Viele Kolleginnen und Kollegen „brennen“ für ihren Beruf, dennoch sehen sich Medienschaffende oft psychischen Belastungen und negativem Stress ausgesetzt – das belegen mehrere Studien. Die Anfang März 2025 veröffentlichte Studie „Burning (out) for Journalism” der LMU München legt dazu nun vertiefende Ergebnisse für Deutschland vor. Dafür wurden im Herbst 2024 rund 1.300 Journalistinnen und Journalisten zu ihrer psychosozialen Gesundheit und zu beruflichen Belastungen befragt.
Die Ergebnisse zeigen, dass das psychische Wohlbefinden bei den Befragten mit einem eruierten Mittelwert von 48 auf einer Skala von 0 bis 100 insgesamt deutlich unter dem Durchschnittswert in der deutschen Bevölkerung (65) liegt; auch das Depressionsrisiko und der Wert von „psychischem Distress“, also von negativ erlebtem Stress, sind höher.
Fast zwei Drittel der Befragten haben einen Berufsausstieg in den letzten zwölf Monaten zumindest in Betracht gezogen – mit einem Anteil von 67 Prozent taten dies Angestellte etwas häufiger als Freiberufler (rund 62 Prozent). Insgesamt ist das Burnout-Risiko für die Berufsgruppe laut Studienergebnissen sehr hoch, wobei dieses bei Journalistinnen noch höher liegt als bei ihren männlichen Kollegen.
Was Medienschaffende belastet
Berufliche Aufstiegsmöglichkeiten, Vergütung, Arbeitsbelastung (in Bezug auf Workload und Länge der Arbeitszeiten) und der berufliche Wettbewerb wurden als belastende Faktoren genannt. Auch der Umgang der Redaktionen mit in diesem Sinne fordernden Situationen wurde schlecht bewertet. Als positiv haben die befragten Medienschaffenden hingegen die „körperliche Unversehrtheit“ im Beruf, den Wert der eigenen Arbeit, Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen, das Arbeitsklima, aber auch Feedback aus dem Publikum bewertet.
Auch öffentliche Anfeindungen und Übergriffe, denen sich viele Medienschaffende im Beruf ausgesetzt sehen, werden in der Studie thematisiert. An der Spitze stehen hier hasserfüllte Äußerungen, die online getätigt werden – dies haben rund 58 Prozent der Befragten bisher mindestens einmal erlebt. 50,5 Prozent haben Formen öffentlicher Diskreditierung in ihrer Arbeit hinnehmen müssen. In Bezug auf ihren Arbeitsplatz selbst berichten über ein Drittel der Medienschaffenden von Formen der Diskriminierung, die sie erlebt haben, rund ein Drittel von Mobbing, 12 Prozent von sexuellen Übergriffen.
Mehr als die Hälfte der untersuchten Journalist*innen sind in ihrer Berichterstattung darüber hinaus mit belastenden Themen konfrontiert. Dazu zählen „bedrückende menschliche Schicksale“ (rund 44 Prozent), „Unfälle mit Verletzten oder Todesopfern“ (rund 28 Prozent) oder „Folgen von Naturkatastrophen“ (rund 25 Prozent). Nicht nur die Erstberichterstattung, sondern auch Schilderungen oder Videomaterial können traumatisierend sein, wie in der Studie angeführt wird.
Unterstützungsangebote für Journalistinnen und Journalisten
Unterstützungsangebote vonseiten der deutschen Medienhäuser und Redaktionen gibt es den Befragten zufolge nur wenige. Besonders viele Freie gaben an, dass sie keine Unterstützungsangebote kennen oder ihnen keine zur Verfügung stehen (insgesamt rund 84 Prozent). Die unter den Befragten bekanntesten externen psychosozialen Anlaufstellen waren die Plattform HateAid, gefolgt von der Helpline des Netzwerks Recherche, die rund ein Drittel kannten. Kaum bekannt waren hingegen das Dart Center für Journalism und Trauma und die Themis – Vertrauensstelle für sexuelle Belästigung und Gewalt. Rund 56 Prozent der Befragten kannten keine dieser Beratungsstellen.
Lösungsansätze
Die Studie schließt mit Lösungsansätzen und fordert Redaktionen und Medienhäuser auf, verstärkt in psychologisches Gesundheitsmanagement zu investieren. Doch dies allein nütze wenig; auch müsse sich auch etwas an vielerorts prekären Arbeitsbedingungen ändern. Zudem plädieren die Studienautorinnen und Studienautoren auf eine offene Redaktionskultur. In dieser soll der Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen entgegengewirkt und all jenen, die unter psychischer Beanspruchung leiden, mit „fürsorglicher Offenheit“ begegnet werden.
Der DFJV erachtet die genannten Handlungsempfehlungen für sinnvoll. Zudem rufen wir dazu auf, Unterstützungsstellen weiter bekanntzumachen, zu fördern und zu unterstützen.
Die Studie „Burning (Out) for Journalism. Aktuelle Befunde zur psychosozialen Gesundheit im deutschen Journalismus“ wurde am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Hantzisch durchgeführt.