Abschluss von Bestand?

Klaus Schrage, Vorsitzender der dju-Tarifkommission
Foto: Jan-Timo Schaube

Meinung

Was für ein Debakel! Am Ende der fünften Verhandlungsrunde über den Gehaltstarif für die Zeitungsjournalist*innen hat der Verlegerverband BDZV bekommen, was er unbedingt gewollt hatte: Einen viel zu niedrigen Tarifabschluss mit einer viel zu langen Laufzeit. Möglich war dies nur mit Zustimmung der Verhandler des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV).

Die DJV-Verhandler verließen die mit uns von der dju in ver.di vereinbarte Verhandlungslinie und nahmen die finalen Wünsche der Verleger nur noch zur Kenntnis. Wir waren und sind darüber fassungslos. Und hoffen inständig, dass es dabei nicht bleibt.

Unsere Forderungen waren zeitgemäß und maßvoll. Nach zwei Jahren ohne Tariferhöhung erschien uns am Ende der fünften Verhandlungsrunde eine Forderung von 125 Euro als Festbetragserhöhung ab Juli 2022 als gerade noch angemessen, um eine gemeinsame Verhandlungslinie mit dem DJV zu wahren. Als zweiten Erhöhungsschritt sah die Linie eine Erhöhung um 2,5 Prozent im ersten Quartal 2023 vor bei einer Laufzeit von 24 Monaten bis Ende 2023. Eine Coronaprämie von 500 Euro sollte eine Anerkennung für die Erschwernisse durch die Pandemie sein.

Vor allem der einheitliche Festbetrag für alle war uns ein großes Anliegen. Wir wollten erreichen, dass der Gehalts-Abstand zwischen jungen und langjährigen Redakteur*innen nicht noch größer wird. Wir wollten uns damit aber auch solidarisch gegenüber unseren Nachwuchs-Kolleg*innen zeigen, die durch die aktuelle Inflationsrate von 4,8 Prozent besonders stark belastet sind.

Unsere Verhandlungssituation war schwierig. Die Vertreter des BDZV verlegten sich darauf, ihr Angebot in Details immer wieder neu zu formulieren, dessen Gesamtvolumen aber gar nicht oder kaum zu ändern. Auch in der fünften Runde bewegten sich die Verleger im Kreis. Es wurde immer klarer, dass die Zeit für Streikaktionen gekommen war. Unsere Vorbereitungen waren angelaufen.

Doch am Ende stand ein zwischen dem BDZV und DJV abgesprochenes Tarifergebnis mit Erhöhungen um 1,5 und 2,0 Prozent ab September 2022 und Juni 2023 in einer 28-monatigen Laufzeit bis Ende April 2024. Das erst ganz zum Schluss vom BDZV geforderte Verschieben der ersten Entgelterhöhung vom 1. Juli auf den 1. September 2022 wurde von DJV-Seite ohne Widerspruch akzeptiert. 100 Euro Festbetragserhöhung für die Volontär*innen und 500 Euro Coronaprämie sind nur ein ganz schwacher Trost angesichts der Tatsache, dass hier der schlechteste gemeinsame Tarifabschluss von DJV und dju/ver.di ausgehandelt wurde, den es in den Verhandlungsrunden der letzten Jahre je gegeben hat.

Die Verleger haben das Geschenk dankend angenommen. Ob sie langfristig Freude damit haben werden, ist aber zu bezweifeln. Die Medienhäuser haben ausweislich einer vom BDZV in Auftrag gegebenen Marktstudie wachsende Probleme, fähige Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Wer aber die Redakteurs-Arbeit im Vergleich zu anderen Berufen immer weiter entwertet und keinerlei Wertschätzung fürs eigene Personal zeigt, darf hier keine Besserung erwarten.

Ob es bei diesem miesen Abschluss bleibt, hängt nun von internen Beratungen in den DJV-Gremien ab. Diese können ihre Zustimmung verweigern und weitere Verhandlungen in Gang setzen. Tun sie es nicht, bedeutet das: Wenn sich zwei Organisationen einig sind, sind wir von der dju als dritter Tarifpartner ausgebootet. Das tut weh.

Aber wir werden darüber reden und stellen fest: Wir sind die bessere Gewerkschaft. Kommt zu uns! Ihr seid willkommen.


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