Honorare in Online-Diensten für viele kein Thema

Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing macht auf Probleme der Bildhonorierung aufmerksam

Ein 20prozentiger Honoraraufschlag für die zusätzliche Verwendung von Fotos in Online-Diensten wird von den Medien-Konzernen in der Regel offenbar nicht gezahlt. Diese Feststellung traf die Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) auf ihrer Jahresversammlung in Hamburg.

In ihrer alljährlich herausgegebenen Broschüre „Bildhonorare“ hatte die MFM die Empfehlung für diesen Zuschlag gegeben. Nur wenige, darunter auch IG Medien-Vertreter Christian von Polentz, konnten von Verlagen berichten, die freiwillig ohne Anstoß ein zusätzliches Honorar von 20 Prozent oder weniger bezahlen. Andere zahlen, wenn es der Fotograf einfordert. Die Erfahrungen würden jedoch belegen, daß für die meisten die Honorierung in Online-Diensten kein Thema sei, so der Fotograf aus Berlin. Erinnert wurde an die Aktion der „Tagesspiegel“-Fotografen im März diesen Jahres in Berlin. Sie hatten sich gegen eine unbezahlte Mehrfachnutzung ihrer Fotos in verschiedenen Medien, darunter im Internet, zur Wehr gesetzt (siehe M 4/99). Die MFM wird die Verbände, die Fotografen vertreten, auf diese Problematik aufmerksam machen. Außerdem sollen die Chefredaktionen von Tageszeitungen in einem Rundbrief nochmals darauf hingewiesen werden, daß die gesonderte Online-Nutzung nun einmal gesondert honoriert werden müsse. Das um so mehr, da sich immer mehr Zeitungen im Internet präsentieren.

Ein weiteres Thema war die Höhe der Honorare für Titelfotos in illustrierten Zeitschriften. Die in der MFM-Broschüre angegebenen Honorare seien zu hoch und in der Praxis nicht durchsetzbar. Beispielsweise wird bei einer Auflage von 500000 ein Honorar von 1650 Mark empfohlen. Das Plenum beschloß dennoch, die Vorgaben nicht zu verändern, da die Akzeptanz der geforderten Honorare seitens des Kunden dann weiter runter gehen würde.

Die Rubriken Illustrierte-, Mitglieder-, Kunden-, Mitarbeiter-, Firmenzeitschriften sollen künftig in der Broschüre mehr differenziert werden. Gerade in diesem Bereich sei nicht alles über die Auflage zu definieren, so Christian von Polentz. „Beispielsweise gibt es Kundenzeitschriften, die vor allem der Werbung dienen, und solche mit einem höheren unterhaltenden Charakter, in denen der Anteil journalistischer Beiträge dementsprechend größer ist.“

Bei Büchern und Bildbänden wurde konstatiert, daß Nachauflagen nicht gemeldet und somit die Urheber um ihr Geld gebracht werden. Das MFM-Plenum regte dazu eine Medienanalyse an. Außerdem soll durch eine PR-Aktion darauf hingewiesen werden, daß bei nicht gemeldeten Nachauflagen ein 500prozentiger Aufschlag für die so nicht genehmigte Nutzung erhoben werden kann.

Die Mittelstandsgesellschaft Foto-Marketing ist ein Arbeitskreis des Bundesverbandes der Pressebild-Agenturen und Bildarchive e.V. (BVPA). Sie ist darüber hinaus offen für alle, die eine Pressebild-Agentur, einen Bilderdienst oder ein Bildarchiv in Deutschland betreiben sowie für Organisationen, die Bildjournalisten und Fotografen vertreten. Die jährlich von der MFM ermittelten und herausgegebenen „Bildhonorare“ haben sich inzwischen sowohl für Anbieter als auch für Nutzer von Bildern als eine nützliche Kalkulationsgrundlage für Honorare bewährt. Bei Streitfällen werden sie von den Gerichten als Richtlinie zur Bewertung von Bilderverwendungen herangezogen.

 

 

nach oben

weiterlesen

Slowenien: Regierung dreht Geldhahn zu

Einschüchterung, Selbstzensur und ein Premierminister, der den Medien den Krieg erklärt hat. In Slowenien, das zurzeit turnusmäßig die EU-Ratspräsidentschaft innehat, will sich Janez Janša die Presse untertan machen. Der staatlichen Nachrichtenagentur STA drehte er den Geldhahn zu. Unterstützung erhält er dabei aus Ungarn. Doch der Slowenische Journalistenverband stellt sich dagegen und übt Solidarität mit Kolleg*innen.
mehr »

Tarifrunde bei den Privatradios gestartet

Für die rund 1.000 Beschäftigten in Privatradios, die im Tarifverband Privater Rundfunk (TPR) zusammengeschlossen sind, haben die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutsche Journalistenverband (DJV) am 12. Oktober 2021 Tarifverhandlungen gestartet. ver.di fordert für die redaktionellen, technischen und kaufmännischen Beschäftigten einen Festbetrag in Höhe von 175 Euro, für Volontär*innen von 100 Euro und für Auszubildende von 50 Euro für eine Laufzeit über die kommenden zwölf Monate. Die Arbeitgebervertreter haben ihrerseits kein konkretes Angebot gemacht.
mehr »

Buchtipp: Ausbildung mit „blinden Flecken“

Wirtschaftspolitische Berichte spielen eine Schlüsselrolle in den meisten gesellschaftlichen Diskussionen, erklärt Valentin Sagvosdkin in der Studie der Otto-Brenner-Stiftung zur Ausbildung von Wirtschaftsjournalist*innen. Doch mangele es an Pluralität, wichtige Themen wie „Gerechtigkeitsdebatten“ würden kaum aufgegriffen, denn eine einseitige Fokussierung auf neoliberale Wirtschaftstheorien werde schon in der Ausbildung vermittelt. Diese „blinden Flecken“ im Wirtschaftsjournalismus seien spätestens seit der Finanzkrise 2008 offenkundig.
mehr »

ARD und ZDF gehen gegen Bild TV vor

ARD und ZDF ziehen rechtliche Konsequenzen aus der nicht genehmigten Nutzung ihrer Inhalte durch Bild TV am Wahlabend. „Wir haben uns entschlossen, rechtlich gegen Bild TV wegen der aus unserer Sicht rechtswidrigen Übernahme unserer Berichterstattung vorzugehen“, teilte die ARD dem Evangelischen Pressedienst (epd) jetzt mit. Ein Sprecher des ZDF sagte, der Sender ziehe „Konsequenzen aus der nicht genehmigten Übernahme von Teilen der ZDF-Wahlsendungen im linearen Angebot und auf der Website von BILD-TV am Wahlsonntag“.
mehr »