Skepsis beim Kartellamt

Funke muss bei seinem Programmzeitschriften-Deal mit Springer nachbessern

Der Übernahme-Deal zwischen der Axel Springer AG und der Funke-Mediengruppe könnte am Veto des Bundeskartellamtes platzen. Stein des Anstoßes ist der angemeldete Verkauf einer Reihe von Programmzeitschriften an Funke. An die Genehmigung dieser Transaktion haben die Kartellwächter strenge Auflagen geknüpft. Auflagen, mit deren Einlösung sich die Beteiligten schwer tun.

Im Juli 2013 hatte Springer die Branche mit dem Schritt überrascht, seine beiden Regionalzeitungen Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost sowie sieben Zeitschriften für 920 Millionen Euro an die Funke-Gruppe zu veräußern (vgl. M 6/13). Den Verkauf der beiden Regionalblätter sowie einer Reihe von Frauentiteln hatte das Bundeskartellamt schon bald genehmigt. Schwerer tat sich die Behörde mit dem Eigentümerwechsel beim Paket der „Programmies”. Grund: Mit dem Erwerb von HörZu, Funk Uhr, Bildwoche und TV neu und den bereits im eigenen Besitz befindlichen 10 TV-Titeln hätte die Funke-Gruppe eine erhebliche Marktmacht in diesem Segment erobert. Faktisch wäre nur noch die Bauer Media Group als relevanter Wettbewerber am Markt verblieben. Beide Häuser hätten nach diesem Szenario gemeinsam einen Marktanteil von rund 90 Prozent kontrolliert. No way, urteilten die Kartellwächter und formulierten Konditionen, die ein solches Oligopol vermeiden helfen sollen.
Ende Februar verschickte das Kartellamt einen Zwischenbescheid. Daraus geht hervor, dass die Behörde mit dem von Funke präsentierten Entflechtungsmodell nicht zufrieden ist. Die Essener hatten die Mediengruppe Klambt als potentiellen Käufer von zehn TV-Titeln aus den Häusern Funke/Springer präsentiert. Doch die Kartellwächter hegen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Funke-Mediengruppe (FMG), „mit der Veräußerung der eigenen Titel einen von FMG unabhängig agierenden Wettbewerber zu schaffen”. Skeptisch beurteilen sie vor allem das Verkäuferdarlehen, das Funke Klambt gewähren wollte. Die Beteiligten wurden aufgefordert, bis Ende März nachzubessern.
Ebenfalls noch geprüft wird die Gründung zweier Gemeinschaftsunternehmen für Vermarktung und Vertrieb, an denen Springer mit 75 und Funke mit 25 Prozent beteiligt sein sollen. Sollte der Verkauf der Programmies nicht klappen, könnte der gesamte Deal platzen.
Durchgewunken hat das Kartellamt dagegen den Kauf von N24 durch Springer. Am 24. Februar startete die gemeinsame Redaktion der Welt und des TV-Senders. Ziel ist die Entwicklung „des führenden multimedialen Nachrichtenunternehmens für Qualitätsjournalismus im deutschsprachigen Raum”.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Neue Aufgaben im Community-Management

In der plattformdominierten Öffentlichkeit sind neue Berufsfelder entstanden – wie das Community-Management, das zwischen Redaktion und Publikum vermitteln soll. Obwohl diese Aufgabe in journalistische Ausbildungspläne integriert ist, prägen mangelnde Wertschätzung und prekäre Arbeitsbedingungen die Praxis in den Medien.
mehr »

Pressefreiheit ist keine Weltmeisterschaft

Deutschland ist in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit einige Plätze abgestiegen und rangiert 2026 nur noch auf Platz 14. „Na und?“, werden einige jetzt sagen, „Das ist doch immer noch nicht schlecht!“ Doch, das ist es.
mehr »

Vor Desinformation schützen

Zu den Kommunal- und Landtagswahlen 2026 setzen die Deutsche Presse-Agentur (dpa), die Günter-Holland-Journalistenschule (GHJS) der Augsburger Allgemeinen und die Jugendmedienorganisation Medienebene e.V. gemeinsam auf die Stärkung der Medienkompetenz junger Menschen.
mehr »

Unklare Leitlinien im Umgang mit Rechts

Im Vorfeld der fünf Landtagswahlen in diesem Jahr bemühen sich die ARD-Sendeanstalten vor Ort, die Bürger*innen bestmöglich zu informieren. Eine Umfrage unter den beteiligten ARD-Sendern zeigt, der Spagat, ein umfangreiches Meinungsbild über alle Parteien hinweg zu zeichnen, ist für Redaktionen herausfordernd.
mehr »