HR als eigener Produzent

Öffentlich-rechtliche Sender lassen überwiegend von Tochter- und Fremd­firmen produzieren. Eine Ausnahme ist der Hessische Rundfunk (HR). Er stellt nämlich beinahe alle seine Produktionen selbst her. Das Motiv: Man wolle die kreative Gestaltung der Sendungen und ihre produktionstechnische Abwicklung in eigenen Händen behalten und so besser kontrollieren können. Dabei beschäftigt auch der HR neben dem festangestellten Stamm produktionsbezogen zusätzlich freie Mitarbeiter_innen oder Dienstleistungen.

Insbesondere bei den Kreativen sei das unabdinglich, um die verschiedensten Anregungen und Ansätze zu erhalten. „Nur mit Festangestellten zu arbeiten, würde uns unflexibel machen“, erklärt Fernsehdirektorin Gabriele Holzner. In­sofern gibt es eine erstaunliche Ähnlichkeit zu Produktionsfirmen, die auch projektbezogen einstellen. Der entscheidende Unterschied allerdings ist, dass es eine direkte vertragliche Beziehung zum Sender gibt, die Kommunikationswege stark verkürzt sind und der kreative Part stärker beim Sender angesiedelt ist als sonst.

„Wir möchten das Potenzial unserer Mitarbeiter heben und auf ihre Kompetenzen vertrauen“, sagt Gabriele Holzner. So kann jeder jeden ansprechen und Ideen vorschlagen – etwa wenn in der Abteilung Aktuelles eine Geschichte auftaucht, die sich für eine fiktionale Aufarbeitung eignen könnte. Ideen gibt es genügend, das zeigte ein interner Pitch, bei dem 55 ausgear­beitete Konzepte eingereicht wurden. Das Prinzip der Eigenproduktion fördert gleichzeitig die Entwicklung und Qualifizierung der festangestellten Mitarbeiter_innen. „Durch die Eigenproduktion haben wir eine große Vielfalt und Problemlösungskompetenz der Mitarbeiter, die sich durch alle Gewerke zieht“, merkt Gabriele Holzner an.

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