Der Unternehmer Axel Springer

Am 2. Mai zelebrierte der Axel SpringerVerlag den 100. Geburtstag seines Gründers unter dem Logo „Journalist, Unternehmer, Freiheitskämpfer“, und punktgenau erscheint eine neue Biografie Springers, die sich vor allem auf sein unternehmerisches Schaffen konzentriert.

Tim von Arnim: Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen: Der Unternehmer Axel Springer. Campus Verlag, Frankfurt/M. 2012, 410 Seiten, 34,90 Euro.

Eigentlich hatte der am 2. Mai 1912 in Hamburg-Altona geborene Sohn einer Verlegerfamilie Opernsänger werden wollen. Doch seine Eltern drängen ihn zur Übernahme des väterlichen Betriebs. Das Journalistenhandwerk lernt er während der Nazizeit bei den Altonaer Nachrichten. Über Vitamin B – heute würde man sagen – geschicktes Networking – gelingt es ihm, 1948 die Lizenz für das Hamburger Abendblatt zu ergattern und es zur populären Familienzeitung zu machen. Sein erster verlegerischer Erfolg im Zeitschriftensegment wird das Programmheft Hörzu. 1952 konzipiert er mit Bild eine Zeitung neuen Typs, ein Boulevardblatt mit kurzen Texten, großen Bildern und emotionalen Schlagzeilen. Der Beginn einer jahrzehntelangen Erfolgsstory. In diesem Kontext zeichnet von Arnim auf spannende Weise auch die Wandlung Springers zum politischen Verleger nach. Als sein publizistisches Flaggschiff sieht dieser die 1953 überraschend erworbene Welt an. Richtet sich letztere an das erzkonservative Bürgertum der Republik, wird Bild seine Plattform für eine Art kampagnenbasierten Meinungsjournalismus. Spätestens nach einer missglückten Politexkursion nach Moskau, wo er sich im Alleingang als außenpolitischer Streiter für die Wiedervereinigung versucht, entwickelt sich Springer zum glühenden Antikommunisten. Als symbolischen Akt lässt er bereits Ende der 50er Jahre die neue Konzernzentrale direkt an der Sektorengrenze in West-Berlin errichten.
Mit dem Erwerb des Münchner Kindler & Schiermeyer Verlags steigt Springer 1965 vorübergehend auch zum größten bundesdeutschen Zeitschriftenverleger auf. Zeitgleich setzen allerdings die öffentlichen Angriffe auf den Konzern und dessen dominante Position auf dem Medienmarkt ein. Diese kommen nicht nur aus den Reihen der APO, sondern auch von einst befreundeten Verlegern wie Bucerius und Spiegel-Chef Augstein. Auch die Kartellwächter nehmen mit der Günther-Kommission die Monopolisierung der Medienmärkte ins Visier. Auf dem Höhepunkt der „Enteignet Springer!“-Kampagne liebäugelt der Verleger sogar mit einem Verkauf großer Teile seines Imperiums.
Biograf Tim von Arnim liefert mehr als eine Studie des unternehmerischen Talents Springer, die über die bisherigen Darstellungen des smarten Lebemannes und Frauenhelden hinausgehen. Da dem Biografen der verlegerische Nachlass und bislang unveröffentlichte Geschäftsunterlagen zur Auswertung vorlagen, kommen zahlreiche unbekannte Seiten einer facettenreichen Persönlichkeit zum Vorschein, etwa Springers Schwäche für die Astrologie, die sogar noch vor Gründung der BRD in die Herausgabe einer „Schriftenreihe für Grenzwissenschaften und Schicksalskunde“ unter dem bezeichnenden Titel „Merlin“ mündet. Fazit: Eine lesenswerte und – obgleich ursprünglich als Dissertation verfasst – gut lesbare Studie über den bis heute umstrittensten Verleger der deutschen Nachkriegsgeschichte.

nach oben

weiterlesen

Crowdworker sollten aktiv mitbestimmen

Mechanical Turk, Upwork oder in Deutschland Content.de, Testbirds, Crowd Guru: Crowdworking-Plattformen sind Teil der sogenannten Plattform-Ökonomie. Von der Arbeit auf Uber, Airbnb oder bei Lieferdiensten wie Foodora grenze sich Crowdworking dadurch ab, dass die Abwicklung des Auftrags komplett online erfolge und ein digitales Ergebnis habe, definierte Prof. Dr. Hans Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität München auf einer Tagung von ver.di und IG Metall in Berlin.
mehr »

Nah am Geschehen

Er mag seinen Job sehr. Das merkt man am Enthusiasmus, mit dem Caspar Sachsse über ihn spricht: „Es gibt immer Abwechslung, ich reise viel, halte mich dabei selten länger an einem Fleck auf und ich sehe unübliche Orte. Ich war schon mal in einer Ketchup-Fabrik, wer kann das schon von sich sagen?“ Das merkt man aber auch am Eifer, mit dem er über das Drumherum spricht: „Ich erwarte mehr Verständnis von Politik und Behörden, dass unser Status endlich als solcher akzeptiert wird und die Rahmenbedingungen sich ändern!“
mehr »

Spiel mit den Worten

„Voller Aufregung ob des nahenden Abenteuers erreichte ich den Hafen. Der Kapitän war noch nicht eingetroffen, also genoss ich die kühle Luft an Deck.“ So beginnt die Reise eines Entdeckers im Computerspiel „The Curious Expedition“, in dem man als illustre Figur der Geschichte fremde Regionen entdeckt und allerlei Abenteuer erlebt. Das Spiel des Entwicklers Maschinen-Mensch erschien vor zwei Jahren zuerst in englischer Sprache. Dafür gesorgt, dass auch deutschsprachige Spielende in Entdeckerlaune kommen, hat Iris Schäfer.
mehr »

Der Wert der Bilder

Der Erfolg eines Unternehmens hängt, nicht nur im Internet, sondern auch auf Facebook, Instagram, Pinterest und anderen Plattformen, vor allem von einem guten Bild ab. Reichweite, Page-Impressions, Visits, Klicks, Follower, Freunde bestimmen den „Wert“ einer Website, eines Blogs, des Auftritts eines Mediums oder eines Unternehmens in den Sozialen Medien, generieren Werbeeinnahmen, sind eine Rechtfertigung für die Kosten bei „Paid Content“. Professionelle Fotografen tragen mit ihrer Arbeit den Hauptteil zu journalistischem wie gewerblichem visuellen Content bei.
mehr »