Schon entdeckt? das Marburger

Nachdem der freiberuflich tätige Publizist Hartwig Bambey vor einigen Jahren aus Gießen nach Marburg gezogen war, vermisste er seriöse, unabhängige Berichterstattung, wie es sie in seiner alten Heimat, mit der Gießener Allgemeinen Zeitung und dem Gießener Anzeiger gegeben hat.

Das Lokalblatt Oberhessische Presse (OP) nehme in der Marburger Region eine Monopolstellung ein, veröffentliche aber bevorzugt Boulevard-Stories, kritisiert Bambey gegenüber M. Für ihn eine Chance, im Januar 2010 das tagesaktuelle Online-Magazin http://www.das-marburger.de zu starten.

das Marburger.

Seither ist der von ihm gegründete lokalpolitische Internetauftritt zur Institution angewachsen. Im Oktober hatte das Internet-Magazin 310.000 Seitenaufrufe aufzuweisen. Wie in vielen Medien der Republik herrsche in der OP ein Trend zur Ökonomisierung, der Journalisten unter Druck setzt. Wachsende Abhängigkeiten von Anzeigenkunden führten zu einseitiger Berichterstattung. Ganze Themenfelder würden als uninteressant abgetan und kaum stattfinden. Vergleichsweise einfach sei es gewesen, mit seinen oft kommentierenden Beiträgen online als lokalpolitisches, kritisches Organ angenommen zu werden, meint Bambey. Von politischen Verantwortungsträgern der Stadt werde der Online-Dienst häufig frequentiert und respektiert, so der 58-jährige ehemalige Buchhändler und freie Publizist. „Ich zwinge mich zur Themenvielfalt“. Ob aktuelle Berichterstattung noch während die Stadtverordnetenversammlung; die spätere Nachbetrachtung der verhandelten Stadtpolitik, städtebauliche Betrachtungen, eine Analyse des Machtpokers an der Uni, Berichte zur lokalen Wirtschafts- und Energiepolitik oder zum Marburger Kulturgeschehen: Bambey ist als „rasender Reporter“ unterwegs; sieben Tage in der Woche, mitunter bis zu 70 oder 80 Wochenstunden.

Angemessenen Lohn erhält er für seine Leistung nicht. Das Online-Magazin ist bisher von seiner Frau gesponsert und soll werbefrei bleiben. Ansonsten wird es über Spenden finanziert und einen Veranstaltungskalender, in den sich zum Preis von 15 Euro jeder Veranstalter eintragen lassen kann. Ein Förderkreis befinde sich im Aufbau. Vermutlich werde er seine journalistischen Ambitionen weiterhin als Ein-Mann-Betrieb umsetzen – „wenn man so will: in Selbstausbeutung“, so Bambeys selbstironische Einschätzung. Er ist zudem Fotograf und legt Wert auf gute erzählende Bilder. Es gibt viel Leserresonanz, auch Hinweise, wenn eine Verlinkung nicht funktioniert. Seit kurzer Zeit ist eine Praktikantin für „das Marburger“ tätig – auch ohne Honorar. Als „Gastautoren“ treten viele Stadtpolitiker und Themenkundige in Erscheinung.

Zum aktuellen Schwerpunkt des aus Kostengründen von Rückbau bedrohten Botanischen Gartens der Marburger Uni ist das Marburger jetzt von einer „Zensurmaßnahme“ betroffen. Die Universitätspräsidentin konnte gerichtlich erwirken, dass zwei wichtige Dokumente aus einem von Bambey angefertigten Dossier entfernt werden mussten. Der Journalist hat dazu Rechtsschutz bei ver.di beantragt.

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Schon entdeckt? Die Neue Norm

„Wir wollen behinderte Menschen empowern, selbst journalistisch zu arbeiten“, so Judyta Smykowski, Chefredakteurin von „Die Neue Norm“. Das Projekt des Vereins “Sozialhelden“ besteht aus einem Online-Magazin „für Vielfalt, Gleichberechtigung und Disability Mainstreaming“ und einem gleichnamigen Podcast auf Bayern 2. Die engagierte Journalistin gründete das Medienprojekt „Die Neue Norm“ Ende 2019 zusammen mit Raúl Krauthausen und Jonas Karpa, um alte Normen und Vorstellungen von Behinderung im Mainstream aufzubrechen.
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Die dju – ein Angebot zur Mitgestaltung

Mit dem neuen Jahrtausend kam auch für die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di einiges an Neuem. Noch bevor sie ihren 50. Geburtstag feierte, knackte sie im Jahr 2000 die 20.000-Mitglieder-Marke. 2001 kam ver.di und die dju feierte ihr halbes Jahrhundert im Retro-Look im Kölner Gürzenich. Zur 60-Jahr-Feier waren die Kolleginnen und Kollegen von Rundfunk, Fernsehen und audiovisuellen Medien in der neuen Fachgruppe Medien mit dabei. Und nun, zum 70. Geburtstag, steht der dju in ver.di wieder etwas Neues ins Haus: Ein Feiertag in Pandemiezeiten.
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Aus für Freelancer in Presse und Kultur

Clasificador Nacional de Actividades Económicas (CNAE), Register für ökonomische Aktivitäten, heißt die Liste mit 2110 Tätigkeiten, die in Kuba seit dem 5. Februar für die freiberufliche Arbeit erlaubt sind. Eine Reform mit revolutionärem Potenzial, denn bislang durften nur 127 Berufe selbständig ausgeübt werden. Auf der vier Tage später erschienenen Verbotsliste sind jedoch jedwede freiberufliche Presse-Arbeit sowie etliche Berufe in der unabhängigen Kunstszene der Insel aufgeführt.
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Schon entdeckt? Qamar

Es sei „höchst an der Zeit mit, statt über Muslim*innen zu reden“, findet Muhamed Beganović. Die übliche Medienberichterstattung sei „reißerisch und eng fokussiert auf Themen wie Terror, Ehrenmord, Clan-Kriminalität oder die Kopftuch-Debatte“. Er hat mit Qamar (arabisch: Mond) deshalb ein neues, ästhetisch ansprechendes Gesellschafts- und Kulturmagazin von Muslim*innen für Muslim*innen gegründet. Es richtet sich an junge Leser*innen zwischen 15 und 35 Jahre im deutschsprachigen Raum und soll vor allem eines: Inspirieren.
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