Berliner Synchron vor Übernahme – Arbeitsplätze gesichert

Die Münchener S&L Medien Gruppe, deren Kerngeschäft in der Kino-PR liegt, prüft eine Übernahme der Berliner Synchron GmbH (BSG), einer Tochter der insolventen Cinemedia AG. Der damit gesichert erscheinende Fortbestand des Berliner Traditionsunternehmens und seiner 60 Arbeitsplätze wird vom InteressenVerband Synchronschauspieler e.V. (IVS) begrüßt. „Neben den Arbeitsplätzen und der Fortführung des Geschäfts, sind so auch noch bestehende Ansprüche der Schauspieler gesichert“, erklärt Till Völger, Vorstand des IVS.

Die BSG war einst Marktführer auf dem Synchronmarkt, hat diese Position jedoch schon längst abgegeben. Obwohl sie nicht zur Insolvenzmasse der Cinemedia gehört, kam es immer wieder zu Zahlungsverzögerungen bei den Honoraren. Einige Schauspieler_innen entschlossen sich daher einen Vertrag mit dem Factoring-Unternehmen Pagido zu schließen. Das von Axel Springer gestützte Fintec-Start-up übernimmt die Zwischenfinanzierung der Honorare, die dadurch sofort ausgezahlt werden können.

Die BSG ist wie zwei weitere Töchter der Cinemedia AG nicht von dem am 27. Juli 2016 eröffneten Insolvenzverfahren betroffen. Jedoch ist sie mit einem 1,5 Mio. Euro hohen Privatkredit des Cinemedia-Mehrheitsaktionärs Wolfram Lüdecke belastet. Auf diesen möchte Lüdecke laut Ad Hoc-Meldung vom 27. Juli 2016 jedoch „als unterstützende Restrukturierungsmaßnahme […] verzichten.“ Weiter heißt es darin, dass die S&L Mediengruppe „Interesse [hat], die Tochtergesellschaft Berliner Synchron GmbH sowie den Geschäftsbereich CINEMEDIA audiovision zu einem mittleren fünfstelligen Kaufpreis zu übernehmen.“ Torsten Weihrich, Geschäftsführer der S&L Mediengruppe, möchte während der laufenden Verhandlungen keine Stellungnahmen abgeben. Auch die Cinemedia hält sich bedeckt.

Situation der Synchronbranche

Die Auftragslage in der Synchronbranche ist nach Einschätzung von Till Vögler ziemlich gut. Durch die zahlreichen Sender und Stremaingdienste gibt es neben dem Kinogeschäft eine hohe Nachfrage an Synchronisationen. „Es ist sehr viel zu tun und aktuell ist auch nicht absehbar, dass sich die Auftragslage verschlechtert“, sagt er. „Allerdings ist es teilweise sehr schwierig bei Fragen der Vergütungsregelungen ins Gespräch zu kommen.“ Daher kämpft der IVS in Zusammenarbeit mit ver.di und dem Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS) für einen Tarifvertrag bzw. eine Branchenregelung für Synchronschauspieler, die es bislang nicht gibt. Den Auftakt machte die Erklärung zur Aufnahme von Verhandlungen mit der ARD, deren Tochter Degeto sowie der Produzentenallianz am 30. Juni 2016. „Uns geht es darum Rechtssicherheit, Planbarkeit und Kalkulierbarkeit für beide Seiten zu schaffen, damit es Rechtsstreitigkeiten wie das Verfahren des Kollegen Marcus Off künftig nicht mehr gibt“, betont Völger. Der Schauspieler hatte bei den ersten drei „Fluch der Karibik“-Filmen Johnny Depp synchronisiert und hat auf Grund des Erfolgs eine Nachvergütung in zehnfacher Höhe des ursprünglichen Honorars erstritten. Weiterhin sucht der IVS das Gespräch mit dem Verband der Filmverleiher (Vdf) und der AG Verleih, da die Gemengelage aufgrund der Lizenzstrukturen im Synchronbereich sehr kompliziert ist. Daher gibt es neben den Synchronproduzenten, mit denen der IVS bereits seit einigen Jahren im engen Austausch steht, noch weitere Verhandlungspartner. Der IVS vertritt aktuell 282 Synchronschauspieler. Bundesweit gibt es nach Schätzungen des IVS etwas über 800 professionelle Synchronschauspieler und -schauspielerinnen.

 

 

 

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