Zu schön, um wahr zu sein

Das abrupte Ende der Erfolgsgeschichte von „Laible und Frisch“

Am Ende war die beinahe märchenhafte Erfolgsgeschichte doch zu schön, um wahr zu sein. „Laible und Frisch“, 2009 und 2010 zur Weihnachtszeit im SWR ausgestrahlt, war ein echtes Novum. Frieder Scheiffele, Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg, hatte die Geschichten über eine schwäbische Dorfbäckerei an der Filmhochschule entwickelt und anschließend eigens mit Partnern die Produktionsfirma Schwabenlandfilm GmbH gegründet. Es war das erste Mal, dass ein Seriendebüt seinen Weg direkt ins Vorabendprogramm fand.

Die zweite Staffel kam im Sendegebiet des SWR auf einen durchschnittlichen Marktanteil von 12,8 Prozent und lag damit mehr als doppelt so hoch über dem damaligen Senderschnitt (6,1 Prozent). Das Finale hatte trotz Dialekts bundesweit bis zu 900.000 Zuschauer. Umso verblüffter waren alle Beteiligten, als der SWR dem Projekt eine weitere Fortsetzung versagte. Offiziell wurde dies damit begründet, die Geschichte sei „auserzählt“. Die letzte Folge endet allerdings mit einem Spannungshöhepunkt, einem sogenannten „Cliffhanger“. Kenner des SWR vermuten, dass auch internes Kompetenzgerangel bei der Entscheidung eine Rolle gespielt hat.
Dennoch ist „Laible und Frisch“ ein Beispiel dafür, dass man als Serienproduzent auch außerhalb der Metropolen erfolgreich sein kann. „Gelebte Regionalität“ beschreibt Scheiffele das Erfolgsrezept der Serie, zumal Produktionen dieser Art für Stab und Schauspieler nicht zu unterschätzende Standortvorteile bieten: Sie ermöglichen den Filmschaffenden über Wochen oder gar Monate eine verlässliche Beschäftigung, im besten Fall (wie bei „Soko Stuttgart“, ZDF) sogar über Jahre, und bindet sie dauerhaft an den Standort; und genau das ist ja auch das Ziel von Medienpolitik und Filmförderung.
Die Drehbücher von „Laible und Frisch“ sind gezielt auf die Drehorte im Landkreis Reutlingen entwickelt worden, um logistisch schnell produzieren zu können. In Bad Urach hat Scheiffele ein Ladenlokal direkt am Marktplatz gefunden und langfristig vor den Dreharbeiten angemietet und umgebaut. Das war die ideale Voraussetzung für den Kern der Handlung: Eine einheimische Bäckersfamilie muss sich gegen die neueröffnete Filiale und das Management einer norddeutschen Großbäckerei behaupten. Vor diesem humorvoll inszenierten Hintergrund gab es Raum für ernste aktuelle Themen: Wettbewerb zwischen regionalem Handwerk und industrieller Massenware zum Beispiel oder die Abhängigkeit der Lokalpolitik wie auch der Bevölkerung von Wirtschaftsunternehmen am Ort.

Prototyp der Finanzierung

Der Produktionsbetrieb wurde direkt im Hauptmotiv eingerichtet, alle weiteren Drehorte befanden sich in unmittelbarer Nähe an Originalschauplätzen. 15 Prozent der Mitarbeiter stammten aus dem Umfeld der Filmakademie. Viele waren in Schlüsselpositionen eingesetzt (Regie, Kamera, Schnitt, Produktion, Szenenbild). Auch sonst hat die Produktion so weit wie möglich Einheimische und örtliche Dienstleister engagiert. Gut 20 Prozent der Mitarbeiter waren sogar „Heimschläfer“, so dass keine Übernachtungskosten angefallen sind. „Laible und Frisch“, sagt Scheiffele, „war ein Bürgerprojekt, die ganze Region hat sich engagiert, um das Projekt möglich zu machen.“ Inklusive populärer Schauspieler bestand das zu 80 Prozent aus Baden-Württembergern. Der besondere Charme der Serie geht also nicht zuletzt auf ihre Authentizität zurück, die durch die Beteiligten entsteht. Vermutlich wirkte auch der Name des Produzenten wie ein Türöffner: Als Schwabe, so Scheiffele, „ist man bei Produktionen im Ländle immer sehr begehrt, weil der Dialekt schnell Vertrauen schafft.“
Ein Prototyp war „Laible und Frisch“ zudem hinsichtlich der Finanzierung und Umsetzung. Die erste Staffel (sechs Folgen à dreißig Minuten) hat gut 1,2 Millionen Euro gekostet. 500.000 gab es anschubweise von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) mit der Bedingung, vor allem Filmschaffende aus dem Land und Absolventen der baden-württembergischen Filmausbildungseinrichtungen zu beschäftigen. Die gleiche Summe (allerdings brutto) steuerte der SWR bei. Den Rest trieb Scheiffele über alternative Finanzierungskonzepte auf, einiges wurde über Rückstellungen gelöst.
Bei der zweiten Staffel lag das Budget bei 1,4 Millionen Euro. Zu einer dritten kam es nicht, weil der SWR kein Interesse zeigte. Damit war auch eine weitere Förderung durch die MFG ausgeschlossen: Um ein Fernsehprojekt einreichen zu können, braucht man den „Letter of Intent“ (LOI) eines TV-Senders, also die Absichtserklärung, sich ebenfalls an der Produktion zu beteiligen und sie auszustrahlen. In den Fördergremien der Länder sitzen in der Regel zudem auch Sendervertreter; bei der MFG sind dies ausschließlich SWR-Redakteure. Der Sender ist ohnehin zu 49 Prozent an der MFG beteiligt. Entsprechend groß ist der Einfluss auf die Förderentscheidungen. „Um sich Kunst ohne Förderung leisten zu können“, resümiert Scheiffele seine Erfahrungen, „braucht man neben der wirtschaftlichen Grundlage vor allem verlässliche Rahmenbedingungen.“
Von Vorarbeit durch Schwabenlandfilm profitiert nun teamWorx: Die Berliner Produktionsfirma dreht unter Federführung des SWR an den Motiven von „Laible und Frisch“ eine Krimiserie für den ARD-Vorabend (Arbeitstitel: „Fuchs und Gans“).

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