Das „Haus der Inhalte“

Video-Installation aus verschiedenen Glasstelen. Jede einzelne verkörpert einen der acht Unternehmensbereiche von Bertelsmann.
Foto: Bertelsmann

Gruner+Jahr: Neue Strategien nicht ohne Härten für die Belegschaft

Mit einiger Verspätung läuft seit 2014 auch bei Gruner+Jahr der digitale Umbruch auf Hochtouren. Im Firmenimperium der Bertelsmann AG firmiert G+J als „Haus der Inhalte“. Starke Marken im Dienste digitaler Geschäftsmodelle ist das Credo von Vorstands­chefin Julia Jäkel. Die Umsetzung dieser Strategie bleibt oft nicht ohne soziale Härten für die Belegschaft.

Ironie der Geschichte: Spätestens mit dem Rauswurf von Thomas Middelhoff als Vorstandschef, mit dem Abschied von der New Economy, begann der Abstieg der Bertelsmann AG aus der Weltliga. Unter dem Druck von Firmenpatriarch Reinhard Mohn und seiner Frau Liz besannen sich die Gütersloher ab 2003 verstärkt auf ihr „Kerngeschäft“, auf Verlage, Fernsehen, Musik. Das Internet-Engagement wurde drastisch reduziert, spielte allenfalls noch eine Rolle als Vertriebs- und Marketingplattform. Die Folge: Die Umsätze stagnierten, vom noch vor zehn Jahren angepeilten Wachstumsziel von jährlich 30 Milliarden Euro ist das Unternehmen weit entfernt. 2016 erzielte man rund 17 Mrd. Euro – immerhin mehr als die anderen im globalen Top-100-Ranking gelisteten privaten deutschen Konzerne – Springer, ProSiebenSat.1, Bauer, Burda und Holtzbrinck – zusammen. Aber im internationalen Wettbewerb der neuen Internet-Giganten, der Walt Disney, News Corp oder Time Warner kann Bertelsmann nicht mehr mithalten.

„Dem Haus fehlt ein Streamingdienst, den Kauf eines Hollywoodstudios hat es nie gegeben, der Games-Bereich wurde vernachlässigt“, urteilt Medienforscher Lutz Hachmeister. Wachstumsdynamik gebe es am ehesten im TV-Geschäft und beim Mediendienstleister Arvato. Dennoch wartet der Konzern immer noch regelmäßig mit Rekordergebnissen auf. Zuletzt Anfang November, als für die ersten drei Quartale 2017 ein Gewinn von knapp 700 Millionen Euro annonciert wurde. Als Cash Cow gilt die nach wie vor hochprofitable RTL Group. Immerhin liefert Bertelsmann regelmäßig den Nachweis, dass auch mit traditionellen Sparten wie TV, Buch (Random House) und Musikrechten (BMG) satte Gewinne erzielt werden können. Gleichzeitig treiben die Gütersloher inzwischen auch wieder ihr Digitalgeschäft voran. Der Anteil am Gesamtumsatz liegt allerdings erst bei rund einem Drittel – bei Springer ist er doppelt so hoch.

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