RBB muss Ruhegeld an Augenstein zahlen

rbb in Berlin Gebäude

Um die konkrete Zukunft des RBB wird heftig gerungen. Foto: RBB/Gundula Krause

Er war einer der letzten aus der alten Geschäftsführung, der gehen musste. Jetzt hat der frühere Produktions- und Betriebsdirektor des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), Christoph Augenstein, vor dem Arbeitsgericht Berlin „Ruhegeld“ vom RBB erstritten. Das Arbeitsgericht gab am 8. Januar der Klage Augensteins im Wesentlichen statt. Es erklärte auch die außerordentliche Kündigung für ungültig.

Den von Augenstein geforderten Schadensersatz in Höhe von 455.000 Euro für erlaubte Nebentätigkeiten, die ihm durch die Entlassung verloren gegangen seien, sowie geforderte 25.000 Euro Schmerzensgeld wies das Gericht zurück.

Augenstein war im Februar vergangenen Jahres als einer der beiden letzten Direktoren aus der Ära der Ex-Intendantin Patricia Schlesinger fristlos entlassen worden. Er war 2018 zum RBB gekommen und hatte vorher einen unbefristeten Vertrag beim Westdeutschen Rundfunk (WDR), den er mit dem Wechsel aufgab. Beim RBB bekam er einen auf fünf Jahre befristeten Vertrag, der im vergangenen August auslief. Vereinbart war demnach ein Ruhegeld von etwa 8.900 Euro monatlich, sollte der Vertrag nicht verlängert werden. Das muss der RBB laut Gerichtsentscheid nun ab September letzten Jahres bis zur Rente im Jahr 2030 zahlen.

Die Kündigung des Produktionsdirektors hatte der Sender laut Gerichtsmitteilung unter anderem damit begründet, dass der Kläger es bei dem Projekt „Haus der Digitalen Medien“ pflichtwidrig unterlassen habe, über Kostensteigerungen aufzuklären. So habe er dem Verwaltungsrat nicht umgehend mitgeteilt, dass die kalkulierten Kosten für das inzwischen begrabene Bauprojekt von 125 Millionen Euro auf 188 Millionen gestiegen waren. Das sei nicht feststellbar, so das Gericht. Außerdem habe sich Augenstein laut Gericht eine Zulage für den ARD-Vorsitz sowie angeblich nicht dienstlich veranlasste Reisekosten gewähren lassen. Ersteres sei nicht pflichtwidrig gewesen, letzteres treffe nicht zu, urteilte das Gericht

Gegen die Entscheidung können beide Parteien Berufung beim Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg einlegen. Offenbar wird damit gerechnet. Der Richter erklärte am Montag, der Kläger habe eine Etappe gewonnen, aber nicht die Tour. 

In anderen Fällen klagen Ex-Führungskräfte des RBB weiter. Bei den Kündigungen des RBB-Verwaltungsdirektors Hagen Brandstäter und der Juristischen Direktorin des RBB, Susanne Lange, urteilten andere Kammern des Arbeitsgerichts nämlich völlig anders und gaben dem RBB Recht. Lange hat aber Berufung gegen das Urteil eingelegt, wonach ihre Kündigung rechtens sei und der Vertrag sittenwidrig. Auch die ehemalige Leiterin der Intendanzabteilung, Verena Formen-Mohr, war gegen das Scheitern ihrer Klage in Berufung gegangen. Im April befasst sich das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg mit dem Fall. 

((Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 08.01.2024, 60 Ca 1631/23 und WK 60 Ca 3213/23))

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

„Desinformation gefährdet Leben“

Politische Kommunikation studierte Johannes Hillje an der London School of Economics, Politikwissenschaften an der Universität Mainz. Er arbeitet als Politik- und Kommunikationsberater und ist Autor. In seinem Buch „Mehr Emotionen wagen“ beschreibt er, wie Gefühle die politische Landschaft beeinflussen. Wir sprachen mit ihm über emotionale Wahlkämpfe, journalistische Strategien und den Umgang mit Antidemokraten.
mehr »

Leben ohne Thüringer Lokalzeitung 

Ostthüringen ist im Jahr 2023 von der Funke-Mediengruppe zur „Modellregion für die Digitalisierung des ländlichen Raums“ erklärt worden. Der Verlag stellte die Zustellung der Printausgabe der Ostthüringer Zeitung in elf Gemeinden rund um Greiz ein. Thomas Schnedler und Malte Werner vom Netzwerk Recherche haben die Folgen untersucht. Die Ergebnisse finden sich im Abschlussbericht „Lückenfüller –Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?“.
mehr »

Katapult MV: Die Stimme für den Norden

Die kleine Redaktion von Katapult MV stellt im Flächenland mit 1,57 Millionen Einwohner*innen mit einer monatlichen Zeitung und aktuellen Online-Beiträgen ein Gegengewicht in der Berichterstattung dar. Wir sprachen mit Chefredakteur Patrick Hinz über Lokaljournalismus, die anstehenden Landtagswahlen und den journalistischen Umgang mit der AfD.
mehr »

Berichten wo es ungemütlich ist

In autoritär regierten Staaten geraten auch ausländische Medienschaffende zunehmend unter Druck: Einreiseverbote, die Verweigerung von Visa und andere Repressionen erschweren die Arbeit von Korrespondent*innen. In vielen Fällen bleibt ihnen nur noch die Berichterstattung aus dem Ausland ohne direkten Zugang zum Land selbst.
mehr »