regensburg-digital.de

„Unabhängig, mutig, unterfinanziert!“ An diesem selbstdefinierten Status hat sich für das Regensburger Online-Magazin „regensburg-digital.de“ binnen eines Jahres kein Jota geändert. Obwohl die Lesergemeinde beachtlich zulegte, das publizistische Feed-back über die Stadt hinaus enorm ist, bleibt der wirtschaftliche Erfolg eher bescheiden. Das wäre weiter nicht tragisch, wenn der Herausgeber, der 35-jährige Online-Journalist Stefan Aigner, finanziell ebenso unabhängig wäre, wie das von ihm verantwortete Online-Magazin. Aigner zur Seite steht der „Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt“, der seine Zielsetzung so beschreibt: „ … im Raum Regensburg die aufklärerische Aufgabe der öffentlichen Debatte zu stärken und damit die Qualität der Meinungsbildung zu steigern.“
Ohne es gezielt darauf anzulegen, entwickelte sich die Website mit der eingängigen Internetadresse www.regensburg-digital.de zum Synonym für kritischen Lokaljournalismus. Der tägliche Zugriffsdurchschnitt auf die Homepage liegt bei 2.000 und wenn ein Thema Wellen schlägt, können es durchaus bis zu 4.000 Leserinnen und Leser pro Tag werden. Der wachsende Erfolg der lokalen Internet-Zeitung basiert auf Faktoren, die Stefan Aigner durchaus selbstkritisch sieht: „Ich erreiche die Unzufriedenen in Regensburg, die an einem kritischen Diskurs, an Kommunikation, interessiert sind. Den durchschnittlichen Regensburger erreiche ich nicht.“
Fast sämtliche Themen, die das Online-Magazin aufgreift, kommen irgendwann und irgendwie auch in der Heimatzeitung vor. Aber eben ganz anders.
Regensburg ist Einzeitungskreis. Die öffentliche Meinung wird geprägt von der Mittelbayerischen, deren Verleger Peter Esser nichts anbrennen lässt. Er ist beteiligt am lokalen Radio und Fernsehen und vor allem ist Esser Präsident der Industrie- und Handelskammer Regensburg. Das färbt auf die Monopolzeitung ab und natürlich schaltet die werbetreibende Wirtschaft im Online-Magazin keine Anzeigen. Den wachsenden Nutzerkreis des Online-Magazins schert das wenig. Ungerührt von den Appellen, den „unabhängigen Journalismus“ zu unterstützen und mit wenigstens fünf Euro im Monat Abonnent oder Fördermitglied zu werden, liest und kommentiert die große Mehrheit zum Nulltarif. Mindestens drei Kommentare erreichen jeden Beitrag. Vierzig und mehr sind es, wenn es „heiße Themen“ sind. Über 2.500 liefen im ersten Jahr auf. „Es gibt keine offiziellen Etikette, sondern nur ein paar Regeln“, sagt Aigner zu den Kriterien: „Keine persönlichen Beleidigungen, keine rassistischen oder rechtsextreme Meinungen.“ Die erste Freischaltung erfolgt jedoch erst, wenn Herausgeber Aigner die richtige Adresse kennt.
Als Alternative zum langweiligen Einheitsbrei der Verlegerzeitung hat sich „regensburg-digital“ in der engagierten Stadtgesellschaft etabliert. Und die Frage, die den autoritären Oberbürgermeister und seine CSU umtreibt: „Wer steckt dahinter?“, ist leicht zu beantworten: Engagierte Bürger, junge und alte bis hin zum 81-jährigen Nutzer, und ein Lokaljournalist, der genau hinsieht und exakt das schreibt, was er recherchierte.
 

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