Bildjournalisten gewinnen Klagen gegen Tagesspiegel

Richtungsweisendes Urteil

Den Klagen von fünf Bildjournalisten wegen Urheberrechtsverletzungen gegen den Berliner „Tagesspiegel“ wurde am 14. Oktober vom Landgericht Berlin stattgegeben. Das Gericht sprach den Bildjournalisten einen Anspruch auf Schadensersatz zu und untersagte dem „Tagesspiegel“ die Weiterverwendung der Fotos ohne das Einverständnis der Fotografen. Darüber hinaus verpflichtete das Landgericht Berlin den „Tagesspiegel“ zur Auskunft über das vollständige Ausmaß der bisherigen Urheberrechtsverletzungen (siehe zuletzt „M“ 10/99).

IG Medien, DJV und FreeLens werteten das Urteil als großen Erfolg und als richtungsweisend. Denn darin wird erstmals richterlich die Auffassung zahlreicher Bildjournalisten bestätigt, daß eine Veröffentlichung im Internet im Gegensatz zur Printveröffentlichung eine andere Nutzungsart ist, die gesondert honoriert werden muß.

Nach Ansicht der Verbände könnten die Verlage, und die sie unterstützenden Verlegerverbände BDZV und VDZ, nicht selbstverständlich annehmen, daß ihnen mit dem Recht zum Abdruck auch die Rechte an elektronischer Nutzung automatisch übertragen werden. Wie das Urteil gegen den „Tagesspiegel“ zeige, müssen die Verlage mit dem spürbaren Widerstand von DJV, FreeLens und IG Medien rechnen, wenn Urheberrechte von Bildjournalisten mißachtet und deren Arbeiten nicht angemessen honoriert werden.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Neue Anlaufstelle: Erste Hilfe bei SLAPPs

Was tun, wenn man geslappt wird? Ab dem 16. Mai gibt es eine Anlaufstelle für SLAPP -Betroffene. SLAPPs sind unbegründete Einschüchterungsklagen oder missbräuchliche Gerichtsverfahren. Gegen die hat die EU eine Anti-SLAPP-Richtlinie verabschiedet. Binnen zwei Jahren müssen die Mitgliedsstaaten nun die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Hinter der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Anlaufstelle steht ein breites Bündnis; Ansprechpartner ist Philipp Wissing.
mehr »

Top Tarifergebnis im Kino

In den Tarifverhandlungen mit der Kino-Kette UCI (United Cinemas International GmbH) wurde am 19. Februar 2024 ein Tarifergebnis erzielt, das an vielen Stellen die ver.di-Forderungen erreicht, so auch den Einstiegslohn von 14 Euro. In der anschließenden Befragung der Mitglieder bis zum 4. März gab es keinerlei Ablehnung. Somit beschloss auch die ver.di-Tarifkommission einstimmig die Annahme des Tarifergebnisses.
mehr »

Einschüchterungsversuche der Hohenzollern

Eine Studie der Universität Leipzig hat am Beispiel der deutschen Adelsfamilie Hohenzollern untersucht, wie kritische Berichterstattung und Forschung durch gezielte Anwaltsstrategien beeinflusst oder behindert werden sollen. Die Kommunikationswissenschaftler*innen haben dabei die Wirkung von SLAPPs (Strategic Lawsuits Against Public Participation) aus Sicht der Betroffenen nachvollzogen. Verunsicherung und Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sind direkte Folgen bei ihnen.
mehr »

Honoraruntergrenzen bei der Kulturförderung

Claudia Roth will ein Versprechen einlösen und Mindeststandards für Honorare von Freien bei der Kulturförderung des Bundes sichern. Laut Ampel-Koalitionsvertrag von 2021 sollten öffentliche Gelder für die Kultur an faire Vergütung gekoppelt sein. Nun, so die Kulturstaatsministerin, werden „für den Kernbereich der Bundeskulturförderung“ Mindesthonorare für Künstler*innen und Kreative eingeführt.
mehr »