Urheber weiter nur ungenügend geschützt

Foto: 123rf

Das Bundeskabinett hat heute den Gesetzentwurf für die Umsetzung der EU-Urheberrechtsreform in deutsches Recht gebilligt. Im „weitgehend unter Vermeidung von Öffentlichkeit“ erfolgten Gesetzgebungsverfahren fehle es weiter an wirksamen Schutzmechanismen für die Kreativen, kritisiert ver.di. Die Gewerkschaft sieht den Regierungsentwurf als einen „Kotau vor den Interessen der Zeitungsverleger und Verwerter“.

Die aktuellen Vorschläge der Bundesregierung zu Änderungen des Vertragsrechts für Urheberinnen und Urheber sowie ausübende Künstler und Künstlerinnen seien nach Gewerkschaftseinschätzung unzureichend: „Zur Durchsetzung ihres gesetzlichen Rechts auf angemessene Vergütung erhalten die Kreativen keinerlei Unterstützung und werden weiterhin allein gelassen“, bewertet ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz die Absichten der Bundesregierung. Die einzige wirkliche Stärkung sei die von der EU ohnehin zwingend vorgegebene Einführung einer Auskunftspflicht über die Nutzung und Erträge der Werke.

Nach wie vor fehle es an wirksamem Schutz für die einzelnen Urheber*innen durch starke Gewerkschaften und andere Urheberverbände. „Die Vorschläge der Bundesregierung zeigen unverkennbar, wie groß der Einfluss der Zeitungsverleger und anderer Verwerter ist. Der Gesetzgeber will es dabei belassen, dass die Durchsetzung berechtigter Ansprüche durch Urheberinnen und Urheber zu einem potenziellen Karriereende führen kann. Die von ver.di geforderten Schutzmechanismen, die die europäische Richtlinie ermöglicht, sieht der aktuelle Regierungsentwurf nicht vor“, so Schmitz weiter.

ver.di fordert unter anderem eine wirksame Verbandsklage und Regelungen zur Hemmung der Verjährung von Vertragsanpassungsansprüchen. Seit Einführung dieses Anspruchs in Form eines Bestsellerparagraphen wagten nur einzelne Urheber und Urheberinnen sowie ausübende Künstlerinnen und Künstler, diesen gerichtlich geltend zu machen, weil sie fürchten müssen, im Gegenzug keine Aufträge mehr zu bekommen. „Unsere Mitglieder verlangen nicht mehr als ihren angemessenen Anteil an den Geschäften, die mit ihren Werken und Interpretationen gemacht werden. Diese müssen schützend auch durch Gewerkschaften und andere Urheberinnen- und Urheberverbände durchsetzbar sein“, sagte Schmitz.

ver.di vertritt in verschiedenen Fachbereichen über 45.000 Urheber*innen und Künstler*innen als Mitglieder.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung wird nun dem Bundesrat zur Stellungnahme zugeleitet und nach einer Gegenäußerung der Bundesregierung an den Deutschen Bundestag weitergeleitet und dort beraten. Die Richtlinien sind bis zum 7. Juni 2021 in deutsches Recht umzusetzen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Misstrauen abbauen und selbst machen

Seit November vergangenen Jahres läuft ein neuer Journalismus-Pilot in Zwenkau bei Leipzig. In zehn weiteren sächsischen Landkreisen will das Projekt „Bürger machen Journalismus“ Menschen aus ländlichen Regionen dafür gewinnen, sich journalistisch mit Themen aus ihrem Umfeld zu beschäftigen. Das Projekt der Universität Leipzig will Medienmisstrauen begegnen, indem es Bürger*innen ermöglicht, selbst in die Rolle eines Journalisten zu schlüpfen.
mehr »

Krawallschleudern in die Schranken weisen 

In der Kontroverse um Äußerungen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther fordert ver.di, presseethische Standards zu verteidigen und Digitalplattformen in die Medienregulierung einzubeziehen.  
mehr »

Regierungswechsel ohne Pressefreiheit

Berichten in einem „feindseligen Umfeld“ ist Alltag für die Kolleg*innen in Venezuela, so „Reporter ohne Grenzen“. Das bestätigt auch die Journalistin Ronna Rísquez, die seit mehr als zwanzig Jahren für verschiedene Medien aus Caracas berichtet. Nach den manipulierten Präsidentschaftswahlen vom 28. Juli 2024 habe sich die Situation weiter verschärft, so Rísquez. Sie hat auch deshalb Venezuela vor rund zehn Monaten verlassen – beobachtet genau und will zurück.
mehr »

Shorts sind keine Hosen

Ein Video-Clip zeigt, wie die Entsorgungsbetriebe einer großen Ruhrgebietsstadt Sperrmüll aufladen und entsorgen. Ein anderer befasst sich mit einem Fußballspiel des Regionalligisten Rot-Weiss-Essen. Und dann noch ein Clip, indem eine junge Redakteurin ihren Arbeitsalltag bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (Funke Mediengruppe) in Bochum beschreibt.
mehr »