Spektakuläres Jahr für Springer-Konzern

Axel Springer legt bei Umsatz und Gewinn erneut zu – dank des weiterhin blühenden Digitalgeschäfts. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 8,3 Prozent auf 3,56 Milliarden Euro. Der Nettogewinn fällt mit 378 Millionen Euro aufgrund einiger „Sondereffekte“ um rund 16 Prozent niedriger aus als 2016. Für die Aktionäre  springt trotzdem einiges heraus: Der Vorstand empfiehlt der kommenden Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende von 1,90 auf den neuen Rekordwert von 2 Euro je Aktie.

„Es war ein spektakuläres Jahr, das beste in der Konzerngeschichte“, bilanzierte Vorstandschef Mathias Döpfner am 8. März in Berlin. Man habe 2017 alle selbst gesteckten Ziele erreicht: die Steigerung des organischen Wachstums, die Stärkung des Kleinanzeigengeschäfts und die Erhöhung des Unternehmenswertes.

Zum Wachstum trägt besonders das Digitalgeschäft bei. Die Digitalsparten steigerten ihre Umsätze um 12,5 Prozent. Sie  allein lieferten 71,5 Prozent der Umsatzerlöse und 87,1 Prozent der Werbeerlöse. Wachstumsmotor sind vor allem die digitalen Kleinanzeigen, die so genannten Classifieds Media (plus 14,6 Prozent), also Job-, Immobilien- und Autoportale. „Wir treten in eine neue Ära des Wachstums ein,“ sagte Döpfner. Ob Weltgeschehen, Wohnungs- oder Jobsuche – sein Haus liefere für nahezu jede Lebenslage geeignete Angebote.

Das Segment News Media – die im engeren Sinne journalistischen Angebote – steigerte seinen Umsatz um 1,9 Prozent auf knapp 1,51 Mrd. Euro. Hier gehe es weniger um Wachstum als um „Stabilisierung“. Allein die beiden Marken Bild und Welt haben insgesamt 464.178 zahlende Digitalabonnenten (Bild: 384.729/Welt: 79.449) Das bedeutet eine Steigerung um ca. 43.000 Abos gegenüber dem Geschäftsjahr 2016. Besonders hervor hob Döpfner die „eindrucksvolle Wachstumsdynamik“ (plus 45 Prozent)  der Nachrichtenplattform „Business Insider“.

2017 strukturierte Springer die Bild und Welt- Gruppe in einen gemeinsam gemanagten Digitalverlag einerseits, einen Printverlag andererseits um. Auf die integrierte Redaktionsarbeit habe diese Trennung keinen Einfluss, bekräftigte Döpfner. Auf der Seite des Verlagsmanagements verspreche man sich mehr von der Spezialisierung der Kompetenzen. Erst im Januar 2018 sei die Integration des ehemaligen TV-Nachrichtensenders N24 unter dem Markendach der „Welt“ vollzogen worden. Das multimediale Angebot der Welt stehe „exemplarisch für den konzernweiten Ansatz von Axel Springer, die journalistischen Angebote kanalübergreifend aufzubereiten und zu vermarkten“.

Trotz der Dominanz des Digitalgeschäfts sei Springer  auch in jüngerer Vergangenheit wohl das Haus gewesen, „das in Deutschland mit ganz großem Abstand am meisten auf dem Feld des klassischen Print-Journalismus unternommen hat“, konstatierte Döpfner. Man habe 15 Titel in fünf Jahren gegründet, „die meisten davon erfolgreich. Zu den Erfolgstiteln zählten Beilagen wie „Blau“ und „Icon“, aber auch eigenständige Titel wie Fußball Bild, Bike Bild und Politico. Nur das Frauenmagazin Allegra habe nicht funktioniert und sei inzwischen eingestellt.

„Wir sind ein publizistisches Haus mit einer besonderen Verantwortung in der Gesellschaft“, bekräftigte der Springer-Vorstandschef.  Er zeigte sich betroffen über den Doppelmord am slowakischen Enthüllungsjournalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten. Der Journalist schrieb für das zur deutsch-schweizerischen Mediengruppe Ringier Axel Springer Media gehörende Nachrichtenportal „aktuality.sk“. Die Redaktion werde Kuciaks investigative Recherche über organisierte Kriminalität fortsetzen. Unterstützung leiste auch ein Netzwerk internationaler Investigativreporter. Der Verlag habe seine Sicherheitsmaßnahmen massiv verstärkt.

Dagegen habe er die Freilassung des Welt-Korrespondenten Deniz Yücel aus türkischer Haft mit großer Erleichterung aufgenommen. Dies sei allerdings kein Grund, sich „entspannt zurückzulehnen“. „Wir werden uns mit anderen Kollegen in anderen Verlagen weiterhin dafür einsetzen, dass alle Journalisten, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit Repressionen erleiden oder im Gefängnis sind, freigelassen werden.“ Dies werde vor dem Hintergrund eines „Erstarkens autokratischer oder sogar diktatorischer Systeme“ immer notwendiger. Unter dem Hashtag „#Free them all“ werde die bisherige #FreeDeniz-Kampagne in der Welt, aber auch im ganzen Konzern fortgesetzt.

nach oben

weiterlesen

Großes Engagement – nüchterne Wahrheiten

Ein Statement auf dem Onlinekongress des Projekts „Journalismus macht Schule“ lautete: Lehrerinnen und Lehrer brauchen an den Schulen die Expert*innen mit ihrer Authentizität, weil Schülerinnen und Schüler Orientierung brauchen. „Nachrichtenkompetenz lehren - Medienkompetenz lernen“ war der Kongress überschrieben und machte Schwächen und Stärken im Bemühen deutlich, Schüler*innen zu kompetenten Akteuren einer demokratischen Öffentlichkeit zu machen.
mehr »

Tarifrunde Zeitungen ohne Verlegerangebot

Ohne Bewegung und Arbeitgeberangebot endete am 26. November die erste Verhandlung über Gehalter und Honorare für die Tageszeitungsjournalist*innen. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di hatte für die etwa 12.000 Zeitungsredakeurinnen und -redakteure eine Vergütungserhöhung um 200 Euro sowie zusätzlich die Zahlung von 500 Euro Corona-Prämie gefordert. Die Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger wurden auf den 14. Dezember vertagt.
mehr »

Auf jungen Kanälen überall mitmischen

„Online First“ gilt inzwischen in vielen Medienhäusern. Nachrichten gelangen zuerst in elektronische Kanäle. Doch auch die klassischen Zeitungen und Zeitschriften spielen immer noch eine Rolle, gedruckt oder im Netz. Denn ihre Namen sind als Marke und Signal für Glaubwürdigkeit nicht zu unterschätzen, war Tenor im jüngsten „Berliner Mediensalon“. Um junge Leser*innen an guten Journalismus zu gewöhnen, sollten Zeitungs- und Zeitschriftenverlage überall präsent sein, wo junge Mediennutzer*innen unterwegs sind.
mehr »

Filmtipp ZDF-History: Das dunkle Erbe

Viele Traditionsvereine haben sich lange Zeit schwer damit getan, ihre braune Vergangenheit aufzuarbeiten; einige haben noch heute Nachholbedarf, wie Rainer Fromm und Udo Frank in der Dokumentation „ZDF-History. Das dunkle Erbe“ zeigen. Der Film sorgt für einige Denkmalstürze von Funktionären, aber auch von Spielern, die in ihren Clubs bis heute verehrt werden. Leider zeigt das ZDF die Doku - im Gegensatz zur sonstigen Fußball-Berichterstattung - nicht zur besten Sendezeit.
mehr »