Dunkelheit im WDR: Sendungen bestreikt

Sendeausfälle im Westdeutschen Rundfunk Foto: ver.di/wdr

Kurz vor der vierten Tarifverhandlung am 23. August gingen beim ARD-Morgenmagazin am 20. August die Lichter aus. Die Moderator*innen Anna Planken und Sven Lorig verkündeten aus dem dunklen Studio, dass wegen eines Warnstreiks nicht mehr live gesendet werden könne. Mindestens 400 WDR-Beschäftigte waren dem Aufruf von ver.di und DJV zu dem 19stündigen Ausstand gefolgt. Die Folge waren zahlreiche Sendeausfälle und Störungen im Programmablauf.

Bei 1Live wurden weder Nachrichten noch Stau-Infos gesendet. Auch die 14 Uhr-Nachrichtensendung von WDR2, WDR3 und WDR4 konnte nicht wie gewohnt stattfinden. Die WDR-Sendung „Hier und Heute“ fiel aus. Das Studio blieb leer.

Die Forderungen der Gewerkschaften in der gerade laufenden Tarifrunde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind klar: Keine Abkoppelung der Beschäftigten von der Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst. Intendant*innen und Politik sollen sich für den Rundfunk einsetzen und nicht durch einen knallharten Sparkurs die Programmsubstanz gefährden, der zudem an die Grenzen der Belastbarkeit der Mitarbeitenden geht.

Im WDR wird konkret die Erhöhung der Einkommen um einen Sockelbetrag von 150,00 Euro gefordert. Dazu kommt eine prozentuale Erhöhung der Einkommen und Effektivhonorare um 6 Prozent (im Volumen inklusive des Sockelbetrags) bezogen auf 12 Monate. Beschäftigte sollen zudem das Recht haben, die Erhöhung der Einkommen in zusätzliche „freie Zeit“ umzuwandeln. Das Ausbildungsentgelt wird um 100,00 Euro erhöht. Für Freie soll es folgende soziale Komponenten geben: Tage mit Schulungen werden künftig mit 200 Euro je Tag honoriert, Krankengeld ab dem ersten Tag und der Härtefallfond für Freie wird verlängert und aufgestockt.

Der WDR beharre jedoch weiterhin in den Tarifverhandlungen auf Verschlechterungen für die Beschäftigten. So wolle der Arbeitgeber den „Besonderen Steigerungsbetrag“ komplett streichen. „Davon wäre ein Drittel der Beschäftigten im WDR betroffen. Dabei geht es um bis zu 260 Euro im Monat“, heißt es in einem ver.di-Tarifinfo vom Juli.

WDR-Verwaltungsdirektorin Katrin Vernau erklärte am gestrigen Streiktag gegenüber dpa: „Um einen erfolgreichen Abschluss zu erzielen, müssen sich beide Seiten aufeinander zu bewegen. Weiterhin gilt: Wir sind bereit zu einer Lösung, die unserer Verantwortung gegenüber den Beitragszahlern in NRW gerecht wird.“ Man darf also gespannt sein auf die Bewegung am kommenden Freitag.

Auch beim MDR und beim NDR kam es im August zu keiner Einigung. Die Arbeitgeber bewegen sich nur in sehr kleinen Schritten in Richtung Gewerkschaften. ver.di im NDR spricht vom „Schneckentempo“. Abschlussfähig sei das nicht! Die Verhandlungen werden wie beim SWR, BR, MDR, SR im September fortgesetzt.

Soliadressen vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) und vom Saarländischen Rundfunk (SR):


Aktuelle Informationen zur Tarifrunde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf rundfunk.verdi.de


Aktualisierung am 23.8.2019

Warnstreik, die zweite beim WDR

Auch beim zweiten Warnstreik am 22. August kam es im WDR zu Programmstörungen. So musste etwa die Sendung „Live nach Neun“ im Ersten durch eine Zusammenstellung alter Aufzeichnungen ersetzt werden. Erneut waren über 300 Mitarbeiter*innen des WDR, der Regional- und Landesstudios sowie des ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservices dem Aufruf von ver.di und DJV gefolgt, vor der vierten Tarifverhandlungsrunde am 23. August für ihre Ziele auf die Straße zu gehen. Der Streik betraf das gesamte Sendegebiet.

Auf twitter ist alles live unter #jetzteinschalten #wdr oder beim account von @verdi_WDR  nachzuverfolgen.


Auch in der 4. Verhandlungsrunde keine Einigung  

Auch die vierte Verhandlungsrunde in der Tarifauseinandersetzung zwischen ver.di und dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) ist am 23. August in Köln ergebnislos beendet worden. Die Arbeitgeberseite legte erneut kein verbessertes Angebot vor.

„Die erfolgreichen Streikmaßnahmen im Vorfeld der Verhandlung haben gezeigt, wie groß die Unterstützung für die Forderungen bei den Beschäftigten des WDR ist“, erklärte Christof Büttner, Landesfachbereichsleiter Medien, ver.di NRW. „Der Wunsch nach verbesserten Bedingungen ist spürbar. Unser Ziel ist demnach weiterhin die Orientierung am öffentlichen Dienst und ein Tarifabschluss, der im Vergleich zum bestehenden Arbeitgeberangebot auch eine Reallohnsteigerung bedeutet. Dafür können und werden wir weiter mobilisieren.“

Die Tarifverhandlungen beim WDR werden am 26. September in Köln fortgesetzt.

 

nach oben

weiterlesen

DuMont verkauft zuerst Zeitungen in Berlin

Ewigkeitsformeln halten aus Kölner Sicht offenbar zehn Jahre. Als das Traditionshaus M. DuMont Schauberg den Berliner Verlag 2009 für 152 Millionen von der Heuschrecke Mecom kaufte, wurde Prinzipal Alfred Neven DuMont mit „Wir gehen nie wieder fort. Wir sind keine Spekulanten.“ zitiert. Nun werden die hauptstädtischen DuMont-Medien von dem Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich übernommen, das keinerlei verlegerische Erfahrung hat.
mehr »

OVG: Fotoverbot für Essener Polizei

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen darf keine Fotos von Demonstrationen oder anderen Versammlungen für ihre Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Dies hat heute das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster entschieden. Fotos von Versammlungsteilnehmer*innen seien lediglich zum Zweck der Gefahrenabwehr zulässig. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Sachverhalts wurde eine Revision an das Bundesverwaltungsgericht (BVG) zugelassen.
mehr »

Rettet Mumias Augenlicht!

Vor der US-Botschaft in Berlin haben am 14. September etwa 100 Menschen die Freilassung des Journalisten und Ehrenmitgliedes von ver.di Berlin-Brandenburg, Mumia Abu Jamal, gefordert. 1982 wurde er in einem Indizienprozess wegen Polizistenmordes zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde später in lebenslange Haft umgewandelt. Nun ist der Gesundheitszustand des Journalisten besorgniserregend. Er droht zu erblinden.
mehr »

FSK-Freigaben künftig mittels Algorithmus

Seit siebzig Jahren sorgen die ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) in Wiesbaden dafür, dass kein Film ohne Altersfreigabe in die Kinos kommt. Über die Frage etwa, ob eine Produktion schon ab 6 oder erst ab 12 Jahren freigegeben werden kann, wird oft hitzig diskutiert. Das dürfte es ab dem nächsten Jahr nur noch selten geben, denn dann werden solche Entscheidungen von einem Algorithmus getroffen. Jugendschützer sind skeptisch, ob das funktioniert.
mehr »