Hamburger Morgenpost: Kampf gegen Abbau

Die Hamburger Morgenpost im Frühjahr 2018
Foto: Reuters/Fabian Bimmer

DuMont informierte im August 2017, dass in der Hamburger Morgenpost ein Stellenabbau, vor allem in der Redaktion, geplant sei. Elf Jobs sollten gestrichen werden. Nur einen Monat vorher war entschieden worden, die Politik-Seiten für die DuMont-Kaufzeitungen von Hamburg nach Berlin zu verlagern. Sieben Arbeitnehmer waren betroffen. Der Betriebsrat sprach vom insgesamt größten Stellenabbau in der Redaktionsgeschichte – nahezu 25 Prozent in der Redaktion. Es wurde gekämpft und verhandelt.

Im Januar 2018 kam ein Sozialplan zustande. Er legt eine Abfindung in Höhe eines Gehalts pro Beschäftigungsjahr fest, einen finanziellen Volumendeckel (wie bei dem ebenfalls zu DuMont gehörenden Berliner Verlag) in Höhe von 130.000 Euro. Außerdem wird eine Transfergesellschaft für 12 Monate eingerichtet, bei der jeder monatlich 80 Prozent des bisherigen Gehalts erhält. Zusätzlich wurde ein Altersteilzeit-Tarifvertrag vereinbart, auf den fünf Prozent der Belegschaft einen Rechtsanspruch haben. Auf Nachfrage erklärte der Betriebsrat, dass man den letzten Sozialplan (2015) materiell leicht überboten hätte.

Nach Informationen des Betriebsrates gab es daraufhin fünf Aufhebungsverträge, eine Kündigungsschutzklage läuft. Zwei abgebaute Stellen betreffen die Redaktion, ansonsten Jobs aus der Produktion. Geplante Reduzierungen in der Lokalredaktion wurden verhindert.  Die Politik-Redaktion wurde von Hamburg nach Berlin verlagert, alle Redakteur_innen wechselten mit. Seit Januar 2018 werden die Politik-Seiten für Express, Kurier und MOPO in Berlin produziert. Allerdings, betont der Betriebsrat, gebe es drei Klagen gegen die Versetzungsentscheidung des Unternehmens.

Der Arbeitsplatzabbau in der MOPO steht im Zusammenhang mit einer Neupositionierung der Kaufzeitungen der DuMont Mediengruppe. 2016/2017 wurden der Berliner Kurier und der Express neu aufgestellt – klassisch mit einem Relaunch. Über die Zusammenlegung der Redaktionen von Express und Stadtanzeiger in Köln sowie der Berliner Zeitung und des Berliner Kurier in der Bundeshauptstadt wurde Personal abgebaut. In Berlin brutal, in Köln immerhin mit freiwilligen Angeboten des Unternehmens sozialverträglich. Ergebnis war, dass das redaktionelle Personal an den Berliner und Kölner Standorten massiv reduziert wurde. In Hamburg gibt es keinen gemeinsamen Newsroom, da die MOPO dort einzige Zeitung von DuMont ist. Sie zieht im Sommer 2018 um. Bereits im November 2017 erfolgte ein Relaunch des Print-Titels. Die Chefredaktion sprach zwar von einer Neuerfindung des Boulevard-Journalismus im digitalen Zeitalter, allerdings spiegelt sich das noch nicht in der ersten Auflagenmeldung der IVW wieder. Ursprünglich war geplant, die Arbeitsweise der Redaktion in Richtung “digitaler Newsdesk” zum Januar 2018 zu starten. Das soll nach Informationen des Betriebsrates nun in diesem Frühjahr bis zum Sommer erfolgen. Und erst nach dem Umzug sei eine neue Arbeitsorganisation in der Redaktion mit einem Newsdesk möglich. Dabei sollen Print und Online noch enger zusammengeführt werden. Das findet zwar bereits statt, aber über noch klarer zugewiesene Rollen Einzelner im Produktionsablauf soll dies künftig noch konsequenter erreicht werden.

Ungewisse Zukunft mit redaktionellen Synergie-Lösungen

Über die Zukunft der MOPO-Politik in Berlin gäbe es viele Spekulationen, erklärte der Betriebsrat. Ihm seien derzeit keine weiteren Planungen bekannt. Da das gruppenweite Programm für die überregionalen Inhalte für Print und Online namens NOVUS bei DuMont fortbestehe, müsse mit weiteren Veränderungen gerechnet werden. Sollte beispielsweise eine redaktionellen Synergie-Lösung auf DuMont-Ebene in der Mantellieferung angekündigt werden, so müsste man davon ausgehen, dass es alle Redaktionen an den vier Standorten von DuMont – Hamburg, Berlin, Köln, Halle – betreffen dürfte, sagt Rene Rudolf, zuständiger Konzernbeauftragter von ver.di für die DuMont Mediengruppe.

Wenn man bedenkt, dass ursprünglich geplant war, 16 Stellen und mehr in der Redaktion abzubauen, sagt Rüdiger Fischer vom MOPO-Betriebsrat, sind nur zwei schreibende und drei gestrichene Stellen im Layout sicherlich ein Erfolg für die Interessenvertretung. ver.di und der DJV hätten sich frühzeitig mit Sozialtarifforderungen positioniert. Der Betriebsrat wollte den Abbau gestalten und die absolute Abbau-Zahl reduzieren. Sein Personalkonzept hieß Umbau, nicht Abbau. Zwei Warnstreiks der Redaktion in diesem Jahr hätten die Mobilisierungsstärke der Gewerkschaften unterstrichen, sich einzumischen.

Man dürfe sich aber keine Illusionen machen, so Fischer weiter, da die Medien weiter in ihrem klassischen Kerngeschäft unter Druck stehen. In solchen Umbauphasen drohten Gefahren für die Beschäftigten, im Verlagsbereich durch Synergien auf Gruppenebene oder durch Fremdvergabe. In den Redaktionen redeten die Unternehmen gerne vom Fokus auf das Kerngeschäft, also Lokalpolitik und -Sport. Es bleibe jedoch nur die Option, das Belegschaft, Betriebsrat und die Gewerkschaften sich frühzeitig einbringen. Daraus ergäben sich Gestaltungsmöglichkeiten und nicht nur der übliche Sozialtarifvertrag bzw. Sozialplan zur finanziellen Abfederung des Abbaus. Ohne ein eigenes inhaltliches Konzept der Interessenvertretung würde man aber nur abwehren und könne nicht gestalten. Es seien eigene Vorstellungen zur digitalen Transformation vonnöten. Das gehörte heute zu einer zukunftsfähigen Arbeitnehmer-Strategie, hieß es aus dem Betriebsrat.

 

 

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