EuGH kippt deutsches Leistungsschutzrecht

Foto: fotolia

„Die deutsche Regelung, die es Suchmaschinen untersagt, Pressesnippets ohne Genehmigung des Verlegers zu verwenden, ist mangels vorheriger Übermittlung an die Kommission nicht anwendbar.“ So lautet der lapidare Spruch des Europäischen Gerichtshofes, mit dem er heute aus formalen Gründen das bereits 2013 eingeführte deutsche Leistungsschutzrecht für Presseverlage kippte.

Laut Auffassung der Luxemburger Richter handelt es sich beim Leistungsschutzrecht um einen Dienst der Informationsgesellschaft, also eine „technische Vorschrift“, deren Entwurf bereits vorher der EU-Kommission zur Notifizierung hätte vorgelegt werden müssen. Die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung war hingegen der Ansicht, dass das Leistungsschutzrecht nicht speziell auf Dienste der Informationsgesellschaft zielte, und unterließ es, das Gesetz bei der EU vorzulegen.

Der EuGH war in der Sache 2017 vom Berliner Landgericht eingeschaltet worden. Auslöser war ein Verfahren, in dem die Verwertungsgesellschaft VG Media, die dabei zahlreiche Presseverlage vertritt, Schadenersatz in Milliardenhöhe von Google dafür verlangt, dass die Suchmaschine kleine Ausschnitte, Snippets, aus Artikeln anzeigt. Diese Forderung dürfte nun wegen des Formfehlers im Gesetzesverfahren obsolet sein. Zudem drohen den von der VG Media vertretenen deutschen Verlagen erhebliche Prozesskosten.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, der Verband Deutscher Lokalzeitungen und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger zeigten sich irritiert und bedauern die EuGH-Entscheidung. In Reaktion auf das Urteil fordern sie aber auch, der deutsche Gesetzgeber müsse nun schnell für Rechtssicherheit sorgen und die europäische Regelung umsetzen. Inzwischen ist bekanntlich mit der neuen EU-Urheberrechtsrichtlinie ein europäisches Leistungsschutzrecht auf den Weg gebracht worden. Danach gilt, dass Google Textausschnitte der Verlage nur unter bestimmten Bedingungen verwenden darf. Eine nationale Umsetzung der EU-Richtlinie muss bis 2021 erfolgen.

 

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Das Netz hat ein SLOP-Problem

Künstliche Intelligenz verändert das Internet wie wir es kannten. KI dient als Beschleuniger von immer neuen Inhalten. Nicht immer entstehen auf diese Weise sinnvolle Inhalte. AI Slop, also digitaler Müll, flutet das Netz. Und KI geht nicht mehr weg. Denn KI-Modelle, finden sich inzwischen an allen möglichen und unmöglichen Stellen des privaten und beruflichen Lebens.
mehr »

Aktionstag für digitale Souveränität

Persönliche Daten sind eine Ware – und wir liefern sie freiwillig an große Technologiekonzerne. Doch was wäre, wenn es auch anders ginge? Eine neue Initiative ruft zum Digitalen Unabhängigkeitstag auf und wirbt für einen Ausstieg aus der digitalen Abhängigkeit.
mehr »

Big Tech verändert TV und Streaming

Bei den Video-Streaming-Plattformen verteidigte YouTube im Jahr 2025 erfolgreich seine Führungsposition und erreicht 72 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Die öffentlich-rechtlichen Streaming-Netzwerke von ARD, ZDF, Arte und 3sat kommen auf über 60 Prozent, dicht gefolgt von Netflix und Amazon Prime Video. Doch auch die Sender des ÖRR nutzen YouTube als Ausspielweg ihrer Inhalte. 
mehr »

Smartphones endlich sicherer machen

Als Journalist*innen sind wir verpflichtet, unsere Quellen zu schützen. Wir treffen sie an vertraulichen Orten, anonymisieren Namen, schreddern Unterlagen. Aber was ist mit unseren Smartphones? Während niemand die eigene Haus- oder Bürotür über Nacht offenstehen lassen würde, öffnen wir digital oft ungewollt Tür und Tor zu den sensibelsten Bereichen: Acht Tipps für Datensicherheit bei Smartphones
mehr »