicht, allerdings dürfe das nicht zu Kaputtsparen führen. „Der Auftrag bestimmt den Beitrag – nicht umgekehrt“, bestimmt These 8. Schließlich fordern die Initiatioren, auch klassische Angebote auf den Prüfstand zu schicken (These 9), stets aber auch einen terrestrischen Ausspielweg neben dem Internet zu gewährleisten (These 10).

Zu den 45 Erstunterzeichnern des Offenen Briefes zählt auch ver.di-Vize Frank Werneke. Der Offene Brief mit den vollständigen Thesen findet sich auf der Webseite der Initiative Zukunft öffentlich-rechtliche Medien.

 

nach oben

weiterlesen

Steiniger Weg zur Gigabit-Gesellschaft

Es ist unbestritten: Die flächendeckende Versorgung mit Breitbandanschlüssen ist eines der wichtigsten Ziele, wenn Deutschland international wettbewerbsfähig bleiben möchte. Das war auch ein wichtiges Thema auf der „Anga Com“ in Köln, Fachmesse und Kongress für Breitband, Kabel und Satellit. Allerdings wurde einmal mehr klar: Die bisher gesteckten Ziele konnten noch nicht erreicht werden. Und der Weg hin zur Gigabit-Gesellschaft, die bis 2025 hierzulande Wirklichkeit werden soll, ist noch längst nicht geebnet.
mehr »

Buhlen um Aufmerksamkeit

Das Internet ist in den letzten Jahren zum dominanten Nachrichten- und Informationsmedium geworden. Neben der Wirtschaft nutzt auch die Politik zunehmend Online-Kanäle zur Kommunikation mit den Bürgern. Entscheidend für den Erfolg in sozialen Medien ist, von möglichst vielen Nutzern wahrgenommen zu werden. Das führt zur Kernfrage der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie: Wie ist es zu schaffen, Nutzern möglichst interessante und relevante Inhalte zu zeigen und dabei gleichzeitig monetäre Interessen zu optimieren.
mehr »

Schärfung des Profils

Der Kampf um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) in Deutschland tritt demnächst in eine entscheidende Phase. Noch belauern sich die beteiligten Akteure aus der Medienpolitik und den Sendern, schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu für die Verantwortlichkeiten im Reformprozess. Im Zentrum des Streits steht nicht nur die Höhe des künftigen Rundfunkbeitrags. Es geht auch um eine Neudefinition des Auftrags der Sender vor dem Hintergrund der digitalen Revolution.
mehr »

Visionen greifbar nah

Maschinen schreiben journalistische Texte, ein Supercomputer komponiert klassische Musik, die nur noch Experten von einem echten Orchesterstück unterscheiden können: KI-basierte Technologien erfassen immer mehr Lebens- und Arbeitsbereiche und sind nunmehr auch in der Lage, Kreativarbeit zu leisten. Was bedeutet das für Politik und Gesellschaft? Und welche Antworten haben wir aus gewerkschaftlicher Sicht auf die Gestaltung von Technologien Künstlicher Intelligenz? Eine erste Bestandsaufnahme.
mehr »