TikTok bald mit Betriebsrat

Karikatur: Reinhard Alff

Mitbestimmung hält Einzug beim Social-Media-Riesen in Berlin

Bei TikTok steht am Standort Berlin die Wahl eines Betriebsrates bevor. Am 12. Oktober ist es soweit. Der Social-Media Konzern gehört zum chinesischen Mutterkonzern ByteDance und hat 10 000 Beschäftigte weltweit. In Berlin gibt es über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 102 von ihnen beteiligten sich im Juli an der Wahl eines Wahlvorstandes, die in der ver.di-Bundeszentrale in der Hauptstadt stattfand.

Es war kein leichter Weg bis dahin. Der erste Versuch, einen Wahlvorstand zu etablieren, scheiterte. Denn schon im März vergangenen Jahres wollten die Beschäftigten einen Wahlvorstand wählen. Jedoch, weil die Versammlung wegen der Pandemie digital stattfand, ging das Unternehmen dagegen juristisch vor und gewann auch in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht Berlin. Denn laut Betriebsverfassungsgesetz ist eine solche Versammlung nur in Präsenz möglich.

Deshalb wandte sich die Initiativgruppe für einen rechtssicheren zweiten Versuch an ver.di. Mit Erfolg! Hier zeige sich erneut die Bedeutung von Gewerkschaften, betont der zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretär Hikmat El-Hammouri. „Bei TikTok handelt es sich um einen riesigen Social-Media-Konzern mit einer stetig wachsenden Zahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es ist uns mit der Einladungsinitiative gelungen, den Start für die Wahl eines Betriebsrates einzuläuten. Der erste gescheiterte Versuch, bei dem ver.di nicht involviert war, verdeutlicht wie wichtig von Anfang an die Zusammenarbeit mit den Profis der Gewerkschaften ist.“ Der dreiköpfige Wahlvorstand bereitet seitdem die Betriebsratswahlen vor und wird sie auch durchführen. Aus Sicht von ver.di könnte TikTok als Leuchtturm für Betriebsräte in vergleichbaren Social-Media-Konzernen wie Facebook und Co fungieren.

Unzufriedenheit beherrsche das Klima am Berliner Standort des Videoportals, war aus der Belegschaft zu hören. Die Beschäftigten versprechen sich vom Betriebsrat ein Sprachrohr für ihre Kritik an den Arbeitsbedingungen und den niedrigen Gehältern. Das betreffe vor allem die Inhaltsmoderator*innen. Die Content-Moderation, also die Bewertung von nutzergenerierten Inhalten, ist einer der größten Arbeitsbereiche bei TikTok. Insbesondere Mitarbeitende des Department Trust & Safety, in dem die Inhaltsmoderator*innen angesiedelt sind, kritisieren schlechte Bezahlung und hohe Arbeitsbelastung, heißt es bei ver.di. Bei einem Jahresgehalt von knapp 30.000 Euro, also etwa 2.500 Euro monatlich brutto, trügen sie die Hauptlast bei der Sichtung der grafischen und traumatischen Bilder, die in den sozialen Medien erscheinen, und sorgten dafür, dass die Nutzer*innen letztere nicht sehen müssen. Der Wahlvorstand betont aber auch: Es gehe bei der Betriebsratswahl um Unterstützung für die Mitarbeitenden und das Etablieren eines Dialogs mit dem Management. Es wird spannend für ver.di, die Arbeit des Betriebsrates bei TikTok zu begleiten.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Pressefreiheit ist keine Weltmeisterschaft

Deutschland ist in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit einige Plätze abgestiegen und rangiert 2026 nur noch auf Platz 14. „Na und?“, werden einige jetzt sagen, „Das ist doch immer noch nicht schlecht!“ Doch, das ist es.
mehr »

Der Arbeitskampf im ÖRR geht weiter

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) setzt ihre Tarifverhandlungen in den Sendern der ARD fort und hält an ihren Forderungen von sieben Prozent Honorar- und Gehaltserhöhungen, mindestens aber 300 Euro monatlich mehr, fest. Dies gelte ausdrücklich auch für den Westdeutschen Rundfunk (WDR), erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen, zuständig für Medien.
mehr »

Zukunftsoffensive für COSMO

Über 500 Organisationen, darunter die dju in ver.di, fordern bundesweite Zukunftsoffensive für ARD-Programm COSMO. Der WDR benennt seine  Radiowellen Cosmo und 1Live Diggi um und richtet die Programme neu aus. Ein einmaliges Großbündnis warnt die ARD davor, einen großen Teil der migrantischen Bevölkerung zu vernachlässigen.
mehr »

Vor Desinformation schützen

Zu den Kommunal- und Landtagswahlen 2026 setzen die Deutsche Presse-Agentur (dpa), die Günter-Holland-Journalistenschule (GHJS) der Augsburger Allgemeinen und die Jugendmedienorganisation Medienebene e.V. gemeinsam auf die Stärkung der Medienkompetenz junger Menschen.
mehr »