Klassische Medien und besonders die Lokalzeitungen sind immer noch die wichtigste Quelle lokaler und regionaler Information. Social Media und Amtsblätter sind kein adäquater Ersatz für Lokaljournalismus. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie zu Angebot, Vielfalt und Perspektiven lokaler und regionaler Informationsangebote in Thüringen, die im Januar in Erfurt von der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) vorgestellt wurde.
Die gute Nachricht lautet: Bislang existieren in Thüringen keine Nachrichtenwüsten. Damit gemeint sind Regionen, in denen es kein Angebot von Lokal- oder Regionalzeitung mehr gibt. Außerdem stehen inzwischen viele alternative Medienangebote zur Verfügung, die teilweise erhebliche Reichweiten erzielen. Weniger positiv: Die Alternativen kommen vom Umfang und der Qualität auch nicht ansatzweise an die Zeitung heran.
„Eine Mehrheit der Thüringer Bevölkerung ist stark an lokalen und regionalen Informationen interessiert. Um dieses Bedürfnis zu befriedigen, nutzt sie eine breite Vielfalt an Medien. Dabei rangieren die klassischen Medien weiterhin klar vor den neuen Webangeboten“, lautet das Fazit von Prof. Dr. Lutz Hagen, TU Dresden und seinen Forschungskollegen Jens Woelke und Peter Stawowy.
„Social Media-Profile, Online-Portale und kommunale Amtsblätter sind kein Ersatz für die Lokalberichterstattung in Zeitungen und Rundfunk“, betont auch Jochen Fasco, der Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM). Lokale Medien seien für die Meinungsbildung in unserer Demokratie von entscheidender Bedeutung. Die Erhaltung und Förderung unabhängiger lokaler Qualitätsmedien sollte daher oberste Priorität haben.
Das Forschungsprojekt wurde von der TLM mit finanzieller Unterstützung der Thüringer Staatskanzlei (TSK) in Auftrag gegeben und über den Aktionsplan „Lokale Vielfalt – Demokratie in Thüringen stärken“ ermöglicht.
Für den Zugang zu lokalen Angeboten spielen digitale Endgeräte inzwischen eine wichtige Rolle – auch wenn es um Zeitungen, TV und Radio geht. Bürgerportale und Social Media-Kanäle gewinnen an Bedeutung. Die Vielfalt, Qualität, Relevanz und Kontinuität dieser Angebote lasse nach Einschätzung der Wissenschaftler jedoch zu wünschen übrig. Auffällig sei hier vielmehr eine hohe Dynamik, große Intransparenz sowie eine insgesamt geringe Sichtbarkeit von Politik.
Anbieter aus allen Mediengattungen verzeichnen nach eigenen Angaben sinkende Einnahmen und prognostizieren das meistens auch für die Folgejahre. Trotzdem gab die große Mehrheit der Anbieter in der Studie an, die eigenen Angebote künftig noch ausbauen zu wollen. Die Verwaltungen setzten in der Öffentlichkeitsarbeit dagegen vor allem auf ihre Amtsblätter und kommunalen Portale. Ihnen fehle es jedoch an Unabhängigkeit.
Im Rahmen des zweiteiligen Forschungsprojekts untersuchten das Forscherteam mittels umfangreicher Onlinerecherchen, Expertengesprächen, Inhaltsanalysen und einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung
- welche Angebote und Anbieter es in Thüringen gibt,
- wie es um ihre wirtschaftliche Lage und ihre Perspektive bestellt ist und
- welche Inhalte, Reichweite und Bedeutung die verschiedenen Gattungen haben.
Außerdem wurden Kriterien für die Identifikation und Abgrenzung politisch und gesellschaftlich relevanter Angebote entwickelt.
Eine Präsentation und eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse sind unter www.tlm.de abrufbar.
Für den 19. Juni 2025 ist zudem eine bundesweite Fachtagung der TLM in Erfurt geplant, in der die Ergebnisse der Forschung vorgestellt und mit Fachleuten aus Medien, Politik und Forschung diskutiert werden sollen. Dort wird auch der schriftliche Abschlussbericht mit allen Ergebnissen und den Details zum methodischen Vorgehen vorgelegt.