Klage erfolgreich: Imago muss zahlen

Screenshot der imago-Datenbank mit dem BAADER-Foto von Rabah Madjer aus dem Jahre 1987

Ein 14-monatiger Rechtsstreit zwischen dem Münchner Sportfotografen Lorenz Baader und der imago sportfotodienst GmbH Berlin endete im Januar 2017 vor dem Landgericht München I mit einem Vergleich. Eine interessante Entscheidung, die M erst jetzt bekannt wurde. Danach muss der Fotodienst 30 000 Euro Schadenersatz zahlen.

Ausgangspunkt der Schadenersatzklage war ein BAADER-Foto aus dem Jahr 1987, das den Fussballer Rabah Madjer des FC Porto bei seinem Hackentricktor im Europapokalfinale gegen den FC Bayern München zeigt. Dieses Foto entdeckte Lorenz Baader im April 2015 in mehreren deutschen Tageszeitungen und auf Webseiten im In- und Ausland mit dem Copyright-Vermerk „imago/kicker“. Weil Lorenz Baader dieses Motiv als Vorschaufoto zum damals bevorstehenden Champions League-Spiel FC Bayern München gegen den FC Porto einige Tage zuvor an seine Tageszeitungskunden verschickt hatte, glaubte er zuerst an eine versehentlich falsche Copyrightnennung. Nach einigen Nachforschungen stellte sich allerdings heraus, dass dieses Foto den Zeitungen/Zeitschriften unberechtigt von der imago sportfotodienst GmbH zur Nutzung überlassen worden war. Eine Recherche ergab, dass sich über 500 weitere BAADER-Fotos und weitere tausende Fotos mit dem Copyright-Vermerk „imago/kicker“ im imago-Bildarchiv befanden. In Reaktion auf das erste Beanstandungsschreiben des Klägers wurden sämtliche „imago/kicker“-Fotos aus dem Bildarchiv entfernt und auch der Link „kicker“ verschwand aus der imago-Datenbank.

Vor mehreren Jahren löste das Fachblatt „kicker“ der Olympia-Verlag GmbH nach eigenen Angaben sein Archiv mit Papierfotos auf und beauftragte die imago sportfotodienst GmbH mit der Digitalisierung und Archivierung. Außerdem räumte die Olympia-Verlag Gmbh der imago sportfotodienst Gmbh das Recht ein, die gelieferten Bilder in ihre Datenbank zur weltweiten Auswertung aufzunehmen. Leider wurde dabei übersehen, dass unter den zur Archivierung übergegeben Fotos auch alte Schwarz-Weiss-Fotos von Lorenz Baader waren, an denen die Olympia-Verlag GmbH der imago sportfotodienst GmbH keine Nutzungsrechte einräumen durfte.

Nachdem sich die Olympia-Verlag GmbH und die imago sportfotodienst GmbH außergerichtlich bereits gegenüber Lorenz Baader strafbewehrt zur Unterlassung der Rechtsverletzungen verpflichtet hatten, reichte der Rechtsanwalt von Lorenz Baader im Sommer 2016 eine Schadenersatzklage beim Landgericht München I ein, über die im Januar 2017 streitig verhandelt wurde. (Az.: 37 O 12738/16) Dabei hatte Lorenz Baader von Anfang an vor, seine Schadenersatzansprüche an eine gemeinnützige Einrichtung zu spenden.

In der Verhandlung schlossen die Parteien sodann auf Vorschlag des Gerichts einen Vergleich, wonach sich die imago sportfotodienst GmbH Berlin verpflichtet hat, nach Weisung von Lorenz Baader 30.0000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zu spenden und die gesamten Kosten des Rechtsstreits zu übernehmen.

Lorenz Baader selbst verzichtete auf jegliche Zahlungen an sich. Zwischenzeitlich zahlte die imago sportfotodienst GmbH Berlin € 28.000 an die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München, sowie 2.000 Euro an den Wings for handicapped e.V. Diese haben sich über den unerwarteten Geldeingang sehr gefreut und dankbar gezeigt.

 

nach oben

weiterlesen

Keine abschreckend hohen Gebühren für Behördenauskünfte

Schluss mit abschreckend hohen Gebühren, wenn Bürger oder Journalisten Auskünfte von Behörden wollen. Am 20. Oktober 2016 entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über eine entsprechende Klage zweier Journalisten. Die beriefen sich auf das Informationsfreiheitsgesetz. Das Bundesinnenministerium hatte ihnen 2012 für Auskünfte über Medaillenvorgaben bei den Olympischen Spielen fast 15 000 Euro in Rechnung gestellt. Behörden dürften solche Gebühren nicht willkürlich in die Höhe treiben, erhielten die Journalisten jetzt letztinstanzlich Recht.
mehr »

Raubkopien: YouTube muss handeln

Die AG Dokumentarfilm sieht im unautorisierten Hochladen von Fernsehmitschnitten auf Internetplattformen wie YouTube ein wachsendes Problem. Ein Dokumentarfilmer wehrte sich mit Hilfe der AG jetzt juristisch erfolgreich gegen die illegale Verbreitung einer Raubkopie. 
mehr »

Landesrechnungshof muss Auskünfte über den WDR erteilen

Der Journalist David Schraven vom gemeinnützigen Recherchebüro correctiv.org hat jetzt vor dem Oberverwaltungsgericht NRW in Münster ein Verfahren gegen den nordrhein-westfälischen Landesrechnungshof gewonnen. Er hatte von der Behörde Auskunft über nicht veröffentlichte Teile der Ergebnisse der Prüfung des WDR verlangt, was die Behörde zunächst generell abgelehnt hatte. Mit Urteil vom 28. Juni hat das Oberverwaltungsgericht NRW (OVG) in Münster jetzt festgestellt, dass die Erteilung der Auskünfte über die Prüfung des WDR „nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist".
mehr »

Ohne Eingangstest in ZAV-Kartei

Wie das Bundessozialgericht (BSG) am 12. Oktober entschieden hat, haben Schauspielerinnen und Schauspieler einen generellen Anspruch auf die Aufnahme in die bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit geführte Vermittlungskartei. Die bisherige ZAV-Praxis, Absolvent_innen privater Schauspielschulen nur nach einem erfolgreichen Eingangstest aufzunehmen, bezeichnete das Gericht als rechtswidrig.
mehr »