Bei Funke in Hamburg liegt einiges im Argen

Bergedorfer Zeitung und Hamburger Abendblatt gehören zur Funke-Zeitungsgruppe Hamburg
Foto: Lorenz von Dulsberg

Stellenabbau bei der Bergedorfer Zeitung, Digitaloffensive beim Hamburger Abendblatt und ein auslaufender Rationalisierungsschutz. Am Hamburger Standort der Funke Mediengruppe grummelt es hörbar: 1,1 Millionen Euro soll die Bergedorfer Zeitung bis 2020 einsparen – 500.000 im Verlag und 400.000 in der Redaktion noch 2018, in der Redaktion in den nächsten beiden Jahren weitere 200.000 Euro. Die Belegschaft zeigt sich zusehends kämpferisch, die Betriebsräte sind aktiv.

Die Bergedorfer Zeitung gehört zu dem Gesamtpaket an Regionalzeitungen, die Funke 2013 vom Axel-Springer-Verlag erwarb. Nun soll sie erstmals in ihrer 150-jährigen Geschichte rote Zahlen geschrieben haben. Betriebsbedingte Kündigungen hat der Betriebsrat gerade eben verhindern können: Das Sparziel des Verlagsbereichs soll durch Nichtbesetzung frei werdender Stellen – unter anderem zwei hoch dotierte Führungspositionen – erreicht werden. Auch in der Redaktion gehen Beschäftigte. Doch das alleine reicht nicht. „Gut die Hälfte der Redakteure hat sich bereit erklärt, Arbeitszeit zu reduzieren, um alle Kollegen in der Redaktion halten zu können“, sagt Olaf Lüttke, Betriebsratsvorsitzender der Bergedorfer Zeitung, „und die Geschäftsführung hat das akzeptiert.“

Die Auflage der 1874 gegründete Regionalpublikation, die aus dem Hamburger Bezirk Bergedorf und den beiden angrenzenden schleswig-holsteinischen Landkreisen Lauenburg und Stormarn berichtet, liegt bei knapp 16.000 Exemplaren. Konkurrenzlos ist das Blatt lediglich, was die Berichterstattung aus dem Bezirk angeht. In den Landkreisen gibt es Mitbewerber, zum Teil sogar aus dem eigenen Verlag. Nun müssen sich die verbleibenden 21 von 26 Redakteuren neben den teilzeitbedingten finanziellen Einbußen zusätzlich auf Arbeitsverdichtung einstellen. Außerdem verlautet aus der Chefetage, zunächst keine Volontäre mehr zu beschäftigen.

Betriebsbedingte Kündigungen wollte der Verlag dennoch vermeiden – wohl auch deshalb, weil es bei der Bergedorfer Zeitung noch ein gültiges Rationalisierungsschutzabkommen gibt, eine Art Sozialplan auf Vorrat, der Kündigungen teuer macht. „Der Betriebsrat und die Geschäftsführung haben seinerzeit ein eigenes Bergedorfer Abkommen ausgehandelt, weil die Bergedorfer Geschäftsführer das Modell aus dem Haupthaus nicht wollten“, sagt Lüttke. „Deshalb unterscheidet sich unsere Nachwirkungsklausel auch von der in der Innenstadt.“ Das Bergedorfer Ratioschutz-Abkommen bleibt demnach so lange gültig, bis sich beide Seiten auf etwas anderes einigen.

Digitalstrategie sorgt für Unruhe im Haupthaus

Anders beim Hamburger Abendblatt und den Hamburger Funke-Zeitschriften. Hier ist der Rationalisierungsschutz vier Jahre nach dem Übergang von Springer zu Funke ausgelaufen. Betriebsrat und Belegschaft setzen sich für ein neues Abkommen ein. Die Verlagsleitung lehnt ab. Es gab deshalb verschiedene Protestaktionen der Beschäftigten vor dem Verlag. Ziel ist es jetzt, die Inhalte des alten Abkommens in einem Sozialtarifvertrag durchzusetzen.

Seit dem Übergang von Springer zu Funke sind in der Hauptredaktion des Abendblatts etwa 70 Stellen weggefallen. Zum Teil sind die Redakteur_innen weiter bei Funke beschäftigt, zum Beispiel in einer der neu geschaffenen, bundesweit liefernden Zentralredaktionen der Mediengruppe oder in den sechs Regionalredaktionen des Hamburger Abendblatts in Außenbezirken und Umlandkreisen; zu einem großen Teil sind freie Stellen aber schlicht nicht nachbesetzt worden. Auch beim Abendblatt steigt der Produktionsdruck auf die Redakteure. Vor diesem Hintergrund sorgen die Funke-Pläne einer neuen Digitalstrategie für Unruhe in der Redaktion. Es sei nicht die Tatsache, „dass wir uns digital besser aufstellen wollen, was uns Sorgen macht, im Gegenteil: das sichert ja die Zukunft“, sagte ein Abendblatt-Redakteur bei der letzten gemeinsamen Mitgliederversammlung von ver.di und DJV für Hamburger Funke-Beschäftigte: „Es ist nur so vieles im Unklaren.“

Die strategische Marschroute zumindest scheint klar: Die digitalen Kanäle der einzelnen Titel sollen ausgebaut werden und mit dem Zeitungstitel als Markenkern neue Abonnements generieren, Print oder Online. Im Online-Bereich wird auch über Kurzzeitabos nachgedacht. Mit dieser Online-Markenstrategie war das Abendblatt bereits zu Springer-Zeiten erfolgreich gestartet. Im Übergang geriet diese Entwicklung allerdings ins Stocken. Bei der Neuaufnahme der Digitalstrategie soll nun eine eigene journalistische Online-Redaktion wegfallen. Die verbleibenden Online-Redakteure sollen nur noch Inhalte für ihre Kanäle aufarbeiten, die ihnen schreibende Redakteure zuliefern.

Dafür fehlten bisher klare Vorgaben, hieß es bei der Mitgliederversammlung: „Zum Beispiel sollen die Onliner morgens um sechs anfangen. Die ersten Reporter kommen aber erst gegen neun. Wer liefert morgens die Inhalte? Ein Frühdienst? Und wie wird der besetzt – freiwillig? Wird es dann eine Frühzulage geben oder wird man schlicht gezwungen, frühmorgens hereinzukommen?“ Außerdem bleiben rechnerisch dreieinhalb bisherige Online-Redakteure „übrig“, hieß es auf der Versammlung; und niemand wisse, wo diese untergebracht werden sollen. Drei Redakteursstellen sollen von der zentralen Lokalredaktion in die Außenausgaben verschoben werden. Das macht nicht jeder freiwillig mit.

Für die nächsten Protestaktionen vor dem Redaktionsgebäude am Großen Burstah gibt es also genügend Zündstoff.

 

 

 

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