9 : 0 für die Verleger

Oder wie wird aus der Nullnummer eine faire Gehaltsrunde?

Neun zu null steht es bis zur Halbzeit für die Verleger kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft bei der Gehaltsrunde für RedakteurInnen an Tageszeitungen und den Verhandlungen über bessere Honorare für arbeitnehmerähnliche JournalistInnen. Denn seit Auslaufen der beiden Tarifverträge sind neun Monate vergangen, bei denen die Verlage bisher eine Erhöhung der Saläre sparten. Die Tarifrunde 2005 / 2006 eine Nullrunde? Oder noch schlimmer: Ein Minusgeschäft jetzt und erst Recht für die Zukunft?

Abwarten und den tariflichen Besitzstand verteidigen, anstatt Verschlechterungen abzuschließen! So die Devise der alten Tarifhasen. Die Fußballweltmeisterschaft nutzen und einen Streik beginnen? Die Sportredakteure werden sich bei der Teilnahme kaum zurückhalten, so die spöttischen Kommentare.
Diese und andere Fragen stellten sich die RedakteurInnen an Tageszeitungen auf der dju-Tarifkonferenz Baden-Württemberg Ende April. Durchaus ernsthaft. Wut, Angst, Gleichgültigkeit, Ignoranz und dennoch da und dort Streikbereitschaft – so die Landesbilanz. Knappe zwei Dutzend Betriebsräte und FunktionärInnen aus den baden-württembergischen Zeitungen waren gekommen, um ausführlich den Verhandlungstand der Tarifverhandlungen, Sondierungsgespräche und die Perspektiven zu beleuchten. Matthias von Fintel, Tarifsekretär Medien beim ver.di-Bundesvorstand, informierte umfassend und prägnant.

Steigern der Rendite durch Sparen bei den Gehältern

Eine große Mehrheit plädiert für Abwarten, aber damit nicht für Nichtstun. Keine Abstriche, keine Zugeständnisse machen, dafür eine breite Info-Kampagne. Die Verlegerabsichten sollen deutlich gemacht werden: Steigern der Rendite durch Sparen bei den Gehältern! Nichts Neues – aber durchaus wirksam, wie die Gewinnentwicklung der Verlage mit teils zweistelligen Renditen zeigt. Also informieren und Unmut aufbauen! Mit Warnstreiks noch ein wenig warten. Scheitern lassen, falls nötig. Und dann eine Urabstimmung …
Die Gründe: Am 17. Mai gibt es eine letzte Sondierungsrunde mit dem BDZV. Bei dieser müssen die Verleger-Vertreter beweisen, ob es ihnen nur um Geldgier oder auch um faire Tarifpolitik und Beibehaltung eines sozialpolitischen Konsenses geht. Bisher dürfen große Fragezeichen geschrieben werden. Denn zum Faktum, dass die Vertreter der Tageszeitungsbesitzer es nicht für nötig erachteten, eine Zahl zur Erhöhung der Gehälter zu nennen, haben sie gleichzeitig die zweite Runde beim Streichkonzert der Berufsjahresstaffel der Redakteursgehälter in Angriff genommen. Plakativ benannt – sollen es diesmal rund zehn Prozent des Lebenseinkommens sein, auf die künftig verzichtet werden soll.
Unisono die Tarifkonferenz: Das kommt nicht in Frage! Eine schlechtere Gehaltsstruktur für künftige JournalistInnen? Niedrigere Einstiegsgehälter? Kommt nicht in Frage! Also Warnstreik? Noch – nicht! So die Devise. Wir wollen diesen 17. Mai abwarten, ob die Unternehmer bei ihrer Position bleiben und wir wollen den 30. Juni 2006 abwarten und gespannt sehen, ob die Zeitungsbesitzer den Manteltarifvertrag für RedakteurInnen an Tageszeitungen kündigen. Das gibt den richtigen Auftrieb für einen Arbeitskampf!
Das wäre dann das Top-Signal für die Redaktionen, wieder zur Aktion zu greifen. Wir erinnern uns an die Fortsetzung der Tarifrunde nach unserem Streik 2003 / 2004. Ein guter Streik, der lange Zeit zum Aufbau brauchte, aber dann recht wirksam war. (Wer die Dokumentation noch einmal haben möchte, bitte melden.)

Es geht ans Eingemachte

Die 9:0 sind fast unbemerkt geblieben, sagen viele. „Ihr habt zu wenig mobilisiert! Ihr wisst, wie Journalisten ticken.“ – Da muss nicht viel auf dem Waschzettel stehen. – Aber: Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es geht ans Eingemachte. Zuerst minus zehn Prozent. Ein Jahr Nullrunde und dann noch einen schlechteren Manteltarif! Mit uns nicht!
„So werden Streiks geboren, liebe Verleger!“, meint die Tarifkonferenz und wartet neugierig die gesetzten Termine ab.

Man
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