Fest eingeplant, dann Arbeitnehmer

BAG-Entscheidung zu Pauschalisten in Redaktionen

Journalisten, die von einer Redaktion als Pauschalisten beschäftigt werden, können rechtlich gesehen Arbeitnehmer sein, wenn sie – beispielsweise durch Dienstpläne – fest in den Arbeitsablauf eingebunden sind. Das hat das Bundesarbeitsgericht in Kassel entschieden. Der 5. BAG-Senat hat am 16. Juni 1998 eine Nichtzulassungsbeschwerde gegen ein entsprechendes Urteil des Landesarbeitsgerichtes Chem-nitz zurückgewiesen (Az.: 5 AZN 154/98).

Geklagt hatte ein sächsischer Fotojournalist auf Festeinstellung bei der „Chemnitzer Morgenpost“. Durch den Vertrag war er dort seit 1993 als „selbständiger Unternehmer“ verpflichtet, monatlich mindestens 80 Fotos zu liefern, und mußte „im Rahmen betrieblicher Prioritäten freie Arbeitszeitkapazitäten bereit halten“. Hierfür erhielt er eine Pauschale von 5500 Mark. Als er aufgrund seiner ausschließlichen Tätigkeit für die Zeitung die Festanstellung begehrte, wurde er vom Verlag gekündigt. Der Betriebsrat widersprach. Die Kündigungsschutzklage für den jetzt festangestellten Redakteur läuft unabhängig von der entschiedenen Festanstellungsklage weiter. Bereits das sächsische LAG hatte der Klage auf einen festen Arbeitsplatz stattgegeben. Der Verlag habe im Umfang eines vollen Arbeitsverhältnisses über den Fotografen verfügt. Sein Recht zur Absage habe nur formal bestanden, hatte es im Urteil begründet. Der Verlag der Dresdner und Chemnitzer „Morgenpost“ (zu 60 Prozent im Besitz von Gruner+Jahr, 40 Prozent gehören der SPD) hatte dagegen argumentiert, daß die Vorgabe von Ort und Zeit bei Foto-Aufträgen nicht zu einem Arbeitsverhältnis führt. Seine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision wurde aber vom BAG zurückgewiesen. „Wir sehen uns in unserer Rechtsauffassung bestätigt, wonach sogenannte Pauschalisten in Redaktionen in der Regel als Redakteurinnen und Redakteure mit Arbeitnehmerstatus anzusehen sind“, begrüßte Manfred Moos von der Tarifabteilung der IG Medien die höchstrichterliche Entscheidung. „Wir werden jetzt prüfen, wo wir unsere Mitglieder ermuntern, ähnliche Klagen zu führen.“ Mittelfristig hofft die IG Medien, so das „Pauschalisten-Unwesen“ stoppen zu können. Seit geraumer Zeit werden besonders bei Tageszeitungen Redakteursstellen abgebaut und durch sogenannte Pauschalisten ersetzt, die für dieselbe Tätigkeit mindestens um ein Drittel schlechter als nach dem Redakteurstarif bezahlt werden. „So wird in vielen Redaktionen ein Zweiklassensystem von Kolleginnen und Kollegen geschaffen“ sagte Moos. Es könne nicht angehen, daß für die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt werde

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Eintracht bei der VG Wort

Wer Mitgliederversammlungen (MV) der Verwertungsgesellschaft VG Wort schon länger verfolgt, musste sich fast die Augen reiben: Bei der jüngsten MV war kein Streit zwischen oder gar unter einzelnen Berufsgruppen zu vermelden. Und bei allen Abstimmungen – deren waren es sehr viele! – wurde kein einziger Vorschlag abgelehnt.
mehr »

Recherche wird zur Superkraft

Recherche-Koryphäen wie Thomas Leif und Hans Leyendecker machten das Netzwerk Recherche groß. Kollegialer Austausch und Kooperation ermöglichen den mittlerweile rund 1300 Mitgliedern auch bei starken Windböen von rechts, weiterhin harte Fakten für die gemeinsame Wirklichkeitsdeutung zu recherchieren, die lebenswichtig für eine Demokratie sind. Diese selbstbewusste Haltung prägte die Jahrestagung „Superkraft Recherche“ zum 25. Geburtstag der Journalist*innenvereinigung.
mehr »

Kartellrecht mit kleinen Ausnahmen

Presseverlage sollen dauerhaft vom Kartellverbot ausgenommen werden, wenn sie außerhalb des redaktionellen Bereichs kooperieren wollen. So steht es im Referentenentwurf zur zwölften Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), vorgelegt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Kooperationen im öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk sollen aber nicht erleichtert werden.
mehr »

Streik in vier großen ARD-Anstalten

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) erhöht deutlich den Druck auf mehrere große ARD-Sender in den laufenden Tarifverhandlungen. Bereits seit Mittwochmorgen finden Streiks im WDR und im SWR statt, von Donnerstag (18. Juni 2026) an auch im BR und im NDR.
mehr »