Constantin Medien: Seifenoper oder Intrigantenstadl?

Beim Sportdienstleister Plazamedia wirbt man so für Karrierechancen. Doch ein Viertel der jetzt Beschäftigten soll schon bald nicht mehr abheben. Foto: Screenshot www.karriere.constantin-medien.de

Bei der Constantin Medien AG in Ismaning bei München ist nach der Hauptversammlung am 10. November weniger denn je klar, wohin die Reise geht. Zwei Gesellschaftergruppen mit gegensätzlicher Unternehmensstrategie blockieren sich gegenseitig. Mitten in die Auseinandersetzungen platzte jetzt auch noch die Nachricht von massiven Entlassungen bei der Tochterfirma Plazamedia. Keine guten Zukunftsaussichten für die kriselnde Constantin.

Die Hauptversammlung hatte im Tumult geendet, nachdem Aufsichtsratschef Dieter Hahn mit Geschäftsordnungstricks seinen Widersacher und zweiten Hauptaktionär Bernhard Burgener kaltstellte. Das Krisenszenario: Zwei rivalisierende, fast gleich starke Aktionärsgruppen kämpfen erbittert um den Kurs des Unternehmens. Dieter Hahn, der frühere Intimus des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch, kontrolliert knapp 30 Prozent der Anteile. Gemeinsam mit Vorstandschef Fred Kogel will er die Gruppe auf den Sportbereich konzentrieren und die Tochter Constantin Film („Fuck ju Göhte“, „Das Parfum“, „Der Untergang“) verkaufen. Ein Unterfangen, das der zweite Großaktionär und Ex-Chef Bernd Burgener unbedingt verhindern will.

50 von derzeit 200 Mitarbeitern des Sportdienstleisters Plazamedia in Ismaning bei München verlieren voraussichtlich zum nächsten Frühjahr ihre Jobs. Plazamedia gehört zur Sportsparte von Constantin Medien, ebenso wie der TV-Sender Sport 1 und die Rechteagentur Team. Letztere vermarktet unter anderem für die UEFA die Spiele der Champions League und der Europa League. Das zweite Standbein des Unternehmens ist die Constantin Film. 2015 erwirtschaftete der Gesamtkonzern einen Umsatz von 481,6 Millionen Euro, ein Minus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon entfielen 272,3 Mio. Euro auf das Segment Film, knapp acht Prozent weniger als 2014. Der Bereich Sport steigerte seinen Umsatz um 6,3 Prozent auf 157,6 Mio. Euro. Dritte Sparte ist das Sport- und Eventmarketing mit 48,5 Mio. Euro (plus 18 Prozent).

Dabei steht das Konzept einer reinen Sportfirma unter einem recht ungünstigen Stern. Bei der letzten Vergabe der Bundesliga-Übertragungsrechte sah Sport 1 in die Röhre. Anstatt zusätzliche attraktive Fußballrechte zu erwerben, verlor man sogar die wichtigsten Rechte: das Montagabend-Live-Spiel der Zweiten Liga; außerdem das Recht, die Partien der Ersten Bundesliga im digitalen Hörfunk zu übertragen. Plazamedia, zuständig vor allem für die technische Abwicklung der Sportsendungen, büßte unlängst mit dem Pay-TV-Sender Sky Deutschland seinen wichtigsten Kunden ein. Was vermutlich zu der aktuellen Kündigungswelle geführt hat. Immerhin: „Die Verhandlungen über einen Sozialplan sind auf einem guten Weg“, sagt Plazamedia-Betriebsratsvorsitzender Lambert Roblitschka. Man hoffe, die Zahl der Betroffenen noch zu reduzieren.

Ob der Sportrechtehändler Team – im Besitz der von Burgener kontrollierten Constantin-Tochter Highlight Communications – bei einer Ausbootung des Schweizers noch die UEFA-Vermarktung behält, erscheint nach Lage der Dinge zweifelhaft. Dazu ist die zwischen den Kontrahenten ausgetragene Schlammschlacht zu heftig.

Trotz der eher düsteren Perspektive der Sportsparte hat die Aktionärsversammlung den Verkauf der Constantin Film beschlossen. Möglich war dies nur, weil Aufsichtsratschef Hahn vor der Abstimmung der Gesellschaftergruppe um Burgener das Stimmrecht entzog. Ein Coup, gegen den sich die Unterlegenen mit allen juristischen Mitteln zur Wehr setzen wollen. Sie wollen die Constantin Medien AG als Ganzes erhalten. Unklar ist, ob hinter den zwei gegensätzlichen Strategien nicht das Interesse beider Gruppen steht, die eigenen Anteile bestmöglich zu monetarisieren. Hahn hatte auf der Hauptversammlung Burgener und seinen Mitstreitern vorgeworfen, sich finanziell am Unternehmen bereichern zu wollen. Sie zahlten sich „unanständig hohe Gehälter, schanzen sich teure Darlehen auf unser aller Kosten zu und fahren die größten Dienstwagen, die Sie sich vorstellen können“, wetterte er. Umgekehrt steht auch Hahn unter Verdacht, mit dem von ihm angestrebten Konzernumbau noch einmal richtig Kasse machen zu wollen.

Einstweilen bekriegen sich die verfeindeten Parteien mit Pressemitteilungen, Facebook-Einträgen und Klagen. Die Gruppe um Hahn und Kogel bekräftigte per Mitteilung ihren Umbauplan, nämlich „die Trennung vom Segment Film, eine deutliche Verschlankung der Konzernstrukturen und die Verbesserung der Finanzierungsstruktur der Constantin Medien AG“. Kogel verteidigt die Neupositionierung als „Sport-only-Unternehmen“ mit Hinweis auf die „Chance, Umsatzrentabilität und Ertragskraft unseres Konzerns dauerhaft und nachhaltig zu steigern“. Dagegen heißt es in einer Mitteilung von Highlight Communications (selbstredend ohne Mitwirkung des Verwaltungsratsmitglieds Hahn), man sehe sämtliche Beschlüsse der Constantin-Hauptversammlung „als nichtig an“. Und: „Die Highlight-Gruppe wird sich ihrer offenbar angepeilten Zerschlagung wiedersetzen.“

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Presserat rügt immer häufiger

Der Deutsche Presserat erteilte 2023 so viele Rügen wie noch nie in einem Jahr zuvor. 73-mal verhängte er seine schärfste Sanktion für besonders schwere Verstöße gegen den Pressekodex. Im Jahr zuvor hatte er lediglich 47 Rügen ausgesprochen. Vor allem mehr Rügen wegen mangelnder Recherche wurden vom freiwilligen Kontrollorgan der Presse ausgesprochen. Besorgniserregend findet das die dju in ver.di.
mehr »

Ohne Anklage in polnischer Haft

Kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine wurde der Reporter Pablo González in Polen inhaftiert. Die polnische Justiz beschuldigt ihn seither, für den russischen Geheimdienst spioniert zu haben. Bis heute befindet er sich in Isolationshaft, ohne dass Anklage erhoben oder Beweise vorgelegt wurden. Mit dem Regierungswechsel in Polen kam zunächst Hoffnung für den Journalisten auf. Doch nun wurde seine U-Haft erneut verlängert.
mehr »

Rundfunkbeitrag soll um 58 Cent steigen

Der finanzielle Spielraum von ARD, ZDF und Deutschlandradio schrumpft. Wie erwartet, empfiehlt die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) eine Erhöhung des monatlichen Rundfunkbeitrags ab 2025 um 58 Cent auf 18,94 Euro. Die von einigen Ministerpräsidenten geäußerten Forderungen nach Beitragsstabilität sieht die KEF angesichts der inflationären Entwicklung als übererfüllt an. Ver.di warnt vor weiterem Programmabbau und noch mehr Druck auf die Rundfunkbeschäftigen.
mehr »

dju verurteilt Angriff auf Rundfunkfreiheit

Als „massiven Angriff“ auf die Pressefreiheit und gegen den gesetzlichen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat die dju einen AfD-Antrag vom 22. Februar verurteilt, die Berichterstattung im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) über das Treffen von rechten, identitären und AfD-Vertretern in Potsdam durch die Landesregierung zu unterbinden. Die Landesvorsitzende der dju in ver.di Berlin-Brandenburg, Renate Gensch, nannte den öffentlich-rechtliche Rundfunk „Garant der Demokratie“.
mehr »