Busch-Medien im Insolvenzverfahren

Verleger Timo Busch hat sich bei seinen Plänen, ein Medienimperium aufzubauen und die größte Plattform für Kreative auf die Beine zu stellen, offenkundig verzettelt. Bereits Ende Mai hat er – unbemerkt von der Öffentlichkeit – für die Busch KGaAG einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung beim zuständigen Amtsgericht in Köln gestellt. Eine Möglichkeit, um sich von Schulden zu befreien – und über die eigene Insolvenzmasse zu verfügen.

Dass der durch den Kauf der Gruner + Jahr Entertainment Media zum Chef eines Fachverlages für die Unterhaltungsindustrie aufgestiegene Verleger Timo Busch in finanziellen Schwierigkeiten steckt, darüber bestanden zuletzt keine Zweifel mehr. Mitarbeiter_innen  und Autor_innen mussten extrem gekürzte Honorare hinnehmen, sie teilweise einklagen oder monatelang darauf warten (M berichtete). Die als Holding fungierende Busch GmbH, die inzwischen in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien gewandelt wurde, scheint die angekündigte Erfolgsstory nicht zu einem Happy End bringen zu können.

Wie Meedia berichtet, sollen Abfindungszahlungen sowie weitere Umbaumaßnahmen dafür sorgen, dass Busch einen millionenschweren Schuldenberg anhäuft: mit insgesamt rund 5 Millionen Euro „steht er bei Gläubigern in der Kreide“ – darunter Geldhäusern wie der Commerzbank sowie dem börsennotierten Außenwerber Ströer – mit einem Darlehen unter einer Million Euro.

Alle als Sparmaßnahmen angedachten Schritte wie Entlassungen, Auslagerung von Titeln („Blickpunkt: Film“, „Games Markt“ und „MusikWoche“) haben bislang nicht zum Erfolg geführt bzw. das Gegenteilt bewirkt. Die daraus resultierenden Schulden dürften letztlich zum Antrag auf Insolvenz geführt haben.

Bitter ist das vor allem für viele feste freie Autor_innen. „Es ist alles sehr gruselig. Ich bin ja noch mit einem blauen Auge davon gekommen, aber es gibt auch Kollegen, bei denen geht es um andere Summen“, erzählt eine Betroffene. Ein Autor, bei dem 15 000 Euro Honorare ausstehen, habe gar Privatinsolvenz anmelden müssen. Viele liefen derzeit hinter kleineren Summen hinterher.

Die Insolvenz in Eigenverantwortung findet unter Aufsicht eines Sachwalters – in diesen Fall dem Kölner Rechtsanwalt Jens Schmidt von der Kanzlei Runkel Schneider Weber aus Wuppertal – statt.

 

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Intendanten der ARD geraten unter Druck

Beim Treffen der Intendant*innen der ARD-Sender in Saarbrücken haben die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), der DJV und unisono zur gemeinsamen Aktion „Bewegt euch!“ aufgerufen. Die Intendant*innen wurden auf dem Weg zum Saarländischen Rundfunk von Beschäftigten des SWR , anderer ARD-Sender und des ZDF aufgehalten und zur Diskussion über die Tarifverhandlungen aufgefordert. Die Beschäftigten forderten von den Intendant*innen mehr Bewegung im laufenden Tarifstreit bei NDR, Radio Bremen, WDR, SWR und BR.
mehr »

Der HR will sich sein Radio sparen

Die erst gestern in Frankfurt vom Hessischen Rundfunk (HR) vorgestellte „Radiostrategie“ entpuppe sich als Sparprogramm auf Kosten der Beschäftigten und des Programms, kritisierte die zuständige ver.di Gewerkschaftssekretärin Anja Willmann die Pläne des Senders. Der HR will künftig weniger Geld in seine linearen Radioprogramme investieren. Die frei werdenden Mittel sollen vor allem in digitale Produkte und Dialogangebote fließen.
mehr »

Fußball-EM: Zu Gast bei Freunden?

Vier Wochen vor EM-Start überraschte der Deutsche Fussballbund (DFB) mit einer originellen Kaderpräsentation. Anstelle einer drögen Pressekonferenz setzte man auf eine teils witzige Salami-Taktik: Mal durfte ein TV-Sender einen Namen verkünden, dann wieder druckte eine Bäckerei den Namen Chris Führich auf ihre Tüten. Das Bespielen sozialer Netzwerke wie X oder Instagram dagegen funktionierte nicht optimal – da hat der Verband noch Nachholbedarf.
mehr »

Buchtipp: Internet als Energiefresser

Jörg Schieb, Autor und Fachjournalist für Digitalthemen, nimmt in seinem jüngsten Buch die größten Energiefesser im Netz unter die Lupe. Neben Kryptowährungen und Künstlicher Intelligenz  gehört dazu auch das Video- und Audiostreaming, das lineare Medienprogramme zunehmend verdrängt. Anhand zahlreicher Beispiele erläutert Schieb Energieverbrauch und CO-2-Fußabdruck von Smartphone bis Netzinfrastruktur und zeigt auf, wie Digitalisierung mit Umwelt- und Klimaschutz Hand in Hand gehen kann.
mehr »