Die Kampagne gegen Springer

Buchrezension: Den deutschen„Cäsar“ bezwingen

Die Springer-Presse, so spottete einst der Publizist Erich Kuby, mache „ihre Leser dumm wie die Hühner und blutdürstig wie die Wölfe“. Die Polemik, veröffentlich in der Zeitschrift Pardon, stammt aus dem Jahr 1962.

Sie gilt dem Autor des schmalen Bändchens als eine Illustration seiner These, wonach die Anti-Springer-Kampagne keine Erfindung der radikalen 68er Studentengeneration war. Die Saat für eine überaus kritische Sicht auf das bis heute umstrittene Medienhaus war bereits in den Jahren zuvor gelegt worden. Den Traum vom Medienverbund, der im Kontext der geplanten Übernahme der Senderkette ProSiebenSat.1 Media vor zwei Jahren spektakulär am Bundeskartellamt scheiterte, hatte Konzernherr Axel Cäsar Springer bereits Anfang der 60er Jahre geträumt. Der Coup misslang und geriet zum Bumerang. In der Folgezeit rückte mit der Debatte über die galoppierende Pressekonzentration die Rolle Springers selbst in den Focus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Kein geringerer als „Spiegel“-Verleger Rudolf Augstein forderte 1966 in seinem Leitartikel „Lex Springer“ antimonopolistische Maßnahmen gegen eine weitere Marktexpansion Springers. Eine Forderung, die die radikale Studentenbewegung nach der Erschießung von Benno Ohnesorg und dem Attentat auf Rudi Dutschke Ostern vor 40 Jahren zum Kampfruf „Enteignet Springer!“ zuspitzte. Nicht unbeträchtlich„unterstützt“ wurde die APO-Kampagne gegen Springer durch die von den Springer-Blättern stets als „Zone“ verunglimpfte DDR. Dass Publikationen wie der Berliner Extra Dienst oder Konkret maßgeblich von der Stasi unterwandert waren, ist heute hinreichend bekannt. Die hetzerische Berichterstattung vor allem von Bild und BZ leitete nur zusätzliches Wasser auf die Mühlen des studentischen Kampfes gegen die „Manipulation“ der Massen durch Springer. Ein Kampf, an dem sich auch Intellektuelle wie Günter Grass und Heinrich Böll beteiligten.
Bild gibt es zwar nach wie vor, ist aber das in jenen Jahren kultivierte Imageproblem nie mehr losgeworden. Und „der Kampf geht weiter“, wie die Existenz von Bildblog belegt. Eine interessante, wenngleich gelegentlich redundante Darstellung eines speziellen Stücks medienpolitischer Zeitgeschichte.


Manuel Seitenbecher:
Den deutschen „Cäsar“ bezwingen.
Die 1960er und die Kampagne gegen Springer.
Tectum Verlag, Marburg 2008,
114 Seiten, 24,90 Euro.

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